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Corona, Suspendierungen, Niederlagen: Eine Chronolgie des Schalke-Chaos

Corona, Pleiten, Geldnot : Eine Chronologie des Schalke-Chaos

Sportliche Talfahrt, finanzielle Misere, Entlassungen, Proteste – der Tabellenletzte der Bundesliga stolpert von Krise zu Krise. Seit Monaten gibt der Traditionsverein ein desaströses Bild ab. Mit dieser Chronologie behalten Sie den Überblick.

Wenn man von Chaos auf Schalke spricht, dann stellt sich unweigerlich die Frage, von welchem der vergangenen Jahre denn nun genau gesprochen wird. Bei dem Revierklub gab es in der Geschichte so manche Chaos-Tage und Krisen. Der Bundesligaskandal 1970/71 mit von Schalker Spielern manipulierten Partien, Trainerentlassungen oder Eskapaden von Spielern. Für viele Fußballfans ist Schalke ein Sinnbild des Chaos. Richtig ruhig ist es in dem einstigen Malocherverein eigentlich nie. Doch in den vergangenen Monaten stellt der Bundesligist alle bisherigen Krisen in den Schatten. Denn die dramatische sportliche Talfahrt, mit inzwischen 24 Bundesligaspielen ohne Sieg geht einher mit einer Führungskrise, Undiszipliniertheiten bei den Spielern, Entlassungen und einer durch Corona-Krise und Misswirtschaft noch mal verschärften finanziellen Notlage des Vereins. Der Vorstand von Schalke 04 hüpft dabei von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen und muss aufgebrachte Fans und Mitarbeiter dann mühsam beschwichtigen.

Einen Anfangspunkt dieser Chaos-Monate auf Schalke festzumachen, fällt schwer. Vieles geht auf das Selbstverständnis dieses Traditionsvereins zurück, in dem mal harte Arbeit im Vordergrund und für Erfolg stand. Noch heute leben vor allem die Fans die Tradition vom Arbeiterverein. Den Erfolg wollte der Klub um den einstigen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies so sehr, dass man trotz klammer Kassen in teure Stars investierte. Trainer wurden schnell entlassen, wenn der Erfolg ausblieb. Manuel Baum ist der achte Schalke-Trainer seit Oktober 2014. Beides rächt sich in der Corona-Krise nun umso mehr. Eine Chronologie der vergangenen Monate.

14. März 2019, Tedesco-Entlassung: Trainer Domenico Tedesco muss nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr gehen, weil Leistung und Ergebnisse der Mannschaft nicht mehr stimmen. Huub Stevens übernimmt, bis im Sommer David Wagner aus England kommt und die Schalker wieder zum Erfolg führen soll.

August 2019, Rassismus-Debatte um Tönnies: Schalkes Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies leistet sich bei einer Rede beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn eine rassistische Aussage. Später entschuldigt er sich. Der Ehrenrat des Klubs stuft die Rassismus-Vorwürfe als unbegründet ein. Tönnies muss sein Amt aber wegen Verstoßes gegen die Vereinssatzung drei Monate lang ablegen, danach kehrt er auf den Posten zurück. Der Bruch mit dem ohnehin schon Tönnies-kritischen Teil der Fans wird größer.

Rückrunde der Saison 2019/20 Nach einer starken Hinrunde und dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach zum Auftrakt der Rückrunde fällt das Team in sich zusammen und verliert Spiel für Spiel. Auch die Corona-Zwangspause ab März kann das Team nicht zur Aufbauarbeit nutzen.

Frühjahr 2020, Corona-Zwangspause Die Bundesligavereine stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die TV-Gelder würden ausbleiben, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Schalke steckt ohnehin mit fast 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten in einer schwierigen finanziellen Lage. Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt. Mit den Spielern einigt man sich auf einen Gehaltsverzicht. Investitionen werden verschoben. Im ersten Halbjahr 2020 erhöhen sich die Verbindlichkeiten aber auf mehr als 205 Millionen Euro. Es gehe um die Existenz des Klubs, sagt Sportvorstand Jochen Schneider im Sommer. Er hebt das Engagement der Spieler in Sachen Gehaltsverzicht hervor und versucht, Mitarbeiter, Team und Fans zu vereinen.

Mitte Juni 2020, Ärger um Ticketrückzahlung und Entlassung von Busfahrern: Während man eigentlich auf die Unterstützung der Fans in der finanziellen Krise hofft, verprellt Schalke seine treuesten Anhänger. Karteninhaber erhalten eine Mitteilung, dass sie einen Härtefallantrag für die Rückerstattung von Bundesligatickets stellen müssen. Eigentlich müssen Eintrittspreise für Spiele, die nicht stattfinden, vom Verein erstattet werden. Der Schalker Vorstand muss öffentlich zurückrudern und die Wogen glätten. Auch die Entlassung altgedienter Busfahrer der Knappenschmiede stößt vielen Fans sauer auf. Schneider und Jobst müssen sich erneut erklären. Später bietet Schalke allen Busfahrern eine andere Anstellung an.

30. Juni 2020, Tönnies-Rücktritt Nach dem Skandal um hunderte Corona-Fälle in seiner Fleischfabrik und deutlichen Fan-Protesten gegen seine Person zieht der Schalker Aufsichtsratschef die Konsequenzen und tritt zurück. Am Tag danach verkünden Schneider und Alexander Jobst, Vorstand für Marketing, umfassende Änderungen auf Schalke. Das Athletik-Team wird entlassen, künftig soll es für neue Kostenpflichtiger Inhalt Spieler eine Gehaltsobergrenze geben. Investitionen werden gestoppt. Harte Einschnitte seien nötig, die sportlichen Ansprüche müssten entsprechend ebenfalls runtergefahren werden, sagte Jobst.

Juli 2020, Finanzhilfe Vom Land NRW erhält Schalke eine Bürgschaft von mehr als 30 Millionen Euro.

August/September 2020, schwierige Saisonvorbereitung Schalke bräuchte nach der Negativserie in der vergangenen Rückrunde eine gute und ruhige Vorbereitung. Doch es kommt anders. Schalke tritt vom verlegten Trainingslager zugunsten eines Brautpaares zurück, weil das Hotel die Hochzeit abgesagt hatte. Eine nette Geste, für die Trainer Wagner aber umplanen muss. Als es dann ins Trainingslager geht, kommen Corona-Fälle im Team dazwischen. Einige Spieler müssen in Quarantäne.

27. September 2020, Wagner-Entlassung Das Team von Trainer Wagner gewinnt auch in der neuen Saison nicht. Nach dem zweiten Spieltag wird Wagner freigestellt. Auf ihn folgt Manuel Baum. Auch unter ihm gewinnt Schalke keines der Spiele in der Bundesliga.

Ende November 2020, Trainings-Eklat, Suspendierungen und Entlassungen Nach der Niederlage am vergangenen Wochenende gegen Wolfsburg eskaliert die Situation auf Schalke. Spieler sollen in der Kabine laustark gegen ihre Auswechslung protestiert und sich respektlos gegenüber Baum geäußert haben. Amine Harit und Nabil Bentaleb werden bis auf Weiteres vom Training suspendiert. Vedad Ibisevic gerät am Montag mit Co-Trainer Naldo aneinander. Schneider teilt mit, dass man den Vertrag mit Ibisevic zum 31. Dezember 2020 auflösen werde. Beide Seiten hätten sich etwas anderes von dem Engagement versprochen. Ibisevic hatte bei seiner Verpflichtung auf ein festes Gehalt verzichtet und wird auf Erfolgsbasis bezahlt.

Außerdem muss Kaderplaner Michael Reschke gehen. Als Grund werden „unterschiedliche Aufassungen über die Zukunft des Vereins“ angeführt. Mike Büskens, Teammanager Sascha Riether und Reschkes Assistent Rene Grotus werden nun gemeinsam mit Jochen Schneider den Bereich Scouting und Kaderplanung steuern.

Schon einige Tage zuvor beklagten zahlreiche Fans, der Schalke-Vorstand versuche, den Verein zu „entschalken“. Marketing-Vorstand Jobst wies Vorwürfe zurürck, man habe drei verdiente Mitarbeiter entlassen. Man habe sich lediglich auf neue Aufgaben für sie geeinigt.