FC Schalke 04 verzichtet auf teure Hilfe und setzt auf die Zukunft

Junge Talente verpflichtet : Schalke verzichtet auf teure Hilfe und setzt auf die Zukunft

Schalke 04 hat zwar in Rabbi Matondo ein umworbenes Offensivtalent für die Zukunft verpflichtet. Die Sturmsorgen der Gegenwart löste Manager Christian Heidel mit seinen Wintertransfers aber nicht.

"Feueralarm", scherzte Christian Heidel, als die Mikrofone im Presseraum von Schalke 04 seltsame Geräusche von sich gaben. Ganz so brenzlig ist die Lage beim Vizemeister nach dem Ende der Wintertransferzeit zwar nicht, doch nach seiner erfolglosen Stürmersuche musste der Sportvorstand der Königsblauen in den Verteidigungsmodus schalten.

"Wenn wir einen Stürmer kaufen, der uns weiterhilft, dann reden wir über einen hohen zweistelligen Millionenbetrag", sagte Heidel, "das kann Schalke nicht stemmen." Verschiedene Leihgeschäfte seien geprüft worden, doch am Ende habe man sich gegen eine kurzfristige Hilfe und für die Zukunft entschieden. Der 18-jährige Waliser Rabbi Matondo, am Mittwoch für neun Millionen Euro vom englischen Meister Manchester City verpflichtet, soll mit seinem Tempo auf dem Flügel das Schalker Spiel langfristig verbessern.

Möglicherweise muss das Offensivtalent, um das laut Heidel "sehr viele Klubs gebuhlt" hätten, aber schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Borussia Mönchengladbach helfen. Denn als einziger Stürmer steht Trainer Domenico Tedesco aufgrund der zahlreichen Verletzten derzeit Mark Uth zur Verfügung.

"Er ist sehr fokussiert, sehr zielstrebig. Er ist im Saft", sagte Tedesco über den hochtalentierten Matondo, der noch kein Profispiel bestritten hat, "ob er aber am Wochenende spielt, kann ich noch nicht sagen."

Den Mittelstürmer, den sich Tedesco angesichts der Verletztenmisere und der schwachen Trefferquote gewünscht hatte, bekam er nicht. Obwohl Schalke nicht nur mit erfahrenen Angreifern wie dem Kroaten Nikola Kalinic (31/Atletico Madrid) und dem Spanier Lucas Perez (30/West Ham United) in Verbindung gebracht wurde. "Wo ich überall gesehen wurde - in Barcelona, in London. Und wer alles bei uns im Büro saß", sagte Heidel schmunzelnd.

Auf den letzten Drücker versuchte er offenbar, dem Ligarivalen Fortuna Düsseldorf den Polen Dawid Kownacki vor der Nase wegzuschnappen. Der 21-Jährige hatte aber laut seinem Berater der Fortuna schon früh sein Wort gegeben, Düsseldorf lieh das größte Sturmtalent Polens bis zum Saisonende von Sampdoria Genua aus - mit Kaufoption.

"Schalke hat eine große Chance vertan", klagte der Ex-Schalker Tomasz Hajto bei Funke Sport: "Sie hätten sich viel früher um Dawid bemühen müssen. Er gehört zweifelsohne zu den größten Sturmtalenten in Europa." Heidel gab zumindest zu, sich "erkundigt" zu haben, "es gab mal Kontakt".

Am Ende aber erfüllte sich Tedescos Wunsch nicht. Die Personalsituation im Sturm bleibt deshalb stark angespannt. Breel Embolo, Guido Burgstaller und Steven Skrzybski fehlen wegen Verletzungen weiterhin, der aussortierte Franco Di Santo wurde an den spanischen Erstligisten Rayo Vallecano abgegeben. Einzig Uth ist fit, den Ex-Hoffenheimer setzte der Coach zuletzt aber im Mittelfeld ein. "Wir sehen uns gut aufgestellt", behauptete er dennoch.

Für den Notfall in der Defensive steht Tedesco immerhin der zweite Neuzugang Jeffrey Bruma zur Verfügung. Der Niederländer, den Schalke vom VfL Wolfsburg auslieh, ist nach dem Verkauf von Naldo als Back-up für die beiden Innenverteidiger Matija Nastasic und Salif Sane vorgesehen.

Außerdem haben die Knappen Ahmed Kutucu zum Profi-Spieler gemacht. Der 18-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2022, wie die Revierclub am Freitag mitteilte. In der laufenden Saison bestritt Kutucu vier Liga-Partien, dabei gelang dem türkischen U19-Nationalspieler ein Tor. „Er ist ein großes Talent, das viel sportliches Potenzial und einen ebenso großen Willen mitbringt, sich im Profibereich durchzusetzen“, sagte Schalke-Trainer Domenico Tedesco laut Mitteilung. Kutucu spielt seit der D-Jugend bei Schalke.

(rent/sid/dpa)
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