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EM 2021: England - Deutschland - Englische Fans fürchten das Elfmeterschießen

England-Fan vor dem Achtelfinale : „Sie werden Deutschland jagen“

Der Engländer Nigel Fisher freut sich auf das EM-Duell gegen Deutschland. Er glaubt an ein Weiterkommen, auch weil Deutschland Schwachstellen habe. Eine Sache würde ihn aber nervös machen.

Dass Deutschland durch den späten Ausgleich gegen Ungarn das Achtelfinale erreichte, freute auch Nigel Fisher. Der England-Anhänger findet es gut, dass sein Land gegen Deutschland spielt und nicht gegen Frankreich oder Portugal. „Deutschland ist nicht so gut wie es in der Vergangenheit war“, sagt er vor dem Achtelfinale am Dienstagabend. Außerdem würden etwa die Offensivspieler von Portugal die englische Liga sehr gut kennen, was es für England schwieriger gemacht hätte.

„Wir alle wollen die Deutschen schlagen“, sagt Fisher. Gerade wegen des Heimspiels sieht er dafür gute Chancen. Er rechnet in Wembley mit 45.000 vor allem englischen Fans. Er geht von einem engen Spiel aus, das England knapp für sich entscheidet – solange nicht eine bestimmte Sache dazwischen kommt: „Elfmeterschießen würde jeden nervös machen“, sagt er. Wenn es nach ihm geht, sollen die Spieler „all die Geschichte, die Rivalität, die Elfmeterschießen beiseite legen“. Es sei besser, wenn sie es einfach als normales Spiel betrachten. Wenn ein Duell von den Medien zu groß gemacht wird, sei das ein Problem, wie vor dem torlosen Remis gegen Schottland.

Der 56-Jährige wohnt in der Nähe von London und ist leidenschaftlicher Anhänger des FC Chelsea. Seit zwölf Jahren hat er eine Dauerkarte. Er mag Chelseas Trainer Thomas Tuchel sehr, sagt er. Der Coach habe es hinbekommen, dass Spieler wie Timo Werner und Kai Havertz besser spielen. Vor dem Ex-Leverkusener hat er bei der EM dennoch keine große Angst: „Havertz ist ein guter Spieler, aber er lernt die Rolle als zentraler Stürmer gerade noch“, sagt er zu der Position, die der 22-Jährige in der Nationalmannschaft und bei Chelsea teilweise spielt.

Vor einem anderen Spieler hat er im Achtelfinale mehr Respekt: Thomas Müller. „Er ist ein sehr kompetitiver Spieler. Ich hoffe, dass er nur auf der Bank sitzt“, sagt Fisher. 2012 war er beim dramatischen Champions-League-Finale in München im Stadion dabei, Bayern gegen Chelsea. Müller beeindruckte ihn sehr: „Er führte Bayerns Angriff an“, erzählt er. Müller traf zum 1:0 und habe gejubelt, als hätte Bayern das Spiel gewonnen.

Als Schwachstelle in der deutschen Mannschaft hat Fisher die Innenverteidiger ausgemacht. Mats Hummels sei nicht der schnellste und Chelseas Antonio Rüdiger sei manchmal zu temperamentvoll und mache unüberlegte Dinge – auch wenn er dessen Entwicklung seit Tuchels Antritt stark findet. Auch Toni Kroos könnte man versuchen, zu „überrennen“, sagt er. England werde wohl auf eine Fünferkette umstellen, um sich der deutschen Formation anzupassen. Die Abwehr müsse versuchen, das Tempo aus dem deutschen Angriff zu nehmen: „Wenn England das Spiel langsam macht, kann die Verteidigung damit umgehen“, sagt er.

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In der englischen offensiven Dreierreihe erwartet er Raheem Sterling, Harry Kane und Phil Foden. „Harry Kane hat noch nicht getroffen“, erwähnt er, gegen Deutschland sei es an der Zeit. Für Jadon Sancho bleibe wohl erneut nur ein Platz auf der Bank. Er habe bei England bislang nicht so gut gespielt wie bei Dortmund und arbeite nicht so gut in der Defensive mit. „Ganz England will Jack Grealish“, sagt er stattdessen, der Profi von Aston Villa sei technisch sehr stark. Nach Medienberichten steht er vor einem Wechsel zu Manchester City. Unabhängig vom Personal ist Fisher sicher: „Sie werden Deutschland jagen und pressen.“ Für den eigenen Ballbesitz fordert er: „Der Ball muss schneller vom Mittelfeld in den Angriff“. Bislang habe man Probleme gehabt, Chancen herauszuspielen.

Das EM-Duell am Dienstagabend sei wie eine Vorentscheidung, glaubt Fisher: „Das ist das Spiel.“ Wer auch immer den Sieg hole, werde auch das Finale erreichen. Diese Seite des Turnierbaums sei deutlich einfacher als die andere. Und was ist sein Tipp für die Partie? „2:1 für England“, sagt er, „vielleicht nach Verlängerung.“