Außenseiter Ungarn im Portrait Gulasci & Co. freuen sich auf Heim-EM vor vollem Haus

Budapest · Ungarn stand erst als letzter deutscher EM-Gruppengegner fest. Auf dem Weg zur Endrunde mussten Leipzig-Profi Peter Gulacsi und seine Teamkollegen viele Hürden überwinden. Die EM wird zwar richtig schwer für Ungarn, der Heimvorteil soll aber beflügeln.

 Peter Gulacsi.

Peter Gulacsi.

Foto: dpa/Jan Woitas

Schöner hätte sich Peter Gulacsi diesen Sommer kaum ausmalen können. Eine EM in der Heimat. Und dann auch noch vor Fans. In Budapest sollen die Vorrundenkracher gegen Titelverteidiger Portugal (15. Juni) und Weltmeister Frankreich (19. Juni) in der Budapester Puskas Arena sogar vor vollen Rängen ermöglicht werden. Trotz Corona-Pandemie. So fragwürdig das auch klingen mag.

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„Wir haben es uns verdient. Das wird ein großartiges Ereignis“, hatte Torwart Gulacsi von Fußball-Bundesligist RB Leipzig schon nach der Thriller-Qualifikation geäußert. Ungarn ist wieder bei der Endrunde dabei. Wie zuletzt 2016, als man sogar ins Achtelfinale einzog.

Gulacsi & Co. hatten aber Schockmomente zu überstehen in ihrem Länderspiel des Jahres 2020. Erst in einem irren Playoff-Finale gegen Island um den Augsburger Alfred Finnbogason sicherte sich der EM-Dritte von 1964 sein Ticket.

Nach einem Fehler von Gulacsi drehten aber Loic Nego und sein Leipziger Teamkollege Dominik Szoboszlai die Partie. „Zu diesem Team zu gehören, das entschädigt für alles“, meinte Stürmer Adam Szalai, der in Mainz noch unter Trainer Achim Beierlorzer aussortiert worden war, mittlerweile aber wieder fest bei den 05ern integriert ist.

Auf den Deutschland-Legionären ruhen die Hoffnungen der Ungarn. Gulacsi gehört zu den herausragenden Bundesligatorhütern. Der 31-Jährige durfte seine Leipziger Saison sogar vorzeitig beenden und reiste vor dem 34. Spieltag ab, um vor der EM einige Tage mit der Familie zu verbringen. Zudem wollte er eine Kapselverletzung am Finger auskurieren. Vor ihm verteidigt in der Ungarn-Elf in Willi Orban der nächste Leipziger und noch weiter vorne kurbelt normalerweise Offensiv-Juwel Szoboszlai das Spiel an, der 20-Jährige musste wegen einer erneuten Verletzung jedoch absagen.

Ebenfalls aus der Bundesliga dabei ist Roland Sallai vom SC Freiburg. Ansonsten gibt es keine Spieler aus den Top-Ligen Europas, viele spielen in der Heimat, alleine fünf kommen vom Serienmeister Ferencvaros Budapest.

Ungarn hat eine Hammer-Gruppe erwischt. Das kommt erschwerend hinzu. Letzter Vorrundengegner am 23. Juni ist Joachim Löws DFB-Team in München. Gabor Kiraly, ungarische Fußball-Ikone und langjähriger Schlussmann von Hertha BSC, traut seinem früheren Team dennoch einiges zu. „Man kann auch gegen solche namhaften Mannschaften für eine Überraschung sorgen“, meinte der Mann, der früher auf dem Platz so gerne graue Schlabber-Jogginghosen getragen hat. Zudem werde die Euphorie vor heimischer Kulisse Ungarn beflügeln.

Nationaltrainer Marco Rossi hat dennoch viel Arbeit vor sich. Der Italiener hat viele Jahre für Brescia Calcio gespielt und Mitte der 90er auch mal eine Saison beim damaligen Zweitligisten Eintracht Frankfurt. 2012 kam er als Trainer von Honved Budapest nach Ungarn und gewann 2017, in seiner zweiten Amtszeit dort, die erste Meisterschaft des Klubs nach 24 Jahren. 2018 wurde er Nationaltrainer.

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Beim Playoff-Krimi seiner Ungarn fehlte Rossi wegen einer Corona-Infektion und musste das Duell in Quarantäne zuhause mitverfolgen. Seine Mannschaft hat aber ihre Nervenstärke unter Beweis gestellt. Das wäre auch bei der EM hilfreich.

(stja/dpa)
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