Unwetter über NRW Wann EM-Spiele abgesagt werden müssten

Düsseldorf/Dortmund · Die Fan-Meile am Friedensplatz in Dortmund und die Public-Viewing-Area am Westfalenpark bleiben geschlossen. Ebenso die Fanzonen in Köln, Düsseldorf und Gelsenkirchen. Doch trotz drohender Unwetter ist eine Absage der EM-Partie zwischen der Türkei und Georgien aktuell kein Thema.

Das Westfalenstadion in Dortmund.

Das Westfalenstadion in Dortmund.

Foto: AP/Martin Meissner

Es ist ein Fußball-Fest im XXL-Format – doch am fünften Tag der Europameisterschaft fällt die Party ins Wasser. Aufgrund von schweren Unwetterwarnungen sind die offiziellen Fan-Zonen in den nordrhein-westfälischen EM-Standorten Düsseldorf, Köln, Gelsenkirchen und Dortmund sowie in Berlin am Dienstag geschlossen. Doch warum steht das Vorrundenspiel der Euro 2024 zwischen der Türkei und Georgien nicht auf der Kippe?

Veranstalter der EM ist die Uefa, der europäische Fußballverband. Er wird unterstützt vom DFB mit der Euro GmbH als Ausrichter des Turniers. In allen Stadien liegt das Hausrecht bei der Uefa – ob eine Partie allerdings auch tatsächlich ausgetragen werden kann, liegt nicht nur in den Händen eines Entscheiders. Im Vorfeld einer Begegnung gibt es Lagebesprechungen zwischen den Euro-Verantwortlichen, Sicherheitskräften und Behörden.

Wer über eine Absage entscheiden kann

Darin wird unter anderem geklärt, ob die sichere An- und Abreise der Fans gewährleistet ist. Gründe, die zum Beispiel dagegen sprechen würden, wären Glatteis rund um eine Arena, die ein unkalkulierbares Risiko bedeuten würden. Ob ein Spiel aus sportlichen Gründen angepfiffen werden kann, dafür ist eine Platzkommission mit dem Schiedsrichter an der Spitze verantwortlich. Nach Informationen unserer Redaktion ist eine Absage derzeit kein Thema, man hofft noch darauf, dass sich die Gewitterfront deutlich vom Westfalenstadion wegbewegt.

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Nur der Unparteiische könnte zum Beispiel anordnen, dass ein Stadiondach geschlossen wird. Bei der EM ist das allerdings ganz grundsätzlich nur in Düsseldorf, Gelsenkirchen und Frankfurt möglich. Sollte durch Starkregen der Rasen derart mit Wasser vollgesogen sein, dass der Ball nicht mehr vernünftig rollt und die Gesundheit der Spieler gefährdet würde, wäre eine Absage denkbar. Doch aufgrund des engen Spielplans bei einer EM ist dieses Szenario eigentlich nicht vorgesehen. Sollte ein Gewitter unmittelbar über dem Stadion toben, würde der Schiedsrichter die Partie unterbrechen, weil die Gefahr eines Blitzeinschlags natürlich sonst ein zu hohes Risiko mit sich bringen würde.

„Naturkräfte zu unterschätzen, ist nie ein guter Rat“

In Dortmund ist das am Abend stattfindende Duell zwischen der Türkei und Georgien besonders betroffen. Die Stadt appellierte an Fans ohne Ticket „ausdrücklich“, nicht nach Dortmund zu reisen. Zugleich stellen sich die Behörden aber darauf ein, dass sich viele Menschen nicht an die Empfehlung halten werden. Die Angst der Behörden: herumfliegende Teile könnten die Besucher gefährden. Deshalb auch die schnelle Absage der Fan-Feste, weil dort Zelte und andere Teile hohes Gefahrenpotenzial haben.

„Naturkräfte zu unterschätzen, ist nie ein guter Rat“, sagte Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz. Martin Sauer, Beauftragter der Stadt Dortmund für die Euro 2024, bekräftigte: „Es ist eine Gefahr, die da ist und sehr, sehr plötzlich eintreten kann. Wir meinen das sehr, sehr ernst und wollen die Menschen schützen.“

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Was wäre, wenn tatsächlich nicht gespielt werden könnte? Ist das Spiel bereits angepfiffen, würde die restliche Spielzeit am nächsten Tag im selben Stadion gespielt werden (In der Bundesliga dagegen gäbe es eine komplette Neuansetzung). Die Spielfortsetzung wäre dort, wo der Ball beim Abbruch war, zum Beispiel Einwurf, Ecke, Abstoß. Kann auch am Tag danach nicht gespielt werden, würde die Uefa einen anderen Ort bestimmen. Erteilte Verwarnungen behielten ihre Gültigkeit.

NRW reagierte schnell

Trotz der Warnungen rechnet die Stadt Dortmund vor dem Spiel mit Fanmärschen zum Stadion. Dazu stehe man „im engen Austausch mit den Fanverbänden - sowohl von der Türkei als auch Georgien“, sagte Sauer. Vor allem am Nachmittag bis in die erste Nachthälfte muss nach Angaben des DWD mit teils schweren Gewittern gerechnet werden. Es drohen außerdem heftiger Starkregen, Blitzschlag und schwere Sturmböen.

Aus diesem Grund hatten auch die anderen West-Standorte der EM sowie die Veranstalter in Berlin reagiert – Düsseldorf bereits am Montagabend. „Zur Sicherheit von allen Fans und Fußballfreunden entschied sich das Koordinierungsgremium der Host City für die Schließung der Fan-Zones“, schrieb die Landeshauptstadt auf ihrer Homepage. Die Stadt Köln sagte ebenfalls alle im Zusammenhang mit der Europameisterschaft geplanten Veranstaltungen ab: „Wir hoffen, dass wir am morgigen Mittwoch wieder gemeinsam feiern können! Passt auf euch auf!“

Neben der Partie in Dortmund findet am späteren Abend (21 Uhr) ein weiteres EM-Spiel am Dienstag statt: Portugal steigt mit Superstar Cristiano Ronaldo in Leipzig gegen Tschechien ins Turnier ein. In Leipzig sollte die Fan-Zone zunächst wie geplant öffnen, die Stadt beobachte aber die Lage.

(gic mit sid)