FC Bayern München: Niko Kovac - Meister werden ist keine Jobgarantie

Fußball-Bundesliga : Kovac droht Rauswurf trotz Titel

Bayern Münchens Trainer Niko Kovac kann am Samstag mit seiner Mannschaft Meister werden. Trotzdem verweigert ihm die Vereinsführung ein klares Treuebekenntnis.

Wenn Niko Kovac unter Druck steht, dann wird er ganz gerade. Er drückt den Rücken noch eine Spur stärker durch, seine Gesichtszüge werden streng und hart, und seine Stimme klingt wie tiefergelegt. Er sagt dann gerne Sätze, die mit „Ich“ beginnen. Bayern Münchens Trainer will selbstbewusste Botschaften senden, obwohl sich die Klubführung seit Wochen um ein Bekenntnis zum Coach herumdrückt – trotz eines Vertrags bis 2021 und der Chance, am Samstag mit einem Punkt gegen Eintracht Frankfurt die Meisterschaft und eine Woche darauf gegen RB Leipzig den DFB-Pokal zu gewinnen. „Ich nehme das wahr, das ist richtig“, sagt Kovac, aber: „Ich kann mich damit jetzt nicht beschäftigen. Wir haben eine richtig schwere Aufgabe.“

Schwierige Aufgaben haben ihn noch nie so richtig erschrecken können. Das zeigt seine Trainergeschichte in der Bundesliga. Als er 2016 den Job bei Eintracht Frankfurt übernimmt, muss er das Team in der Relegation vor dem Abstieg retten. Seine Haltung ist damals wie heute: Gerade, unverzagt, selbstbewusst. Noch im Abstiegskampf lässt er sich eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben, die einen vorzeitigen Abschied erlaubt, wenn ein großer Klub anklopfen sollte.

Es ist für ihn keine Frage, dass es eines nicht so fernen Tages genauso kommen wird. „Ich war überzeugt, durch meine Arbeit in Frankfurt für andere Klubs interessant zu werden“, erklärt er vor ziemlich genau einem Jahr in seiner Heimatstadt Berlin. Da bestreitet er das zweite Pokalfinale in Folge, diesmal gewinnt er es mit der Eintracht gegen Bayern München. Eben jene Bayern, für die er mittlerweile so interessant geworden ist, dass sie ihm einen Dreijahresvertrag geben.

Auch dort fängt es nicht gerade einfach an. Kovac soll die Mannschaft in einen Umbruch führen, er muss den bevorstehenden Abschied der in die Jahre gekommenen Stars Franck Ribéry und Arjen Robben moderieren. Er soll deren Nachfolger Kingsley Coman und Serge Gnabry im laufenden Betrieb einbauen. Und er muss die Nationalspieler Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng aus der Formkrise führen. Nebenbei werden auch Titel verlangt, das ist bei den Bayern üblich, auch wenn Präsident Uli Hoeneß beteuert: „Selbst wenn wir Zweiter würden, ist das doch kein Desaster.“

Doch, das ist ein Desaster. Das meint zumindest der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Denn anders ist nicht zu erklären, dass er dem Trainer trotz des Vertrags und einer im Ergebnis erfolgreichen Saison öffentlich keine Jobgarantie aussprechen will. In der Sendung „Wontorra“ bei Sky sagt er stattdessen diesen bemerkenswerten Satz: „Es gibt für niemanden eine Jobgarantie bei Bayern München, jeder muss liefern, wer mit dem Druck nicht umgehen kann, der ist im falschen Klub.“ Von der Decke des Studios fallen wahrscheinlich kleine Eisbrocken.

Selbst Hoeneß, der das vermutlich schon deshalb anders sieht, weil er es anders sehen will als Rummenigge, kommt kein Wort der Klärung. Im „Kicker“ erklärt er zwar, „im Verhältnis zu Kovac war immer alles okay“, aber er hat sich auch noch nicht hingestellt und gesagt: „Kovac ist unser Mann über die Saison hinaus.“

Sehr wohl aber greift er gemeinsam mit Rummenigge im vergangenen Herbst tüchtig in den Traineralltag ein, als Kovac mit seiner Truppe neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund eingefahren hat. Die Klubführung stellt per Dienstbefehl die Rotationsmaschine ab, die der neue Coach angeworfen hat. Und sie hörte geflissentlich weg, als der selten als Stammspieler aufgebotene James mosert: „Wir sind hier nicht in Frankfurt.“

Kovac hat sich durch diese unruhige Zeit äußerlich unbewegt auf ein vermeintlich rettendes Ufer begeben. Aus dem Rückstand auf Dortmund sind zwei Punkte Vorsprung geworden. Und den Vorwurf, seine Taktik sei zu sehr auf Verhinderung aus und er denke für die großen Bayern einfach zu klein, hat er entkräftet, als seine Mannschaft Dortmund beim 5:0 Anfang April zerlegte. Trotzdem könnte er vor der nächsten Saison entlassen werden. Er wird es ertragen wie immer: Gerade, mit durchgedrücktem Rücken, und mit einer Stimme, die wie tiefergelegt klingt, wird er sagen: „Ich kann es ja nicht ändern.“

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