Fans sorgen für Spielunterbrechung Union-Präsident nach Pyro-Eklat „stinksauer“

Malmö · Gefahr aus den eigenen Reihen überschattete den ersten Sieg von Union Berlin in der Europa League. Erneut verursachten deutsche Gästefans Chaos. Präsident Dirk Zingler reagierte mit deutlichen Worten.

Fans von Union Berlin brennen Feuerwerkskörper ab.

Fans von Union Berlin brennen Feuerwerkskörper ab.

Foto: dpa/Matthias Koch

Dirk Zingler war mächt angefressen, die Wut über die Fan-Krawalle stand dem Präsidenten von Union Berlin nach dem ersten Sieg in der Europa League ins Gesicht geschrieben. „Das ärgert mich total, weil wir das von uns nicht kennen und nicht machen. Und hier machen wir es plötzlich. Da bin ich stinksauer drüber“, sagte Zingler über das Chaos beim 1:0 (0:0) gegen den schwedischen Rekordmeister Malmö FF, dem eine empfindliche Strafe folgen dürfte.

Denn die gefährlichsten Gegner von Union trugen in Malmö keine hellblauen Trikots, sondern standen ganz in Weiß gekleidet im Gästeblock. Ausgerechnet der eigene Anhang drohte den ersten Sieg in der Europa-League-Geschichte zu verhindern, zum Super-Gau Spielabbruch fehlte nur ein einziger Feuerwerkskörper. Zum dritten Mal innerhalb eines Monats sorgten deutsche Chaoten international für Negativschlagzeilen.

Das sportliche Ausrufezeichen des Bundesliga-Spitzenreiters durch den hart erkämpften Sieg beim schwedischen Rekordmeister rückte so in den Hintergrund. Zwar nahmen die Ereignisse in Schweden nicht das Ausmaß von denen in Nizza und Marseille an, dennoch passen sie in das schwache Bild, das zuletzt schon Anhänger des 1. FC Köln und von Eintracht Frankfurt abgegeben hatten.

Zingler freute sich daher nur verhalten über den erlösenden Dreier. „Es ist nicht zu akzeptieren. Nichts und niemand hat etwas auf dem Rasen oder in anderen Blöcken zu suchen“, polterte er bei RTL+. Mehrere Feuerwerkskörper aus dem Berliner Block hatten nach 57 Minuten eine fast halbstündige Unterbrechung verursacht. Direkt vor dem Gästebereich detonierte ein Böller, ein Spielabbruch stand kurz bevor.

Die Aufarbeitung hat längst begonnen. „Wir müssen die Schuldigen finden“, kündigte Zingler an: „Ich werde nicht alle 1200 im Block verurteilen.“ In der Tat belegten die TV-Bilder, dass viele Anhänger energisch auf die Chaoten einredeten. „Beide Lager haben Pyrotechnik aufs Feld geworfen“, hatte Union schnell getwittert. Tatsächlich führten Sicherheitskräfte auch einige Menschen aus weit vom Gästebereich entfernten Blöcken.

Erst nach eindringlichen Hinweisen via Stadionmikrofone in Schwedisch, Englisch und Deutsch pfiff Schiedsrichter Halil Umut Meler auf Bewährung wieder an. Als Top-Stürmer Sheraldo Becker die Führung gelang (68.), tauchte tatsächlich eine weitere Fackel im Gästeblock auf. Wild gestikulierend wandte sich der Torschütze an seine Fans - und der Unparteiische sah über den Vorfall hinweg.

Schon im September hatten deutsche Anhänger international für Unruhen gesorgt. Zunächst zettelten Kölner Chaoten am Rande der Conference-League-Partie bei OGC Nizza (1:1) Schlägereien an. Nun muss der FC zweimal auswärts ohne Fans auskommen und 100.000 Euro zahlen.

Nur eine Woche später legten Frankfurter Zuschauer im Champions-League-Spiel bei Olympique Marseille (1:0) mit einem Hitler-Gruß sowie Raketen- und Böllerwürfen nach. Ein Anhänger wurde schwer verletzt, die SGE kam abgesehen von einer 45.000-Euro-Geldbuße mit Bewährungsstrafen davon.

In Malmö reihten sich einige Unioner nahtlos in diese ernüchternde Reihe ein, auch Cheftrainer Urs Fischer war bedient. „So etwas hat im Fußball nichts zu suchen“, sagte er: „Es ist beschämend.“

Viel lieber hätte er darüber gesprochen, wie sich sein Team trotz des frühen Platzverweises für Andras Schäfer (45.+1) mit einer leidenschaftlichen Leistung zurück ins Rennen um die K.o.-Runde manövrierte. Ein Sieg, der „dank“ Gegner aus den eigenen Reihen ein Nachspiel haben wird.

(sid/old)