FC Schalke 04: Huub Stevens verteidigt Clemens Tönnies nach rassistischen Aussagen

Nach rassistischen Aussagen : Ehemaliger Schalke-Trainer Stevens nimmt Tönnies in Schutz

Nach seinen rassistischen Aussagen musste sich Clemens Tönnies harsche Kritik gefallen lassen. Doch der Schalke-Boss hat auch prominente Verteidiger. Am Dienstag muss sich Tönnies vor dem Ehrenrat des Bundesligisten verantworten.

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies bekommt vor der Anhörung beim Schalker Ehrenrat wegen seiner Äußerungen über Afrikaner Beistand von alten Weggefährten. Von Anti-Rassismus-Organisationen wird der Unternehmer aber weiter scharf kritisiert. „Die Aussagen sind nicht mehr im Rahmen des Tolerierbaren“, sagte Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Stiftung Amadeu Antonio, der Deutschen Presse-Agentur. Für Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland bestätigten Tönnies' „höchst problematische Aussagen“, dass „dieses kolonial-rassistische Bild von Afrika immer noch Bestand hat und Teil des Diskurses ist.“

Schalkes Trainer-Ikone Huub Stevens verteidigte Tönnies dagegen. „Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind - völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen – nie um die Farbe seiner Haut“, schrieb der 65-Jährige, der den Fußball-Bundesligisten in der vergangenen Saison als Interimscoach vor dem Abstieg bewahrt hatte und auch im Aufsichtsrat sitzt, in einer Erklärung, über die die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Tönnies habe sich „entschuldigt, war selbst erschrocken über seine Aussage, genau wie wir alle“, schrieb Stevens. „Seine Entschuldigung nehme ich ihm ab. Ich habe Vertrauen in ihn, dass ihm so etwas nicht noch einmal passiert.“

Der Fleisch-Unternehmer Tönnies hatte in der Vorwoche beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte er. Später entschuldigte sich Tönnies für seine Äußerungen. Aus Sport und Politik kam deutliche Kritik.

Der ehemalige SDP-Chef Sigmar Gabriel teilte laut „WAZ“ mit, „der Spruch“ sei „garantiert daneben“ gewesen. Den Schalke-Chef aber zum Rassisten zu machen, sei „absoluter Quatsch“. Wer Tönnies kenne, „weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten.“ Ex-Bundesligatrainer Otto Rehhagel betonte nach Angaben der Zeitung, Tönnies „stets als ehrlichen und sehr sozial engagierten Menschen kennengelernt“ zu haben. Als einen, „dem nur wichtig ist, wie sich ein Mensch verhält und nicht, woher er kommt“.

Reinfrank bewertet die Klarstellung des Schalke-Chefs äußerst kritisch. „Die Aussagen sind nicht, wie er selbst sagt, unangebracht, sondern falsch und rassistisch.“ Der Deutsche Fußball-Bund und auch der FC Schalke 04 dürften die Angelegenheit nicht unter den Teppich kehren. Tönnies dürfe sein Amt als Aufsichtsratschef nur behalten, wenn er bereit sei, sich mit seinem „problematischen Weltbild“ auseinanderzusetzen, sagte Reinfrank.

Der ehemalige Fußball-Profi Pablo Thiam bezeichnete die Entschuldigung von Tönnies als „halbherzig“. „Er sollte es nicht bei allgemeinen Floskeln belassen, sondern sich bei denen entschuldigen, die er durch seine Aussagen beleidigt hat“, sagte der Integrationsbeauftragte des Bundesligisten VfL Wolfsburg der Tageszeitung „Die Welt“.

Was Tönnies gesagt habe, „konterkariert die Arbeit von vielen Menschen, die versuchen miteinander ins Gespräch zu kommen, und die sich gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen“, meinte der 45-Jährige, der auch Leiter der Nachwuchsabteilung in Wolfsburg ist.

Gegenwind erhält Tönnies auch durch Susanne Franke, Vorstand der Schalker Fan-Initiative. "Ich halte Clemens Tönnies in seiner Rolle für den Verein, in seiner sehr sichtbaren, großen, tragenden Rolle, nicht mehr für tragbar", sagte sie im Interview mit der Deutschen Welle. Sie könne allerdings nicht für jedes Mitglied der Schalker Fan-Initiative sprechen, genauso wenig für 'die Fans', "weil ich nicht gerne verallgemeinere".

Am Dienstag soll der Klub-Boss vor dem Ehrenrat selbst Rede und Antwort stehen. Das aus insgesamt fünf Mitgliedern bestehende Gremium, darunter drei Richter, muss darüber befinden, ob die Äußerungen einen fremdenfeindlichen oder rassistischen Hintergrund haben und mit der Vereinssatzung und dem Leitbild der Königsblauen womöglich unvereinbar sind. Der Ehrenrat kann auch Sanktionen aussprechen. Möglich sind eine Verwarnung, eine Amtsenthebung auf Dauer oder auf Zeit. Sogar ein Vereinsausschluss ist möglich, aber nicht wahrscheinlich.

(dpa/old)
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