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2. Bundesliga, 33. Spieltag: Euphorie im Aufstiegskampf bei Schalke 04

Endspurt in der Zweiten Liga : Schalker Euphorie im Aufstiegskampf

Schalke 04 steht zwei Spieltage vor Saisonende auf Platz eins der Zweiten Liga. Die Stimmung beim Revierklub ist so gut wie lange nicht: Die Fans feiern ihr Team Spiel für Spiel und sehnen den Aufstieg herbei. Diese Unterstützung kann entscheidend werden.

Die Euphorie auf Schalke ist groß. Das ist nicht unbedingt neu. Der Revierklub und seine Fans sind nicht gerade bekannt dafür, mit Emotionen, in welche Richtung auch immer, zu geizen. Und so führen auch kleinere Erfolgsserien gerne mal zu Hochstimmung, ja manchmal gar zu Titelträumen und Übermut im Umfeld der Gelsenkirchener Fußballer. Von großen Titeln ist der FC Schalke 04 nach der desaströsen Saison 2020/21 mit dem Abstieg in die Zweite Liga allerdings meilenweit entfernt.

Und doch gibt es Anlass für Jubelgesänge. Denn hat sich der eigene Verein erstmal aus der Elite der Topklubs verabschiedet, setzt man sich eben neue Maßstäbe für Erfolge. Statt um die Champions League geht es für den Traditionsverein nun um den direkten Wiederaufstieg. Und dass die Schalker zwei Spieltage vor Saisonende auf dem ersten Tabellenplatz stehen und gute Chancen auf den Aufstieg haben, ist für manchen Fan unglaublich, für die meisten aber Anlass, in die gleiche Euphorie zu verfallen, die einst Spiele um die Meisterschaft oder den Uefa-Cup entfachten.

Nach einem Jahr der Tristesse und des bitteren sportlichen Abstiegs in der vergangenen Saison, genießen die Schalker Fans den wohltuenden Erfolg in der so starken Zweiten Liga. Dass die aus neuen Talenten und erfahrenen Zweitliga-Profis zusammengestellte Mannschaft um Torjäger Simon Terodde nach 32 Spieltagen so gute Chancen auf den Titel im Bundesliga-Unerhaus haben würde, war längst nicht klar. Zu groß schien der personelle und finanzielle Umbruch. Die Fans standen zwar vom ersten Spieltag an hinter ihrem Team, Siege wurden gefeiert, wie früher in der Bundesliga. So richtig überzeugend war das, was S04 zeigte, aber lange nicht. Erst mit der Entlassung von Trainer Dimitrios Grammozis mauserte sich das Team zum echten Aufstiegskandidaten. Mike Büskens, der als Teil der Eurofighter 1997 mit Schalke den Uefa-Cup gewann, brachte als Interimstrainer genau das ins Team, was die Vereinsführung von ihm erwartet hatte: neuen Kampfgeist und Siegeswillen.

Erst am 29. Spieltag stand Schalke erstmals in dieser Saison auf einem Aufstiegsplatz – und dann direkt auf Rang eins. Die Niederlage gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten Werder Bremen Ende April war zwar ein kleiner Rückschlag, weil aber auch Werder anschließend patzte, steht Schalke nun wieder ganz oben. Mit 59 Punkten – und damit zwei Zählern Vorsprung auf Darmstadt und Bremen. Rang Vier, der nicht mehr zum Aufstieg oder zumindest für die Relegation reichen würde, ist aber auch nur fünf Punkte entfernt, sechs sind noch zu vergeben.

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Der Aufstieg ist also längst nicht durch für den Revierklub. Trotzdem sind sich viele Fans in den sozialen Netzwerken und Fanforen sicher: Am Samstagabend (20.30 Uhr/Sport1) gewinnt ihre Mannschaft auch gegen die durch zahlreiche Corona-Fälle stark dezimierte Mannschaft des FC St. Pauli und ist dann so gut wie aufgestiegen. Perfekt werden könnte der Aufstieg an diesem Wochenende nur, wenn entweder Darmstadt (Freitag, 6. Mai, gegen Fortuna Düsseldorf) oder Werder Bremen (Sonntag, gegen den bereits abgestiegenen FC Erzgebirge Aue) nicht gewinnen.

„Ich hätte überhaupt nicht erwartet, dass Schalke nach dem trostlosen Abstieg wieder so gut dastehen würde“, sagte auch Werner Hansch, ehemaliger Stadion-Sprecher des FC Schalke und Reporter-Legende, dieser Redaktion. „Mir fällt es ehrlich gesagt schwer, die gesamte Mannschaft aufzuzählen. Schalke kann nur froh sein, dass man Simon Terodde hat. Der Bursche ist ja unbezahlbar für den Verein – allein durch seine beiden Kisten in Sandhausen. Der ist voll dabei, nie abgehoben, ein toller Kerl! Dass diese zusammengestückelte Mannschaft so spielt, hätte ich nicht gedacht. Aber die Luft nach oben wird dünn. Wenn man in der Bundesliga mithalten will, muss viel passieren im Kader. Doch ich habe das Gefühl, dass in der Bundesliga viele auf den Wiederaufstieg lauern. Der Traditionswert des Vereins ist riesig. Allein im Ruhrgebiet – wir hätten wieder die Derbys gegen den BVB und den VfL.“

Die Begeisterung auf Schalke ist also mal wieder riesig. In den vergangenen sechs Spielen und mit dem Last-Minute-Sieg zuletzt in Sandhausen hat die Mannschaft mit ihrem Einsatz, ihrer Leidenschaft und Leistung die Fangemeinde endgültig wieder voll hinter sich gebracht. Die Stimmung zwischen Kurve und Team schien lange nicht mehr so harmonisch wie jetzt.

Das ist wichtig für den Endspurt im Aufstiegskampf. Nicht ohne Grund sprechen Spieler und Trainer immer wieder davon, dass die Fans ein Spiel mitentscheiden können. „Das war heute überragend. Das gibt den Jungs so viel Energie“, sagte auch Büskens nach dem Sieg in Sandhausen über die 10.000 mitgereisten Schalker, die für eine Party in Blau und Weiß gesorgt hatten.

Auch gegen St. Pauli und erst recht am letzten Spieltag in Nürnberg können sich die Königsblauen der Unterstützung ihrer Fans sicher sein. Im Internet werden intensiv Karten für das Heimspiel an diesem Samstag gesucht und Fahrten nach Nürnberg geplant. Schalke und der FCN pflegen die wohl innigste Fanfreundschaft im deutschen Profifußball. Große Emotionen sind da am 34. Spieltag sicher.

Denn auch wenn die Chancen für Schalke gerade bestens scheinen wäre auch noch ein Absturz auf Rang vier möglich. Nürnberg hingegen könnte aktuell maximal noch den Relegationsrang erreichen; aber auch nur, wenn die Konkurrenz Punkte liegen lässt.

Was Schalke Hoffnung machen kann: In den vergangenen fünf Spielzeiten stieg das Team, das am 32. Spieltag die Tabelle der Zweiten Liga anführte, immer auf. Und die Abstände zur Konkurrenz waren in einigen Fällen ähnlich eng.

(rent/dör)