1. Sport
  2. Fußball
  3. EM

Fußball-EM: Was Italien so stark macht

Zwei Siege, sechs Tore : Was Italien bei der EM so stark macht

Italien überzeugt bei der EM wie bisher kaum eine andere Mannschaft. Inzwischen sind die Italiener mehr als nur ein Geheimfavorit. Das hat mit einer starken Offensive und mannschaftlicher Geschlossenheit zu tun.

2018 lag der italienische Verbandsfußball am Boden. Italien, der Weltmeister von 2006, die große Fußballnation, war nicht bei einer Weltmeisterschaft dabei. Erstmals seit 60 Jahren.

Drei Jahre später sind die Italiener wieder aufgestanden – und wie. Bei der Europameisterschaft im Jahr 2021 gewannen sie ihre ersten beiden Spiele mit 3:0. Und Italien gewann nicht nur, es überrollte die Gegner, sprühte vor Spielfreunde – und ließ hinten kaum etwas zu. Die Schweiz und die Türkei – vorher als Geheimfavoriten der EM gehandelt – blieben chancenlos. Was ist in den vergangen drei Jahren in Italien passiert?

Der Aufstieg Italiens hat mehrere Gründe. Klar ist: Viel hängt mit dem neuen Trainer zusammen. Seit Roberto Mancini im Amt ist, verloren die Italiener nur zwei von 35 Spielen. Im September 2018 musste sich Italien mit 1:0 gegen Portugal geschlagen geben. Ein Monat später spielten sie 1:1 gegen die Ukraine. Es folgte ein Sieg gegen Polen – die große Serie der Unbesiegbarkeit begann.

Eine Serie von 29 Spielen, bei der die Italiener 24 Mal als Sieger vom Platz gingen und lediglich fünf Mal Remis spielten. In dieser Zeit erzielte die „Squadra Azzurra“ 80 Tore – und bekamen nur sieben Gegentore. Das ist die Bilanz einer absoluten Top-Mannschaft. Zuletzt holten die Italiener sogar zehn Siege am Stück, bekamen kein einziges Gegentor, erzielten aber 31 Stück.

Das zeigt: Das alte Klischee, dass die Italiener nur verteidigen können, trifft nicht mehr zu. Der „Catenaccio“ ist – übrigens schon länger – vorbei. Italien kann jetzt beides – gut verteidigen und wahnsinnig gut nach vorne spielen.

Ein Beispiel: Fünf Mal schafften es die Italiener gegen die Schweiz die gesamte Abwehr mit nur einem Pass zu überbrücken – und somit alleine vor dem Tor zu stehen. Im Schnitt schaffen Teams das null bis einmal pro Spiel. Mancini impfte der Mannschaft eine Spielfreude ein, die bei der EM nur wenige Mannschaften haben. Auch wenn nicht jeder Pass gleich direkt vor dem Tor landet, spielen die Italiener so innbrünstig und aggressiv, wie sie ihre Nationalhymne vor dem Spiel mitsingen. Sie gehen früh drauf, erobern die Bälle oft in der gegnerischen Hälfte. Die Schweizer wirkten eine Zeit lang wie eingeschnürt in das italienische Korsett.

Italiens Kader unterscheidet sich inzwischen auch stark von dem, der 2018 die WM-Qualifikation verpasste. Daniele de Rossi und Gianluigi Buffon spielen nicht mehr in der Nationalmannschaft. An ihre Stelle sind viele international eher unbekannte Spieler getreten. Die meisten spielen in der italienischen Serie A; mit Verratti (PSG) sowie Emerson und Jorginho (beide Chelsea) sind nur drei Akteure nicht in Italien aktiv. Das kann auch ein Grund für die Stärke der Italiener sein.

  • Erwischte keinen guten Tag: Mittelfeldspieler Toni
    Nach Pleite gegen Frankreich : Das sind Löws Baustellen vor dem Portugal-Spiel
  • Fußball-EM: Daten und Fakten zu Portugal
  • Kapitän Claus-Peter Reisch steht auf dem
    Schiff brachte 100 Menschen nach Sizilien : „Lifeline“-Kapitän Reisch in Italien freigesprochen

+++ Alle Infos zur EM in unserem Live-Blog+++

Italien spielt wie ein Team. Während andere Nationalmannschaften eher über ihre individuelle Klasse kommen, ein Zusammenschluss aus vielen Einzelkönnern sind, spielen die Italiener zusammen. Es mag abgedroschen klingen, aber hier ist die Mannschaft der Star. Spiele bei internationalen Turnieren leiden oft darunter, dass Laufwege nicht stimmen, dass die Mannschaften nicht eingespielt wirken. Bei den Italienern ist das anders. Sie wirken wie eine sehr gute Vereinsmannschaft, könnten wohl auch in der Champions League konkurrieren. Laufwege, gemeinsames Anlaufen, Verständnis auf dem Platz. Vieles stimmt bei den Italienern.

Sie sind also völlig zurecht als Titelfavorit zu betrachten. Auch wenn Trainer Roberto Mancini tiefstapelt: Portugal, Belgien oder Frankreich hätten seinem Team noch „einiges voraus“, sagt er nach dem Spiel. Und fügte an: „Meiner Meinung nach hat die Mannschaft noch enormes Potenzial, sich zu verbessern." Spätestens im Viertelfinale müssen sie dieses Potential wohl abrufen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Italien dort auf Belgien trifft.