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FC Schalke 04: Roberto di Matteo nach nächstem peinlichen Auftritt nicht mehr zu halten

Kommentar zu Schalke : Di Matteo nach nächstem peinlichen Auftritt nicht mehr zu halten

Manchmal ist der Fußball nicht fair. Da setzt sich Schalke 04 für Tradition in der Branche ein und keiner dankt es ihnen. Mit einer wieder einmal blutleeren Vorstellung bei der 0:2-Niederlage gegen einen nicht gerade vor Kraft strotzenden Hamburger Sportverein haben die Königsblauen zwei Dinge erreicht. Erstens: der Bundesliga-Dino bekommt auf allzu leichte Weise zwei weitere Chancen, die Klasse zu halten. Zweitens: Schalke hat sich nicht direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Wie peinlich!

Auf den letzten Drücker sind die Knappen auf Platz sechs abgerutscht. Der Verein muss deshalb möglicherweise erst noch die Qualifikation spielen. Gewinnt der VfL Wolfsburg den DFB-Pokal nicht, müsste Schalke sich erst für die Gruppenphase qualifizieren. Ein königsblauer Albtraum. Es ist an der Zeit, um auf Schalke zu handeln. Sportvorstand Horst Heldt hat vergleichsweise zaghaft angekündigt, zeitnah eine Entscheidung verkünden zu wollen. Fraglich, ob er selbst dann noch zu den handelnden Personen gehören wird.

Als sicher gilt der Rauswurf von Trainer Roberto di Matteo. Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Oktober hat der Italiener es nicht vermocht, ein Team zu formen. Es haben sich Grüppchen gebildet, es gab schlechte Stimmung, schlechte Ergebnisse und kein Konzept. Der hochgelobte Di Matteo — mit dem FC Chelsea einst Champions-League-Sieger — ist im Revier auf ganzer Linie gescheitert. An einem Verein und Spielern, die vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Aber auch an sich selbst, weil er es nicht geschafft hat, Schalke zu stabilisieren. Wer hätte gedacht, dass man sich nach Jens Kellers destruktivem Spielstil zurücksehnen könnte?

Schalke braucht einen Neuanfang — ohne di Matteo. Aber auch ohne Horst Heldt? Das Sportvorständchen, unter Gnaden von Fleischfabrikant Clemens Tönnies, hat nicht gerade eine glückliche Figur in den vergangenen Monaten abgegeben. Für ihn spricht alleine, dass er in den vergangenen Jahren auf Schalke auch durchaus große Erfolge vorzuweisen hat. Viel deutet daraufhin, dass Aufsichtsratsboss Tönnies Horst Heldt weiter walten lässt. Das kann auch daran liegen, dass es derzeit an einem geeigneten Nachfolger mangelt.

Am 28. Juni wird auf Schalke abgerechnet. Auf der Mitgliederversammlung werden sich die Verantwortlichen einige kritische Fragen gefallen lassen müssen. Und es wird sicher wieder einmal leidenschaftlich darüber gestritten, welche Rolle Tönnies in dem Verein einnimmt. Kann es sich ein moderner Klub leisten, von einem "Sonnenkönig" regiert zu werden? Die Schalker Anhängerschaft sehnt sich vor allem nach einem: Identifikation der Spieler mit dem Verein. Es geht um Leidenschaft, es geht um Einsatzbereitschaft. Im Revier träumt man von der großen Welt. Man schätzt aber vor allem Typen, die als Malocher taugen. Die größte Aufgabe besteht also darin, Spieler zu finden, die für und zu Schalke stehen. Ein äußerst ambitioniertes Projekt. Das haben die vergangenen Jahre gezeigt.