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30 Prozent der Treffer fallen aus der Luft: Die EM der Kopfball-Tore

30 Prozent der Treffer fallen aus der Luft : Die EM der Kopfball-Tore

Als Prototyp des "Kopfball-Ungeheuers" gilt Horst Hrubesch. 1980 köpfte der Hüne Deutschland zum EM-Titel. In seine Fußstapfen wollen viele treten. Ein Trend besagt: Der Offensivkopfball hat enorme Bedeutung bei diesem Turnier. Uefa-Boss Platini wundert das nicht.

Bitte abheben! Die Lufthoheit spielt bei dieser EM wie bei kaum einer Endrunde zuvor eine wichtige Rolle. Von bisher 69 Toren wurden 20 per Kopfball erzielt. Das ergibt einen erstaunlich hohen Anteil von knapp unter 30 Prozent. Ob Mario Gomez, Cristiano Ronaldo, Antonio Cassano oder Xabi Alonso — sie alle nickten im Turnierverlauf ein. Mal mussten sie nur noch den Kopf hinhalten, mal bullige Verteidiger wegräumen.

Als die offensivstärksten Kopfball-Nationen präsentierten sich England und Dänemark mit je drei Toren. Den "Three Lions" gelang sogar das Kunststück, an jedem der Gruppenspieltage auf diese Weise zu treffen. Doch im Viertelfinale gegen Italien (2:4 i.E.) versagte selbst Wayne Rooney mehrmals. Einen der eindrucksvollsten EM-Treffer erzielte sein Teamkollege Andy Carroll. Bei seinem 1:0 (23.) gegen Schweden sprang der Stürmer des FC Liverpool höher als die kantigen Andreas Granqvist und Olof Mellberg - und wuchtete den Ball ins Netz.

Dänemark nutzte sein Knowhow bei Kopfbällen nicht nachhaltig — Endstation Vorrunde. Beim 2:3 in der deutschen Gruppe B gegen Portugal war Nicklas Bendtner aber zweimal zur Stelle. Der Hüne demonstrierte die Bandbreite, die ein Stürmer im Luftkampf besitzen muss: Beim ersten Treffer (41.) profitierte er von seinem Stellungsspiel und nickte den Ball in den leeren Kasten; für das zweite Tor (80.) verschaffte er sich gegen Pepe Freiraum und ließ Keeper Rui Patricio mit einem platzierten Stoß keine Chance.

Keine Domäne der Angreifer

Der Kopfballtreffer ist jedoch keine Domäne der Angreifer. Das zeigte Bendtners portugiesischer Gegenspieler. Nach einer feinen Ecke von Joao Moutinho bewies Pepe (24.) Dynamik und Sprungkraft.

Uefa-Präsident Michel Platini hält die Einführung der Torrichter für maßgeblich an diesem Trend. "Dadurch werden mehr Kopfballtreffer erzielt. Die Angst der Verteidiger ist größer geworden, bei einem Foul erwischt zu werden", sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union (Uefa) während der Gruppenphase. "Es wird weniger an Trikots gezerrt, weniger simuliert. Nun ist mehr Raum da."

Die Domäne der Spanier ist zwar der Kurzpass, doch der Titelverteidiger kann abseits von "Tiki Taka" auch zum rustikalen Kopfballspiel greifen. In der Defensive beweisen das Gerard Piqué und Sergio Ramos. Beim 2:0 gegen Frankreich im Viertelfinale setzte jedoch Xabi Alonso die Akzente im Angriff.

Heranpirschen und Durchsetzen

Vor seinem kraftvollen Aufsetzer (19.) antizipierte er die Lücke in der Deckung, sprintete in den freien Raum und verwertete eine Bilderbuchflanke von Jordi Alba. "Die Mannschaft war phänomenal", meinte Xabi Alonso nach seinem 100. Länderspiel uneitel. Vorbildlich war aber sein Heranpirschen und Durchsetzen. Diese Kunst beherrschen auch die DFB-Angreifer Klose und Gomez..

Wie wichtig Offensivkopfbälle sind, belegt die EM-Historie. 22. Juni, 1980, Olympiastadion in Rom: Eine Minute vor Abpfiff erlöst "Kopfball-Ungeheuer" Horst Hrubesch mit seinem 2:1-Siegtreffer gegen Belgien im Endspiel Fußball-Deutschland. 4. Juli, 2004, Estadio Da Luz in Lissabon: Angelos Charisteas (57.) schaltet nach dem ersten Eckball für die Hellenen am schnellsten und köpft die Vorlage von Angelos Basinas zum entscheidenden 1:0 ein. Das sind die Vorbilder für die Kopfball-Generation 2012.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alle Tore der EM 2012

(dpa)