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Europa-League-Finale 2022: Die Gründe für den Erfolg von Eintracht Frankfurt

Lust, Typen, Leidenschaft : Mit diesen Zutaten ist Frankfurt in der Europa League erfolgreich

Eintracht Frankfurt spielt am Mittwoch gegen die Glasgow Rangers um den Sieg in der Europa League. Um als kleiner Verein im Europapokal erfolgreich zu sein, bedarf es besonderer Eigenschaften. Die bringen die Frankfurter mit.

In Frankfurt ist am Mittwoch Feiertag. Die Geschäfte schließen früher, die Kneipen haben länger geöffnet, und in der Arena draußen im Wald können sich 50.000 Menschen zum gemeinsamen Fernsehabend treffen. Die Eintracht steht nämlich im Finale der Europa League. Um 21 Uhr trifft sie in Sevilla auf die Glasgow Rangers, und sie steht vor dem größten Erfolg seit 42 Jahren. 1980 gewann Frankfurt im Vorgängerwettbewerb Uefa-Pokal den Titel gegen Borussia Mönchengladbach.

Was ist nötig, um als vergleichsweise kleiner Klub ins Endspiel eines Europacups einzuziehen?

Lust Wer am Ende oben stehen will, der muss zunächst mal richtig Lust auf den Wettbewerb haben. Das war in Deutschland lange nicht sehr ausgeprägt. Und das lag auch am großen Vorredner der Fußball-Republik. Als Franz Beckenbauer noch regelmäßig seine Ansprachen ans Volk hielt, da schmähte er den Uefa-Cup als „Pokal der Verlierer“. Aus seiner Sicht war das nicht mal falsch, denn er glaubte fest daran, dass seine Bayern ein natürliches Recht auf die Teilnahme an der Champions League hätten. Nur wenn die Qualifikation verfehlt wurde oder der Abstieg nach der Gruppenphase fällig war, mussten auch die Großen in den zweitrangigen Pokal-Wettbewerb. Für Eintracht Frankfurt dagegen ist es ein Segen, international zu spielen. Das war schon vor drei Jahren so, als die Frankfurter sich erst im Halbfinale vom FC Chelsea aufhalten ließen und in ihren Spielen eine Schneise der Begeisterung hinterließen.

Leidenschaft Damals wie heute bot die Eintracht ihrem Anhang und einem stetig wachsenden TV-Publikum beste Unterhaltung, weil sie sich voller Hingabe in die Arbeit stürzte. Die Spieler legten ihr Herz auf den Platz, wie man so schön pathetisch sagt. Es wurde gekämpft, gerannt, gegrätscht. Abwehrarbeit war eine gesamtmannschaftliche Angelegenheit, Tempo-Fußball auf dem Weg nach vorn selbstverständlich. Damit erschreckte Frankfurt auch einen ganz Großen. Im Viertelfinale schaltete die Eintracht den FC Barcelona aus.

Fans Die Anhänger hatten daran großen Anteil. In den Heimspielen machten sie die Arena mit ihren Trikots weiß, die Geräuschkulisse hielt Vergleichen mit den lautesten Stadien Europas durchaus stand. Und im Auswärtsspiel in Barcelona veranstalteten die Fans den wohl größten Fußball-Ausflug, den Frankfurt je erlebt hat. Zigtausende reisten in die katalanische Metropole, durch Einfallsreichtum auf dem Ticketmarkt verwandelten sie Camp Nou in ihr eigenes Waldstadion. Der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft ist ein großer Trumpf. Für die 10.000 Finalkarten gab es 100.000 Anfragen.

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Typen Frankfurt hat vielleicht nicht die großen Stars. Aber die Eintracht hat Typen. Zwei ragen auch in dieser Saison heraus. Filip Kostic, der unermüdlich an der linken Seitenlinie auf- und abprescht, der präzise Flanken schlägt und der Prototyp für die Offensivkraft ist; und Martin Hinteregger, der stoische Abwehrmann, an dessen Härte und Seelenruhe auch die Prominenz zerschellte. Hinteregger ist in Sevilla allerdings wegen einer Oberschenkelverletzung nicht dabei. Das ist gewiss eine Schwächung. Das Kollektiv muss es deshalb richten.

Das Außenseiter-Gefühl Nichts macht Fußballer stärker als das Bewusstsein, dem Gegner eigentlich unterlegen zu sein. Die Außenseiter-Rolle übernimmt die Eintracht gern, weil der Außenseiter schließlich nur gewinnen kann. Ein bisschen David gegen Goliath trug Frankfurt durch den Wettbewerb. Damit ist es jetzt aber vorbei, denn auch die Rangers zählen trotz ihrer vielen zurückliegenden Erfolge längst nicht mehr zum Fußball-Adel auf dem Kontinent. Sie schrieben eine ähnliche Geschichte wie die Eintracht.

Überzeugung Frankfurt geht mit breiter Brust ins Finale. So hat die Eintracht ihre Spiele bis jetzt bestritten. Sie hat Selbstbewusstsein gewonnen, weil sie erlebt hat, was sie leisten kann. Sie ist von der eigenen Stärke überzeugt, und das macht sie zu einem gefährlichen Gegner.

Glück Der Volksmund hat wahrscheinlich recht, wenn er findet, dass nur dem Tüchtigen das Glück hold ist. In dieser Hinsicht haben die Frankfurter gut vorgearbeitet, und sie hatten auf ihrem Weg ins Finale natürlich auch Glück – in manchen Phasen des Halbfinals gegen West Ham United zum Beispiel. Glück werden sie auch am Mittwoch brauchen – wie der bislang letzte deutsche Sieger im Cup der Verlierer. Schalke 04 gewann den damaligen Uefa-Pokal vor 25 Jahren in noch zwei Endspielen gegen Inter Mailand (1:0, 4:1 im Elfmeterschießen). Die Eintracht muss nur ein Finale überstehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So ausgelassen feiern die Frankfurter in Barcelona