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EM 2021: Uefa begrüßt Regenbogen-Werbung der Sponsoren

Nach Wirbel um Allianz-Arena : Uefa begrüßt Regenbogen-Werbung der Sponsoren

Bei den ersten beiden Achtelfinal-Partien dieser Europameisterschaft schalteten einige Firmen im Stadion Werbung in den Regenbogen-Farben. Nach dem Wirbel um die Allianz-Arena begrüßte die Uefa dies nun.

Vom eigentlich angestrebten Marketingziel des "Alleinstellungsmerkmals" waren die Werbestrategen diesmal weit entfernt. Ein Regenbogen jagte den nächsten – die LED-Leuchten der Werbebanden mussten bei den Achtelfinals der Fußball-EM Schwerstarbeit verrichten.

Doch nicht nur die Lämpchen wurden durch die Botschaft der Konzerne maximal gefordert. Auch die Europäische Fußball-Union (Uefa) musste nach den Debatten der vergangenen Tage Farbe bekennen.

Und da diesmal die großen Geldgeber wie VW und Heineken Zeichen setzten, war die Reaktion des Verbandes wenig verwunderlich – die Uefa begrüßte ausdrücklich die Regenbogenwerbung einiger Sponsoren. "Jeder Partner", der "eine Botschaft der Toleranz und Inklusion" übermittelt möchte, werde vom Verband "voll unterstützt", hieß es auf SID-Anfrage von der Uefa.

Den Vermarktungsexperte Dennis Trautwein überraschte die Uefa-Stellungnahme nicht. "Sie tut sich nun natürlich leichter damit und kann die Aktion der Sponsoren begrüßen, wenn es keinen Bezug zum Ungarn-Spiel gibt", sagte der Managing Director der global operierenden Agentur Octagon dem SID: "Mit Blick auf das Ungarn-Spiel hat es die Uefa verpasst, die richtige Entscheidung zu treffen. Sie steht schließlich nicht nur unter dem Druck der Gesellschaft, sondern auch unter dem der Sponsoren. Den Geldgebern ist es natürlich wichtig, dass ihr Partner positiv wahrgenommen wird."

Die Regenbogenfarben waren in den zurückliegenden Tagen ein bestimmendes Thema bei der Endrunde. Die Uefa hatte verboten, die Münchner Arena während des Spiels der deutschen Mannschaft am vergangenen Mittwoch gegen Ungarn (2:2) als Zeichen gegen das ungarische Homosexuellen-Gesetz als Regenbogen erstrahlen zu lassen.

Die Uefa sei "aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation", hieß es als Begründung. Nach dem Beschluss brach eine Protestwelle über die Uefa herein.

So hat Marcus Urban, der Geschäftsführer des "Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft" und Sprecher der Interessenvertretung "Gay Players Unite", den Verband am Sonntag noch einmal für seine "kaum zu übertreffende Scheinheiligkeit" kritisiert.

Auch VW "hätte es begrüßt, wenn die Arena in München am Mittwochabend beim Spiel gegen Ungarn bunt und in Regenbogen-Farben erleuchtet worden wäre", ließ der Autokonzern den SID wissen: "Die Uefa hat aus Gründen politischer Neutralität anders entschieden. Diese Entscheidung haben wir respektiert. Dessen ungeachtet macht sich Volkswagen weiterhin für Diversität in unserer Gesellschaft stark."

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Mit der "Einfärbung unserer Werbebanden in Regenbogen-Farben während der EM-Achtelfinalspiele setzen wir nun einmal mehr ein buntes Zeichen für Respekt und gesellschaftliche Verantwortung", so VW weiter: "Wir stehen zu den demokratischen Werten von Vielfalt und Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft."

Nach Ansicht Trautweins sind die Konzerne in dieser Beziehung glaubwürdig. "Die Stoßrichtung der Sponsoren ist klar. Sie wollen sich bei dieser Thematik positionieren. Das ist absolut ernst gemeint an dieser Stelle", äußerte der Experte: "Dass das Ganze nicht schon beim Ungarn-Spiel passiert ist, liegt am Ablauf und an der Technik. Man braucht eine gewisse Vorlaufzeit, um eine neue Bande zu schalten."

Im Gegensatz zu VW (Deutschland), der Heineken-Brauerei, der Online-Reiseagentur booking.com (beide Niederlande) und der chinesischen Social-Media-Plattform TikTok brauchten andere Unternehmen gar keinen Vorlauf. Der russische Gaskonzern Gazprom, Elektronikriese Hisense (China) oder die Fluggesellschaft Qatar Airways änderten nichts an ihrer Aufmachung.

(dör/dpa/SID)