Clemens Tönnies: DFB-Ethikkommission verzichtet auf Verfahren

Nach Beratungen : DFB-Ethikkommission verzichtet auf Verfahren gegen Tönnies

Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes wird kein Verfahren gegen Clemens Tönniers anstreben. Das teilte die Kommission am Donnerstag mit.

Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verzichtet im Fall Clemens Tönnies auf ein Verfahren gegen den Klubchef des Bundesligisten Schalke 04. Tönnies habe überzeugend vermitteln können, dass er kein Rassist sei, teilte das vierköpfige Gremium am Donnerstag mit. Gleichzeitig missbilligte die Kommission den Satz des 63-Jährigen, der am 1. August für viel Wirbel gesorgt hatte.

Die Kommission bewertete die Einordnung der Aussage als "rassistisch" zwar als "nach allgemeinem Sprachverständnis" korrekt, auch handele es sich um einen Verstoß gegen die Grundsätze aus der Satzung des DFB, die "Rassismus und Diskriminierung als nicht vereinbar mit den Werten des Fußballs" ablehnen. Tönnies' Satz wäre daher "zumindest geeignet, rassistisches Gedankengut an anderer Stelle zu unterstützen."

Ein Ermittlungsverfahren, um Anklage gegen Tönnies vor der Ethik-Kammer des DFB-Sportgerichtes zu erheben, eröffnet die Kommission aber nicht. Der Schalke-Boss habe bei der "eingehenden Anhörung und Befragung" ehrliche Reue gezeigt. "Seine Distanzierung von seiner Äußerung und sein Erschrecken darüber sind der Kommission glaubhaft", hieß es in der Begründung. Darüber hinaus seien der Kommission keine weiteren rassistische Äußerungen bekannt. "Die Ethikkommission ist überzeugt, dass auch in Zukunft mit einer solchen Äußerung von Herrn Tönnies nicht zu rechnen ist", hieß es. Tönnies habe "tätige Reue" bewiesen.

Zuvor war der fünfköpfige Schalker Ehrenrat zu dem Schluss gekommen, dass der gegen Tönnies erhobene Vorwurf des Rassismus "unbegründet" sei. Tönnies hatte am 1. August bei der Festveranstaltung zum "Tag des Handwerks" in Paderborn eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Es folgte einen Tag später eine öffentliche Entschuldigung von Tönnies, der bis Mitte November sein Amt als Aufsichtsvorsitzender auf Schalke ruhen lässt. Dennoch gab es harsche Kritik an dem milliardenschweren Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück.

(rent/sid)
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