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EM 2021: Uefa-Verbot für Regenbogen-Arena in München löst Protestwelle aus

Deutschland wird bunt : Uefa-Verbot löst Protestwelle aus

Die Uefa hat Regenbogenfarben für die Münchner Arena abgelehnt. Die Entscheidung stößt auf heftige Kritik und massive Gegenreaktionen. Der Mittwoch wird nun in ganz Deutschland bunt.

Die Botschaft von Gary Lineker an die Elektrotechniker der Münchner EM-Arena war eindeutig: "Macht es trotzdem - die können uns mal", twitterte die englische Ikone als Reaktion auf die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in der Regenbogen-Frage. Und nicht nur Lineker machte seinem Unmut Luft. Der Uefa schwappte eine Protestwelle entgegen. Zahlreiche Gegenreaktionen könnten dafür sorgen, dass der Verband ein Eigentor geschossen hat.

UEFA verbietet Allianz Arena in Regenbogenfarben

Am Dienstagvormittag hatte die Uefa erklärt, dass das Stadion während des letzten Vorrundenspiels der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Ungarn (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) nicht in Regenbogenfarben erstrahlen darf. Genau das hatte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zuvor im Namen des Stadtrats gefordert, um „ein Signal“ zu senden.

Entsprechend geladen war Reiter, als er nach dem Uefa -Beschluss zu einem Rundumschlag ausholte. „Ich finde es beschämend, dass die Uefa uns verbietet, ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Solidarität zu setzen“, sagte der SPD-Politiker und ergänzte: „Ich bin auch enttäuscht vom DFB, der trotz der überragenden Zustimmung aus der ganzen Republik sich nicht der in Lage sehen wollte, das Ergebnis zu beeinflussen.“

Die Münchner wurden in ihrer Forderung unter anderem von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), deutschen Nationalspielern und dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) unterstützt - ohne Erfolg. Mit knapp 300 Wörtern beschrieb die Uefa ausführlich ihren Kampf gegen "Rassismus, Homophobie, Sexismus und alle Formen der Diskriminierung" - um das Anliegen dann dennoch abzulehnen.

Die Uefa sei "aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale" Organisation, hieß es vom Verband: "Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt - muss die Uefa diese Anfrage ablehnen".

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Für Toleranz. Gegen Homofeindlichkeit. Nicht nur, wenn es um Fußball geht. Lasst uns ein starkes Zeichen der Vielfalt setzen und den Regenbogen durchs Land tragen. Bereit, weil ihr es seid. Postet euren🌈 <a href="https://twitter.com/hashtag/Regenbogenfarben?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Regenbogenfarben</a> <a href="https://t.co/sTVZNhyHcC">pic.twitter.com/sTVZNhyHcC</a></p>&mdash; Annalena Baerbock (@ABaerbock) <a href="https://twitter.com/ABaerbock/status/1407268817974218752?ref_src=twsrc%5Etfw">June 22, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Rainer Koch hat in seinen Rollen als Co-Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Exekutivkomitee-Mitglied der UEFA die Entscheidung vor allem aus Gründen der Regularien verteidigt. Seine "Haltung" sei allerdings klar: "Und es ist nicht nur meine persönliche Haltung, sondern auch die Haltung des DFB und auch der Nationalmannschaft." Dass die Uefa andere Termine für die Regenbogen-Beleuchtung vorschlug, begrüßte Koch - Reiter nannte es einen "lächerlichen Gegenvorschlag".

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Nötig erscheint das sowieso nicht mehr. Denn der Mittwoch wird nun in ganz Deutschland bunt. Als Reaktion auf das Uefa-Verbot wollen Verantwortliche aus der Bundesliga ihre Stadien in Regenbogenfarben leuchten lassen. In Köln, Wolfsburg, Augsburg, Berlin, Darmstadt und Frankfurt ist das bereits beschlossen. Der Fernsehsender ProSieben wird sein Logo farblich anpassen, Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat das ganze Land zur bunten Beflaggung aufgerufen.

Auch in der Münchner Arena soll es trotz der Uefa-Entscheidung bunt zugehen. Der Dachverband der deutschen Christopher Street Day's (CSD) wird mit Partnern wie Amnesty International den Fans 11.000 Fahnen zur Verfügung stellen. Sogar der Münchner Olympiaturm wird in Regenbogenfarben leuchten, die Stadt twittert bereits bunt. Politiker nahezu aller Parteien wie Söder ("Es wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen") äußerten ihr Missfallen über die Uefa.

Damit erreicht der Stadtrat offensichtlich noch viel mehr als ursprünglich gedacht. Der Protest, der sich gegen die Politik der rechtsnationalen Regierung Ungarns unter Ministerpräsident Viktor Orban und deren Gesetz gegen „Werbung“ für Homosexualität richtet, erreicht ungeahnte Ausmaße. „Von solchen Entscheidungen lassen wir uns nicht abhalten“, sagte Reiter: „Was die Uefa gemacht hat, kann deutlich nach hinten losgehen.“

Wie sehr dies der ungarischen Regierung missfallen dürfte, wurde schon am Dienstag deutlich. "Gott sei Dank herrscht in den Kreisen der europäischen Fußballführung noch der gesunde Menschenverstand und man hat die politische Provokation nicht mitgespielt", sagte Außenminister Peter Szijjarto, der schon am Montag mit einer Anspielung aufgefallen war: "Eine Sportveranstaltung mit Politik zu mischen, ist schlecht. Die Geschichte zeigt, dass das schlecht ist - und die Deutschen sollten das ganz genau wissen."

Nun sieht es allerdings so aus, als hätten sich die Uefa und Ungarn isoliert. Das zeigt auch die Reaktion aus Frankreich. So bedauerte der französische Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, Clement Beaune, das Uefa-Verbot. "Ich denke, es wäre ein sehr starkes Symbol gewesen", sagte er: "Wir sind jenseits einer politischen Botschaft, es ist eine Botschaft tiefer Werte."

Ähnlich sieht es auch der LSVD. "Wir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die Uefa mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten", sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich dem SID: "Die Uefa hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt - und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt."

Für Lineker wäre Münchner Ungehorsam die richtige Antwort: "Macht es, München. Macht es. Macht ein Licht, das die ganze Welt sehen kann."

Hier geht es zur Infostrecke: Das sagt die Sportwelt zur Uefa-Absage einer bunten Allianz-Arena

(sid/old)