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Europa League Finale 2020: Inter Mailand will mit Romelu Lukaku den Titel

Romelu Lukaku : Das Warten des Wunderkindes auf den ersten großen Titel

In den zehn Jahren, die Romelu Lukaku schon ohne Titel ist, haben Klubs mehr als 200 Millionen Euro für ihn ausgegeben. Den Fluch der Titellosigkeit will der Inter-Stürmer im Europa-League-Finale hinter sich lassen.

Als sich am 18. April 2010 auf dem Rasen des Jan-Breydel-Stadions zu Brügge nach Abpfiff eine Jubeltraube bildet, ist Romelu Lukaku mittendrin. Seine Mitspieler beim RSC Anderlecht bejubeln nicht nur, dass sie die 30. Meisterschaft der Vereinsgeschichte ausgerechnet beim Erzrivalen Club Brügge unter Dach und Fach gebracht haben. Sie bejubeln auch Lukaku, der da­­ran als Torschützenkönig mit 15 Treffern entscheidenden Anteil hat. Dabei ist der Stürmer gerade einmal 16 Jahre alt und in seiner ersten Profisaison. Aus dem Kollektiv ragt Lukaku schon da nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,91 Meter heraus, die Scouts der europäischen Top-Klubs haben das Wunderkind längst in ihren Notizblöcken. Während Gleichaltrige noch in der B-Jugend spielen, kann sich Lukaku seinen nächsten Arbeitgeber frei aussuchen.

Zwischen dem 18. April 2010 und dem 21. August 2020 liegen 3778 Tage. Für einen jeden Fußballer ist das eine sehr lange Zeit, für Lukaku in erster Linie eine komplett titellose. Das Warten könnte aber am Freitag ein Ende haben, inzwischen in Diensten von Inter Mailand trifft Lukaku im Finale der Europa League in Köln auf den FC Sevilla (21 Uhr, RTL/Dazn). Nicht nur für ihn könnte dabei eine lange Durststrecke zu Ende gehen. Auch der italienische Traditionsklub, für den er seit 2019 auf Torejagd geht, wartet seit 2011 auf einen Titel. Einen erneuten Rückschlag gab es zunächst auch in dieser Saison: In ihrer Champions-League-Gruppe landeten die Mailänder hinter dem FC Barcelona und Borussia Dortmund auf dem dritten Platz. Nach dem „Abstieg“ in die Europa League war die Gier nach dem Titel in jedem der fünf K.o.-Spiele zu sehen. Torschütze in allen Partien: Romelu Lukaku.

Der Hype um Lukaku ist nie richtig abgeebbt. Beim FC Chelsea, der ihn 2011 für 15 Millionen Euro aus Anderlecht verpflichtete, bekam er zwar keine Chance. Vor seinem 84-Millionen-Euro-Wechsel zu Manchester United 2017 stellte er in einem Jahr auf Leihe bei West Bromwich Albion und vier Spielzeiten beim FC Everton seine Klasse in der Premier League unter Beweis. 220 Tore hat Lukaku in 463 Pflichtspielen für seine Klubs erzielt, dazu kommen 52 Treffer in 84 Länderspielen für die belgische Nationalmannschaft – eine Ausbeute, mit der er sich in der Weltspitze nicht verstecken muss.

Was aber stets gefehlt hat, waren die Titel. Dazu kam in seiner Zeit im Old Trafford, dass Lukaku Mühe hatte, seine Qualitäten – neben seinem Torinstinkt in erster Linie die Physis und die für seine Statur beachtliche Dynamik – auf den Platz zu bringen. Mit dem Spiel auf engem Raum fremdelte der bullige Angreifer. Das ist unter Conte, dem Lukaku im vergangenen Sommer immerhin 75 Millionen Euro wert war, anders. Er setzt in seinem System mit ständigem Wechsel zwischen Dreier- und Fünferkette verstärkt auf Kompaktheit. Im Angriff haben Lukaku und sein kongenialer Partner, der quirlige Argentinier Lautaro Martínez, alle Freiheiten und viel Platz.

Dass sich Lukaku längst wieder in einer Top-Verfassung befindet, mussten beim Finalturnier zuletzt die Verteidiger von Viertelfinal-Gegner Bayer Leverkusen (2:1) und im Halbfinale die Ukrainer aus Donezk (5:0) schmerzvoll feststellen. Geht Inter am Freitagabend auch den letzten Schritt zum Titel, dürfte bei Lukaku der Jubel mindestens genauso groß sein wie bei der Meisterfeier in Brügge vor zehn Jahren.