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Düsseldorf: Das sagen die Menschen in "Little Italy" zu Italiens EM-Leistung

Italien-Fans in Düsseldorf : „Italien spielt ein richtig gutes Turnier“

Italien spielt eine bisher herausragenden Europameisterschaft. In Düsseldorfs „Little Italy“ sind die Menschen davon überzeugt, dass das Team weit kommen kann. Doch mit der Situation beim WM-Triumph 2006 sei das Turnier nicht vergleichbar.

Im Zentrum des Düsseldorfer Stadtteils Gerresheim reiht sich Pizzeria an Eisdiele, steht der Friseur „Roma Hairstyling“ gegenüber dem „Bistro Italy“. Der südliche Teil der Heyerstraße in Gerresheim wird in Düsseldorf oft als „Little Italy“ bezeichnet. Ein Grund dafür ist die Gerresheimer Glashütte, in der in den 50er und 60er-Jahren viele italienische Gastarbeiter beschäftigt waren.

„Manche haben sich etwas aufgebaut und sind geblieben, manche haben viel verloren und sind geblieben oder gegangen, andere haben eine Pizzeria oder ein Eiscafé aufgemacht“, sagt Placido Campofranco. Der 25-Jährige ist in dem Stadtteil aufgewachsen, seine Wurzeln liegen aber in Italien.

 Während des Italien-Spiels am Sonntag gegen Wales war die Heyerstraße voll besetzt.
Während des Italien-Spiels am Sonntag gegen Wales war die Heyerstraße voll besetzt. Foto: Placido Campofranco

Dem Land, das gerade bei der Fußball-Europameisterschaft für Furore sorgt. Mit 9 Punkten und 7:0 Toren ist Italien in souverän ins Achteilfinale eingezogen. Sie haben seit September 2018 kein Spiel mehr verloren, gelten inzwischen als Titelfavorit.

 Placido Campofranco arbeitet im Bistro Italy in Gerresheim.
Placido Campofranco arbeitet im Bistro Italy in Gerresheim. Foto: Eirik Sedlmair

Das sieht auch Placido Campofranco so. „Italien spielt ein richtig gutes Turnier“, sagt er. Sie könnten sehr weit kommen. Campofranco arbeitet im „Bistro Italy“, an der Wand hängt ein Italien-Schal. „2006 war hier wahnsinnig viel los“, sagt er. Die Leute hätten auf den Straßen gefeiert, die Stimmung nach dem WM-Sieg sei großartig gewesen. „Sowas wie 2006, das bekommen wir hier nicht mehr hin“, sagt er. Aber auch bei dieser EM sei die ganze Straße voll gewesen, alle hätten draußen geschaut, ein Meer von blauen Trikots.

Nebenan des Bistro Italys liegt das Eiscafé Gattopado. Im Fernseher läuft Sky Sport News Italia, im Bistro sitzen drei Männer. „Wir sind hier alle gemischt“, sagt ein Mann, der seinen Namen nicht in den Medien lesen will. Er sei Italiener, sein Gesprächspartner gegenüber auch, aber – er zeigt auf einen Mann hinter der Theke – er hier sei Deutscher. Die Leistung der italienischen Nationalmannschaft bei der EM sei bisher sehr überzeugend, sagt der Mann und zeigt auf den Fernseher. „Wir haben eine gute, junge Mannschaft“. Aber man habe bisher auch nicht sonderlich schwere Gegner gehabt. „Gegen Österreich fliegt ihr raus“, ruft der „Deutsche“ hinter der Theke. Kleines Wortgefecht, ein freundschaftlicher Schwitzkasten, weiter gehts.

Italien ist nicht nur das Land, das gerade mit seiner Fußballmannschaft bei der EM auftrumpft. Es ist auch das europäische Land, das mit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen war – vor allem in der ersten Welle. Die Bilder der Militärwägen, die in Bergamo Leichen abstransportierten, gingen um die Welt. Knapp 127.300 Menschen sind nach Angaben der John Hopkins-Universität bisher in Italien an den Folgen des Corona-Virus verstorben, so viele wie in keinem anderen Land der Europäischen Union. Und jetzt spielt ihr Italien bei der EM groß auf. Kann der Fußball helfen, das Trauma zu bewältigen?

Placido Campofranco glaubt das nicht. „Das was passiert ist, ist passiert“, sagt er, „das wird jetzt auch nicht durch eine gute EM oder einen Titel wieder wettgemacht“.