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FC Schalke 04: Roberto Di Matteo hinterlässt einen Totalschaden

Trainer Di Matteo muss gehen : Schalker Totalschaden

Selbst diesen allerletzten Schritt verstolpert der FC Schalke 04. Die Königsblauen haben am Sonntag die Trennung von Roberto Di Matteo beschlossen. Doch statt die Entscheidung zu bestätigen, hat man sich erst einmal wieder ins Schneckenhäuschen zurückgezogen. Bloß nichts Falsches sagen. Denn Di Matteo hat sich noch ein wenig Bedenkzeit erbeten, bis er den fertigen Auflösungvertrag unterschreibt. Wie unsere Redaktion aus dem Schalker Umfeld aber erfahren hat, ist die Trennung beschlossene Sache.

Sein Berater ist nach Gelsenkirchen geeilt, um alles abzuwickeln. Dabei geht es um juristische Details, aber auch um die Frage, wie können beide Seite ein grobes Missverständnis so verkaufen, dass es für keine der Parteien nach einem Totalschaden aussieht. Eine durchaus ambitionierte Aufgabe. Di Matteo ist bereit, auf große Teile seiner noch ausstehenden Gehälter bis Vertragsende 2017 zu verzichten.

An der Entscheidung wird das alles nichts mehr ändern. Das Kapitel Di Matteo auf Schalke ist nach nur sieben Monaten schon wieder beendet. Man könnte aber auch sagen, es hat nie wirklich angefangen. Di Matteo und Schalke sind einander immer fremd geblieben. Man hatte sich auch nicht wirklich bemüht, einander näherzukommen. Weil man schnell wusste, dass da zwei eine Beziehung eingegangen sind, die nicht funktionieren konnte. Auf der einen Seite diese Diva S04. Dieser Klub mit so vielen Emotionen, Leidenschaften und unerfüllten Träumen. Auf der anderen Seite dieser Manager-Typ, der selbst in Trainingsklamotten so adrett aussah, als würde gerade von einem Bewerbungsgespräch kommen. Roberto Di Matteo hat vielleicht einiges davon verkörpert, was man sich im Revier wünscht. Vor allem die große Welt. Champions-League-Sieger mit Chelsea London. Das hat beeindruckt. Aber er hat den Pott nicht gefühlt, er hat nicht gespürt, dass es nicht um ein Investment geht. In einem eingetragenen Verein wie Schalke 04 geht es, so abgedroschen es auch klingt, zu allerst um die Seele.

Lustloses Miteinander auf Schalke

Schalke hat in den vergangenen Monaten keinen Fußball mehr gespielt. Es sah jedenfalls nicht nach Spaß aus, sondern Arbeit. Spieler XYZ kommt zur Arbeit. X hat einen guten Tag, Y einen schlechten und Z ist schon eine ganze Weile krank. Roberto Di Matteo hat sich nicht um XYZ gekümmert. Er hat einfach sein Ding gemacht. Das Ergebnis dieses lustlosen Miteinanders ist auf dem Platz eindrucksvoll zu sehen gewesen. Spätestens nach dem blutleeren Auftritt im Derby bei Borussia Dortmund (0:3) im Februar ist es zu einem tiefen Riss zwischen Klub und Fans gekommen. Man hat einander nicht mehr verstanden.

Der unrühmliche Höhepunkt folgte in den letzten Saisonpartien. Nach der 0:2-Pleite in Köln waren die Anhänger auf dem Baum. Und Sportvorstand Horst Heldt präsentierte flugs ein paar Übeltäter. Mit der Freistellung der Profis Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam und der kurzfristigen Suspendierung von Marco Höger aus dem Kader sollte ein Zeichen gesetzt werden, das aber nahezu wirkungslos verpuffte. Heldt wurde Populismus vorgeworfen. Die Fans fühlten sich verschaukelt. Beim glücklichen 1:0 am vorletzten Spieltag über Paderborn gab es deshalb lautstarke Proteste im heimischen Stadion — ausgerechnet an einem Tag, an dem man sich für die Europa League qualifiziert hatte. Aber um Fußball ging es schon lange nicht mehr.

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Nach der erneut miesen Vorstellung in Hamburg sagte Heldt: "Man muss jede einzelne Position hinterfragen. Das ist ganz klar. Alle, die sportlich verantwortlich sind, egal ob Trainer, Spieler oder Manager. Alles muss auf den Tisch, und dann werden wir Entscheidungen treffen."

Mit der Verpflichtung von Di Matteo im vergangenen Oktober waren große Hoffnungen verbunden. Schließlich galt der Coach als renommierter Taktiker und hatte mit dem FC Chelsea 2012 die Champions League gewonnen. Doch bisher war die Bilanz von Di Matteo nicht besser als die seines Vorgängers Keller. So belegten die mit höheren Zielen in die Saison gestarteten Schalker in der Rückrunden-Tabelle lediglich Rang 10 und retteten sich in der Endabrechnung als Sechster mit Mühe und Not noch in die Europa League.

Am Montag, spätestens Dienstag will Schalke auch ganz offiziell die Trennung verkünden. Wer kann Schalke? Als Nachfolger ist vor allem Norbert Elgert immer wieder im Gespräch. Doch der höchst erfolgreiche Cheftrainer der Knappenschmiede hat bereits abgewunken. Bleiben Namen wie die von Sascha Lewandowski, Andre Breitenreiter, Marc Wilmots (mit Mike Büskens als Assistent) — oder Huub Stevens. Wer jetzt sofort sagt, Stevens, niemals, der kennt den FC Schalke nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Roberto Di Matteo

(RP)