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DFB-Pokal: Herthas Torunarigha soll auf Schalke rassistisch beleidigt worden sein

Herthas Torunarigha rassistisch beleidigt : Die Schalker Pokal-Nacht wird ein Nachspiel haben

Herthas Abwehrspieler Jordan Torunarigha ist beim Pokal-Aus der Berliner am Dienstagabend beim FC Schalke 04 von Zuschauern rassistisch beleidigt worden. Die Debatte um Rassismus im Fußball nimmt neue Fahrt auf.

Verletzungen, Platzverweise und der Vorwurf rassistischer Entgleisungen – die Pokal-Nacht auf Schalke wird ein Nachspiel haben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) kündigte am Mittwoch Ermittlungen an. Und auch der Revierclub will die Vorfälle untersuchen. Man nehme die Aussagen von Hertha-Profi Jordan Torunarigha „hinsichtlich rassistischer Aussagen und Laute gegen ihn“ sehr ernst, hieß es in einer Stellungnahme des Bundesligisten. Schalke hob seine Null-Toleranz-Politik hervor. „Gemeinsam mit der Polizei, dem Sicherheitsdienst und internen Quellen, wie beispielsweise der kürzlich eröffneten #stehtauf-Anlaufstelle, wird der Fall ausführlich geprüft“, schrieb der Klub.

„Der jüngste Vorfall in Gelsenkirchen zeigt, wie dringlich es ist, dieses Thema zu bearbeiten. Es ist absoluter Konsens beim DFB, dass die Achtung der Menschenwürde, Respekt und Fairness, Vielfalt und Toleranz als die Werte des Fußballs überall durchgesetzt werden müssen, wo Fußball gespielt wird“, sagte der Vorsitzende der Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes, Thomas Oppermann (SPD), unserer Redaktion.

Während die Behörden und der Verein versuchen, die oder den Urheber zu ermitteln, nimmt die Debatten um Rassismus in Fußball neue Fahrt auf. „So was gehört sich nicht“, schimpfte Jürgen Klinsmann, der seinen Spieler durch das Schiedsrichtergespann um Harm Osmers nicht ausreichend geschützt sah. „Da braucht man dann Fingerspitzengefühl, muss den Jungen schützen, ihn beruhigen und ihm nicht später noch die zweite Gelbe Karte geben.“ Der 22-jährige Torunarigha hatte in der Verlängerung des Pokal-Krimis, den Schalke nach einen 0:2-Rückstand noch 3:2 gewann, die Gelb-Rote Karte gesehen.

Nach einem Foul von Schalkes Omar Mascarell nahe der Seitenlinie war Torunarigha in Schalke-Coach David Wagner gerutscht und hatte wütend eine Getränkekiste auf den Boden geschmettert. Doch nicht nur der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler musste vom Feld (100. Minute), auch Wagner sah nach Videobeweis Rot und wurde auf die Tribüne geschickt. Was dieser gar nicht verstand. „Ich habe null Erklärung für die Rote Karte“, sagte Wagner. „Der Schiedsrichter hat mir erklärt, dass ich den Spieler am Nacken gepackt habe. Aber ich wollte ihm nur auf die Beine helfen und beruhigen.“

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider hatte sich nach der Partie bei den Berlinern und Torunarigha entschuldigt und das Verhalten verurteilt. „Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen. Wir werden mit Sanktionen reagieren und die Vorfälle auch entsprechend zur Anzeige bringen“, sagte Schneider. Etwas unklar blieb, warum Osmers nicht eingriff und – wie in solchen Fällen empfohlen – eine Durchsage über das Stadion-Mikrofon veranlasste. Immerhin sei er auf die Affenlaute aus dem Zuschauerbereich aufmerksam gemacht worden, betonten die Berliner. Laut Peter Sippel, beim DFB als Leiter Training und Qualifizierung der Schiedsrichter tätig, erfuhr Osmers „erstmals nach der regulären Spielzeit und vor der Verlängerung von dem Vorfall“. Das sagte er im Gespräch mit „sportschau.de“. Er sei von Hertha-Sportdirektor Michael Preetz auf die Beleidigungen hingewiesen worden. Da sich der Vorfall laut Osmers schon etwa in der 70. Minute ereignet habe, wäre bei einer Durchsage „der Kontext nicht mehr herzustellen gewesen“, sagte Sippel.

Grundsätzlich sehen die Verhaltensrichtlinien der Verbände Fifa und Uefa bei diskriminierenden und rassistischen Vorfällen für den Schiedsrichter die Möglichkeit des Einschreitens vor, in drei Stufen: Er kann das Spiel unterbrechen und die Zuschauer per Stadiondurchsage auffordern, das diskriminierende Verhalten zu unterlassen; das Spiel im Wiederholungsfall für eine weitere Durchsage unterbrechen und die Spieler für einen Zeitraum in die Umkleidekabine schicken; das Spiel nach Rücksprache abbrechen, falls das diskriminierende Verhalten anhält.

(RP/dpa)