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EM 2021: Karl Lauterbach hält Fußball-EM für „verantwortungslos"

Mögliche Langzeitschäden bei Spielern : Lauterbach hält Fußball-EM für „verantwortungslos“

Die Uefa hält unbeirrt an ihren Plänen für die Europa-Meisterschaft im Sommer fest. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnet dies als „verantwortungslos“. Außerdem warnt er vor schweren gesundheitlichen Schäden bei Spielern.

Beim Gedanken an den bevorstehenden Fußball-Sommer schrillen bei Karl Lauterbach die Alarmglocken. Zehntausende Fans in den EM-Stadien, dazu Nationalmannschaften, die für ihre Spiele munter zwischen Amsterdam, Bukarest oder London hin- und herreisen - für den SPD-Gesundheitsexperten ein Unding inmitten der Pandemie. "Das ist verantwortungslos", kritisierte Lauterbach im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, vom Festhalten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) an der EM im Sommer halte er schlicht - "nichts".

Mit seiner Kritik an der paneuropäischen Endrunde (11. Juni bis 11. Juli) in möglichst zwölf Ländern ist Lauterbach wahrlich nicht alleine. Doch der studierte Epidemiologe brachte auch einen Punkt auf, der bislang in der Debatte um Sinn oder Unsinn des Mega-Turniers wenig Beachtung fand: Die gesundheitlichen Risiken für Fußballprofis wegen möglicher gravierender Spätfolgen nach Coronainfektionen.

Lauterbach spricht dabei von eventuellen "gesundheitlichen Langzeitschäden", die "das sofortige Karriereende bedeuten können" - das Fachwort heißt "Long Covid". Dabei handle es sich etwa um "chronische Müdigkeit und Erschöpfung nach Belastungen sowie Herz- und Gefäßprobleme". Durch Mutationen würden nun auch Fußballer "häufiger - und schwerer - erkranken", sagte Lauterbach weiter und erläuterte: "Viel kürzere Verweildauern in Duschkabinen, Hotelzimmern oder Gesprächsräumen reichen nun für Infektionen."

Ein Risiko, dem die Nationalspieler bei einer EM natürlich nicht gänzlich aus dem Weg gehen können. Doch an der bereits um ein Jahr verschobenen EURO ist nicht mehr zu rütteln - nur noch Fragen über das endgültige Format sind offen. Acht Spielorte, die die geforderten Zuschauergarantien abgegeben haben, hat die Uefa schon bestätigt. Die Entscheidung über die vier Wackelkandidaten um München, die noch keine Fanzulassung versichern konnten oder wollten, fällt das Exekutivkomitee am kommenden Montag.

Trotz des erhöhten Drucks der Uefa gab sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) demonstrativ zuversichtlich, die insgesamt vier geplanten Spiele in der bayerischen Landeshauptstadt retten zu können. "Wir wollen dabei sein, wir werden dabei sein - und ich bin sehr optimistisch, dass wir am 19. April auch eine entsprechende Bestätigung bekommen", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius der ARD.

Kritik am Vorgehen der Uefa, den vier Wackelkandidaten München, Dublin, Rom und Bilbao die Pistole auf die Brust zu setzen, gab es von anderer Stelle. Es sei "eine ziemliche Frechheit, was da abläuft", sagte Alexander Fischer, Sprecher des Fan-Dachverbands Club Nr. 12 von Bayern München, dem Deutschlandfunk: "Man setzt ja de facto die Verbände, bzw. die Stadionbetreiber unter Druck und sagt: Entweder ihr spielt mit Zuschauern oder es wird bei euch gar nicht gespielt."

Der oberste Gesundheitsberater der italienischen Regierung hält die Deadline der Uefa für deutlich zu kurz. "Es ist schwierig, eine Vorhersage für ein Ereignis zu machen, das in zwei Monaten stattfindet", sagte Franco Locatelli dem Rundfunksender RAI, Anfang Mai ließen sich verlässlichere Aussagen machen.

Doch so lange will die Uefa nicht warten. Gespielt wird so oder so - Warnungen und Kritik von Lauterbach und Co. werden daran nichts ändern.

(old/sid)