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EM 2021: Markus Söder kritisiert Zuschauerpläne in München und kündigt Widerstand an

Zweifel an Spielen in München : Söder kündigt „erbitterten Widerstand“ gegen Zuschauerpläne bei Fußball-EM an

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat Kritik an den Plänen der Uefa geäußert, die Spiele der Europameisterschaft vor Zuschauern auszutragen – und damit auch Zweifel am EM-Standort München geschürt.

Die erste Frist ist abgelaufen - doch die Sorgen für die UEFA sind nicht kleiner geworden. Während mehrere Gastgeberstädte der kommenden Fußball-EM gleich konkrete Zuschauerpläne offenlegten, wackelt Dublin als Spielort bedenklich. An der Zuschauerfrage könnte auch der deutsche Spielort München scheitern.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jedenfalls äußerte laute Kritik an den Plänen der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die Spiele der Europameisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) in zwölf Städten und ausdrücklich vor Zuschauern austragen zu wollen - und schürte damit auch Zweifel an EM-Spielen in München.

Sollte die bayerische Landeshauptstadt, in der die drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft sowie ein Viertelfinale geplant sind, von der UEFA zur Zulassung von Fans tatsächlich verpflichtet werden, würde dies "auf erbitterten Widerstand stoßen, ich hoffe auch der deutschen Bundesregierung", sagte Söder bei RTL/ntv.

Er könne es sich "im Moment nicht vorstellen, mit großartigen Zuschauerzahlen zu operieren, es dauert ja nicht mehr lange", erklärte der CSU-Politiker: "Ich halte auch nichts davon, wenn auf europäischer Ebene diskutiert wird: Es findet nur dort statt, wo möglicherweise Zuschauer komplett zugelassen werden, in den Ländern."

Bis Mittwoch mussten die Ausrichterstädte der kommenden Europameisterschaft der UEFA-Forderung nach einem Konzept für eine Teilzulassung von Zuschauern nachkommen. München hatte am Dienstag seine Papiere abgeschickt. In diesem ersten Schritt mussten die Gastgeber aber lediglich ihre prinzipielle Bereitschaft für Spiele mit Fans zusichern. Eine Garantie für die Zulassung von Zuschauern wurde in dieser Phase des Entscheidungsprozesses noch nicht verlangt.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der am Mittwoch in München das Champions-League-Spiel zwischen Titelverteidiger FC Bayern und Paris St. Germain verfolgte, sagte vor der Partie bei Sky: "Ich hatte ein Treffen mit Herrn Söder. Da ist viel guter Wille und Optimismus. Aber wir können noch nicht viel sagen, es ist zu früh dafür. Wir werden am 19. April in der Exekutive entscheiden. Dann werden wir das tun, was die Gesundheitssituation vorgibt. Ich bin optimistisch, dass der Ministerpräsident unbedingt will, dass die Spiele hier stattfinden."

Dass München nur dabei sein darf, wenn vor Fans gespielt wird, ließ Ceferin nicht pauschal gelten: "Es ist zu einfach, das zu sagen. Erst mal müssen wir uns angucken, wie die Gesundheitssituation aussieht. Wenn sie es erlaubt, erwarten wir natürlich Zuschauer."

Spiele vor leeren Rängen hätten sich im vergangenen Jahr als wirksames Präventionsmittel bewiesen, führte Söder an, doch auch hier bleiben Zweifel: "Wir haben in der Frage der sogenannten Geisterspiele gute Erfahrung gemacht. Aber auch da zeigt sich doch immer wieder, dass Spieler Corona infiziert sind. Und deswegen: In einem großen Stadion, in gesamt Europa, bei der extremen Mobilität, ob das eine gute Idee ist, das wage ich zu bezweifeln."

Am ehesten durch das Sieb der UEFA fallen dürfte aber Irlands Hauptstadt Dublin. Der nationale Verband FAI teilte am Mittwoch mit, man habe auf Anraten der Regierung den Europäischen Verband darüber informiert, dass man "aufgrund der COVID-19-Pandemie zum jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage ist, Garantien für eine Mindestzuschauerzahl bei den Spielen der EURO 2020 zu geben".

Man wolle "die Angelegenheit im Auge behalten" und gemeinsam mit den Organisatoren in Dublin sowie der irischen Regierung "weiterhin alle Fragen mit der UEFA diskutieren". FAI-Geschäftsführer Jonathan Hill sagte: "Wir haben unseren Antrag heute bei der UEFA eingereicht und warten nun auf ihre Antwort, sobald die Anträge aller zwölf Austragungsstädte eingegangen sind und berücksichtigt wurden."

Irland war um den Jahreswechsel von der Corona-Pandemie massiv betroffen, Mitte Januar lag die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Grünen Insel bei mehr als 900 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Am UEFA-Stichtag 7. April wurde eine landesweite Inzidenz von 70 registriert, vorhergegangen war ein harter Lockdown.

Früher am Mittwoch gaben die Spielorte Rom, Amsterdam und Bilbao bekannt, mit einer Auslastung ihrer Stadien von 25 Prozent zu planen. In der italienischen Hauptstadt könnten dann jeweils rund 15.000 Fans zu den insgesamt vier Begegnungen zugelassen werden. Amsterdam plant mit 12.000 Fans, Bilbao mit 13.000. Die russische Metropole St. Petersburg hatte zuvor bereits eine Auslastung von 50 Prozent der knapp 70.000 Plätze in Aussicht gestellt.

(kron/SID)