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EM 2021: Londoner Polizei lehnt Verantwortung nach Wembley-Sturm ab

Final-Absage war möglich : Polizei lehnt Verantwortung nach Wembley-Sturm ab

Die Londoner Polizei will die Kritik an ihrem Einsatz rund um das Wembley-Stadion am Sonntag nicht gelten lassen und lehnt eine Verantwortung nach dem Sturm des Stadions vor dem EM-Finale gegen Italien ab.

Die Polizei lehnt die Verantwortung für den Stadionsturm vor dem Finale der Fußball-EM zwischen England und Italien (2:3 i.E.) im Londoner Wembleystadion ab. "Einer der wichtigsten und umfassendsten Sicherheitspläne für ein Spiel dieser Größenordnung" habe am Sonntag "Schlimmeres verhindert", teilte die Metropolitan Police in ihrer Einsatzbilanz mit.

Dutzende Fans ohne Eintrittskarten hatten Ordner überrannt, Absperrungen niedergerissen und waren ins Stadion eingedrungen. "Die schnelle Reaktion von Polizeikräften" habe ihrer Ansicht nach jeder weiteren Eskalation vorgebeugt, sagte Deputy Assistant Commissioner Jane Connors. Bedauerlicherweise seien 19 Polizistinnen und Polizisten verletzt worden.

"Es gab kein Polizeiversagen", betonte Connors, "ich stehe hinter den schwierigen Entscheidungen, die getroffen worden sind." Ohne sofortiges Eingreifen "hätte das Spiel womöglich verschoben werden müssen".

Connors sprach von "hässlichen Szenen und widerwärtigem Verhalten", das Folgen haben werde: "Ich teile die Wut der Nation angesichts dieses Benehmens." Es müsse sichergestellt sein, dass "alkoholisierte Hooligans auch die Austragung künftiger Matches nicht gefährden".

Nach den Ausschreitungen rund um das EM-Finale im Wembley-Stadion geriet die Londoner Polizei scharf in die Kritik. Kabinettsmitglieder und der Fußballverband FA haben der Polizei vorgewrfen, das Stadion im Nordwesten der britischen Hauptstadt nicht gut genug abgeschirmt zu haben, berichtete die Zeitung „The Times“ am Mittwoch.

Zudem sei die Verwunderung groß, warum die Polizei die Partie zwischen England und Italien nicht als Hochrisikospiel eingestuft habe. „Es gab Fehler, und wir müssen prüfen, wo die Fehler lagen“, sagte Bürgermeister Sadiq Khan dem Sender BBC Radio 4.

Die Einsatzleiterin der Metropolitan Police bei dem Spiel, Jane Connors, verteidigte hingegen ihr Vorgehen. Ohne das unverzügliche Eingreifen der Polizei, hätte das Spiel womöglich abgebrochen werden müssen, so Connors. Sie stehe zu den „schwierigen Entscheidungen“, die von der Polizei getroffen worden seien.

Für das Spiel waren wegen der Corona-Pandemie nur 60 000 Zuschauer im Wembley-Stadion zugelassen, das entspricht zwei Drittel der Kapazität von 90 000 Sitzen. Auf Fernsehbildern waren aber nur wenige freie Plätze zu sehen.

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Die „Times“ schrieb, dass sich „Tausende“ illegal Zugang zum Stadion verschafft haben könnten, darunter bekannte Hooligans. Augenzeugen berichteten, dass Security-Mitarbeiter Geld angenommen hätten, um Leute einzulassen. Im Stadion hätten zahlreiche Zuschauer ohne Eintrittskarten dann freie Sitze und Durchgänge besetzt, andere hätten Familien mit Kindern verscheucht.

Das Sicherheitspersonal sei schlecht ausgebildet, die Polizei im Stadioninneren kaum zu sehen gewesen. Mindestens zwei italienische Fans seien von Hooligans schwer verletzt worden. Die „Times“ zitierte eine ranghohe Regierungsquelle, die Vorwürfe seien „sehr schwer, wenn sie zutreffen“.

Die Polizei hatte mitgeteilt, dass am Sonntag in London 86 Menschen wegen verschiedener Verstöße festgenommen worden seien, davon 53 in Wembley. Er rechne mit vielen weiteren Festnahmen, sobald Bilder von Überwachungskameras ausgewertet sind, sagte Khan. Anwesende Polizeikräfte und Sicherheitsleute hätten ihr Bestes getan.

„Wir wissen, dass Tausende ohne Tickets nach London kamen“, sagte Khan. Beim Sturm auf die Stadiontore wurde auch der Vater von Nationalspieler Harry Maguire verletzt, wie der Verteidiger der „Sun“ sagte. Viele Menschen waren durch den VIP-Eingang ins Stadion gelangt.

Die Europäische Fußball-Union Uefa hat wegen der Vorfälle Ermittlungen gegen die FA aufgenommen, die ihrerseits einen umfassenden Bericht angekündigt hat. Die Krawalle könnten die gemeinsame Bewerbung Englands und Irlands zur Ausrichtung der WM 2030 belasten.

(dpa)