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Trainer Frank Wormuth als Bondscoach bei den Niederlande im Gespräch

Trainersuche in den Niederlanden : Deutscher als Bondscoach im Gespräch

Die Niederländer brauchen einen neuen Trainer für ihr Nationalteam. Nach der enttäuschenden EM ist Frank de Boer zurückgetreten. Als Nachfolger werden wieder alte Bekannte gehandelt. Aber auch ein Deutscher ist im Gespräch.

Der niederländische Fußball will bloß keine Experimente wagen. Anders ist es kaum zu erklären, dass bei der Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Bondscoach Frank de Boer beinahe ausschließlich die klangvollen Namen von Routiniers genannt werden, deren sportliche Glanzzeit bereits Jahre zurückliegt. Nach dem miserablen EM-Achtelfinalaus gegen Tschechien hatte der niederländische Fußballverband KNVB bereits erklärt, nun „einen echten Chef“ zu suchen.

Einer, der den bisweilen blasiert auftretenden Fußballmillionären wie Memphis Depay, Donyell Malen und Frenkie de Jong wieder Disziplin nahebringt. Das Nachbarland hatte zuletzt darüber geätzt, wie ungeniert sich die Kicker während der Trainingseinheiten von Frank de Boer mit ihren Smartphones beschäftigten und wie lapidar sich einzelne Stars nach der verdienten 0:2-Niederlage in Budapest weigerten, der Presse Rede und Antwort zu stehen. Es scheint auch, als sei das Verhältnis der Fans zur Elftal mächtig abgekühlt. Zu groß war die Oranje-Euphorie im Land, zu jäh der Absturz.

So sind es nun abermals altgediente Kräfte des Trainergeschäfts, die in Frage kommen, das Amt als Bondscoach zu übernehmen. Die alte Garde muss noch einmal ran. Eine gewisse Eile ist geboten: Immerhin warten im September bereits Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft in Katar. Genannt wurden in den vergangenen Tagen die Trainer Henk ten Cate (66 Jahre), Louis van Gaal (69) – er soll inzwischen tatsächlich Favorit auf das Amt sein –, Dick Advocaat (73) oder Guus Hiddink (74 Jahre). Ohne Zweifel: Die Männer bringen Ausstrahlung mit, sie sind an der Seitenlinie die Chefs. Doch für einen Aufbruch steht das Quartett nicht.

Johan Derksen, der jahrzehntelang das Fußballmagazin „Voetbal International“ führte und selbst als Profikicker aktiv war, prangerte zuletzt als TV-Experte das Nachwuchsproblem an. „Jedes Mal, wenn es ein Problem mit der niederländischen Nationalmannschaft gibt, müssen wir Dick Advocaat zurückholen oder schauen, ob Guus Hiddink noch fit genug ist. Ich denke, wir sollten mit dieser Generation brechen“, so der 72-Jährige. Das Problem dabei: Erfolgreicher Trainernachwuchs ist kaum in Sicht. Einziges Aushängeschild der Generation nach Hiddink und van Gaal ist Ronald Koeman, der als Vorgänger von Frank de Boer die Mannschaft betreute. Er aber steht bei seinem Traumklub FC Barcelona unter Vertrag. 

Auch früheren Weltklasse-Fußballspielern wie Giovanni van Bronckhorst oder Phillip Cocu, die mittlerweile ebenfalls an der Seitenlinie aktiv sind, fehlt es offenkundig an Charisma für den Job als Bondscoach. Peter Bosz, der bislang bei keiner seiner Stationen nachhaltig für Erfolg sorgte, hat bei Olympique Lyon in Frankreich unterschrieben. „Dennoch muss diese Generation irgendwann übernehmen“, sagte Johan Derksen – und schlug dem Millionenpublikum auch einen möglichen Kandidaten vor: Frank Wormuth.

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Der 60-jährige Deutsche, der jahrelang die Fußballlehrerausbildung des DFB leitete, ist seit 2018 bei Heracles Almelo in der Eredivisie tätig. „Er ist ein sehr korrekter Mann und scheut nicht davor zurück, seine besten Spieler rauszuschmeißen, wenn sie etwas tun, was er nicht mag. Er ist eloquent und strahlt Anstand aus“, sagte Kultfigur Johan Derksen. Zum Kandidatenkreis gehört Frank Wormuth, wie niederländische Tageszeitungen berichten. Der KNVB hatte vor Tagen bereits verlauten lassen, auch einen ausländischen Coach in Betracht zu ziehen.

Doch der Zeitpunkt für einen Generationswechsel scheint nun doch noch nicht gekommen zu sein. Stattdessen soll Louis van Gaal (früher FC Bayern München, FC Barcelona oder Manchester United) die besten Karten für die Nachfolge haben. Der „General“, der die Elftal bei der WM 2014 auf Platz drei führte, wäre zweifelsohne ein echter Chef. Und ehe daran Zweifel aufkommen können, hatte er zuletzt markig gegen die Nationalelf ausgeteilt: „Und jetzt schauen Sie sich die Europameisterschaft der Männer an. Dann siehst du, dass ein verherrlichter Haufen von Sternchen es nicht kann.“