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FC Schalke 04 scheitert an Torwart Timon Wellenreuther

Wellenreuther patzt in Berlin : Schalke scheitert am eigenen Torwart

Der 19-jährige Timon Wellenreuther gilt als großes Talent. Doch zum wiederholten Male hat er danebengegriffen.

Natürlich sind alle eifrig darum bemüht, den Stab nicht über einen erst 19-jährigen Nachwuchstorwart zu brechen. "Da brauchen wir nicht drumherum zu reden: Dass Timon den Ball zweimal nach vorne abprallen lässt, ist bitter", sagt Schalkes Sportvorstand Horst Heldt zu den Aktionen seines Schlussmanns vor den Treffern der Berliner Änis Ben-Hatira (21.) und Genki Haraguchi (81.). "Timon wird daraus lernen."

Das ist für ihn persönlich mindestens zu hoffen, fraglich ist allerdings, ob der Verein sich diese Entwicklungsphase leisten kann. Die Königsblauen habe hohe Ansprüche. Durch das Remis gegen Hertha gerät die erneute Qualifikation für die Champions League in Gefahr. Wellenreuther hatte nicht zum ersten Mal gepatzt - in Frankfurt, gegen Bremen und im Hinspiel gegen Madrid. Zu oft war er (noch) nicht der erhoffte Rückhalt.

Dementsprechend sehnsüchtig wird einer raschen Genesung der in der Hierarchie vor ihm stehenden Ralf Fährmann (Kreuzband-Teilriss) und Fabian Giefer

(Adduktoren-Verletzung) entgegengesehen. Im Fall des eigentlichen Stammtorwarts Fährmann gehen optimistischste Prognosen davon aus, er könne bereits am Samstag im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen wieder auf dem Platz stehen. Der 35-jährige Christian Wetklo stünde theoretisch auch noch als Ersatz-Ersatz-Ersatzmann bereit, wird aber wohl nicht zum Zuge kommen.

In der Mannschaft soll einstweilen schon etwas lauter über die Leistungen von Wellenreuther gemurrt worden sein. Sein Auftreten steht mitunter nicht im Gleichgewicht zu seinen Leistungen. In der Hauptstadt ist er hinterher wortlos in die Kabine getrottet. "Wir stehen als Mannschaft zusammen. Wenn ein Torwart einen Fehler macht, ist es sofort ein Tor. Wir machen alle Fehler", befindet Trainer Roberto Di Matteo. "Wir werden dem Jungen weiter Vertrauen geben." Was soll er in seiner Position auch anderes sagen? Die Fehler haben ja alle sowieso gesehen. Und auch Kapitän Benedikt Höwedes verkündet brav: "Die Mannschaft macht ihm keinen Vorwurf. Er selbst ärgert sich sicherlich am meisten."

Ganz sachlich betrachtet, passieren Wellenreuther auf dem geforderten Niveau zu viele Fehler. Das hat viel mit mangelnder Erfahrung zu tun, mit zu viel Ehrgeiz, aber auch schlicht handwerklichen Unzulänglichkeiten. Die Strafraumbeherrschung macht ihm zu schaffen, mehrmals hat er Bälle unterlaufen. Da die vor ihm stehenden Abwehrkräfte immer mal abenteuerliche Wackler haben, köchelt in der Defensivabteilung der Knappen ein gefährliches Gemisch aus Fehlleistungen. Ausgerechnet gegen die Werkself fehlt Nationalspieler Höwedes nach der fünften Gelben Karte.

Schalke wäre nicht Schalke, wenn es bei all dem Theater um Wellenreuther auf der großen Bühne der Königsblauen wieder einen Hochgelobten gäbe. Leroy Sané, Sohn des früheren Profis Souleyman Sané, machte gegen Hertha weiter Werbung in eigener Sache. Vier Tage nach seinem Champions-League-Debüt gegen Real Madrid erzielt der 19-Jährige erneut ein Tor. Joel Matip rettete Schalke mit seinem Last-Minute-Ausgleich (90.) einen Punkt.

Die Erwartungen an Sané sollten überschaubar bleiben. Es gibt eine Reihe mahnender Beispiele.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Timon Wellenreuther

(RP)