Lukas Podolski wirkt in der Nationalmannschaft wie ein Fremdkörper

Arsenal-Profi in der Nationalmannschaft : Podolski wirkt wie ein Fremdkörper

Die Zeit von Arsenal-Profi Lukas Podolski in der Nationalmannschaft läuft ab. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Der Kölner passt nicht mehr ins System von Trainer Jogi Löw.

Die führende Stimmungskanone der Fußball-Nationalmannschaft ist einstweilen außer Betrieb. In Brasilien sorgte Lukas Podolski noch maßgeblich für den guten Geist im Team, weil ihn auch sehr überschaubare Einsatzzeiten auf dem Feld nicht in Grummellaune verfallen ließen. Im Gegenteil: Podolski strahlte jeden Anflug von mangelnder Heiterkeit unverzüglich weg.

Spätestens seit dem dritten EM-Qualifikationsspiel der neuen Länderspielsaison ist es aber sogar um Podolskis unverwüstlich gute Laune geschehen. Beim 1:1 gegen Irland saß er 45 Minuten auf der Bank, obwohl Bundestrainer Joachim Löw nun wahrlich nicht auf jeder Offensivposition die erste Garnitur aufbieten konnte. Und als der Mann mit den meisten Länderspielen im deutschen Aufgebot (immerhin schon 120) dann endlich auch für die abschließenden 45 Minuten auf den Rasen durfte, empfahl er sich nicht gerade für eine weitere Verwendung in der Startelf. Der inzwischen ziemlich bullige Stürmer wirkte auf dem linken Flügel manchmal unbeteiligt, seine Laufwege passten nicht, und nur in den ersten paar Situationen brachte er Ansätze von Schwung ins Spiel. "Was man bei ihm spürt: Ihm fehlt die Spielpraxis", sagte Löw

Das findet Podolski auch. Bei Arsenal in seiner Wahlheimat London ist er alles andere als eine Stammkraft. "Und dass ich damit nicht zufrieden bin, ist doch klar", sagte der Angreifer. Die Unzufriedenheit hatte er schon häufiger öffentlich gemacht. An seiner Lage im Klub wird er damit wohl nichts ändern. Ihm bleibt nur ein Vereinswechsel.

Denn erst, wenn er wieder einen Stammplatz im Alltag erkämpft hat, kann er wieder ein echtes Thema für die Nationalmannschaft werden. Podolski weiß das. "Wenn ich im Verein weniger spiele, kann ich hier keine Ansprüche stellen", erklärte er. Auf Dauer wird ihm schließlich die Rolle des Gute-Laune-Poldis sicher keine regelmäßigen Berufungen eintragen. Das weiß er natürlich auch. "Ich will spielen, aber das will jeder", stellte Podolski fest. Viel Zuversicht war da nicht zu vernehmen.

Dafür gibt es auch keinen Anlass. Anders als in den Tagen der Weltmeisterschaft, als Podolski durch das Vorbereitungstraining in körperlicher Bestform eine Alternative zum Stammpersonal war, ist er durch den Mangel an Einsätzen bei Arsenal nicht in bester Verfassung. Wenn es ihm jedoch an Kraft fehlt, dann wirkt sein Spiel hausbacken und ein wenig aus der Zeit gefallen neben all den wirbligen, deutlich jüngeren Konkurrenten. Vielleicht kommen Löw und am Ende auch Podolski nicht um die Feststellung herum, dass im Fußball, wie ihn die DFB-Auswahl spielt, eigentlich kein Platz mehr für den Publikumsliebling ist.

Für ihn spricht zurzeit allein, dass er ein ausgesprochen freundlicher Zeitgenosse ist. Löw wird ihn deshalb sicher nicht so kühl abservieren wie Michael Ballack, als dessen Zeit abgelaufen war. Für Podolski ist das ein schwacher Trost.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Lukas Podolski

(pet)
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