FC Schalke 04: Ultra-Mitglied stirbt vor Bundesligapartie und Fans zeigen Anteilnahme

Schalke-Fan stirbt vor Anpfiff : Wenn der Sport zur Nebensache wird

Ein Fußballfan stirbt vor Anpfiff einer Partie, und ein ganzes Stadion nimmt Anteil. Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit.

Sie nannten ihn „Drüse“. Fußball war sein Leben. Er fuhr überall dorthin wo sein Verein spielte. Am Mittwoch begleitete er den FC Schalke 04 zur Auswärtspartie beim VfL Wolfsburg. Doch „Drüse“ kam nicht im Stadion an. Der 41-Jährige sei, so berichtet ein Polizeisprecher, „wie aus dem Nichts zusammengebrochen“. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht. Die Nachricht vom Tod des Fans macht schnell die Runde. „Drüse“ war Mitglied der Ultras Gelsenkirchen (UGE), der größten Ultra-Gruppierung der Königsblauen. Im Stadion werden die 24.651 Zuschauer über den Vorfall informiert. Der Sport gerät zur Nebensache. Im Schalker Block bleibt es das ganze Spiel über ruhig, selbst beim Führungstreffer wird nicht ausufernd gejubelt. Und auch die Fans des Gastgebers solidarisieren sich und schweigen die zweite Halbzeit. In aller Eile haben die organisierten Anhänger ein Banner gemacht: „Ruhe in Frieden – Szene WOB“.

Dem Fußball wird oft nachgesagt, er sei so abgehoben von allem. Und dann offenbart so ein schrecklicher Schicksalsschlag, wie viel an Menschlichkeit dann doch noch vorhanden ist. Wie viel Zusammenhalt es gibt, wie viel Feingefühl der Situation gegenüber – weit entfernt vom sportlichen Wettstreit und der damit verbundenen Rivalität. Im Internet haben auch Fans von Borussia Dortmund ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht: In den Farben getrennt, in der Sache vereint. So einfach kann es manchmal sein. Und man würde es sich so sehr wünschen, dass dazu keine Tragödie nötig sein muss, damit man sich dessen immer mal wieder bewusst wird. Es würde viel Hass, Hetze und Häme aus den Stadien der Republik verbannen.

Erst am Dienstag verstarb ein Anhänger der Straubing Ice Tigers im Rahmen des Eishockey-Spiels in der DEL gegen EHC Red Bull München.

Schon vor ein paar Wochen ist es in Köln zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen. In der Eishockey-Partie zwischen den Haien und den Nürnberg Ice Tigers bricht ein Zuschauer zusammen. Sanitäter beginnen sofort mit der Reanimation. In der Halle bekommen viele etwas von dem Vorfall mit. Es ist ein dramatischer Wettlauf gegen den Tod auf großer Bühne. Die Schiedsrichter reagieren schnell und schicken die Spieler vom Eis. 12.000 Zuschauer harren aus, bis der Mann nach einer Weile abtransportiert werden kann. Haie-Geschäftsführer Philipp Walter betritt das Eis und verkündet, dass das Spiel abgebrochen wird. Das Publikum applaudiert.

Der Mann stirbt Tage später im Krankenhaus.

(gic)