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Ex-Kölner der große Verlierer: Lukas Podolski — was nun?

Ex-Kölner der große Verlierer : Lukas Podolski — was nun?

Die Europameisterschaft sollte Höhepunkt in seiner Karriere als Fußballer werden: das Turnier in der Ukraine und in Polen, dem Land, aus dem seine Eltern stammen und in dem er vor 27 Jahren geboren wurde. Doch Lukas Podolski kehrte als einer der großen Verlierer im deutschen Aufgebot zurück. Im Halbfinale gegen Italien (1:2) kam Marco Reus nach der Pause für ihn auf das Feld. Ein Wechsel, der bezeichnend war für die Gesamtleistung des früheren Kölners bei der EM.

Seit dem Confed-Cup 2005 in der Bundesrepublik hatte Podolski bei jedem Turnier überzeugt — bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EM 2008. Der Zeitpunkt für seinen 44. Treffer im Trikot des DFB konnte für ihn passender gar nicht sein, denn er schoss ihn beim 2:1 gegen Dänemark in seinem 100. Länderspiel. Doch auch der Jubiläumsauftritt dauerte nur 64 Minuten, dann wechselte Bundestrainer Joachim Löw für ihn den jungen Leverkusener André Schürrle ein.

Podolski engagierte sich bei der EM zwar intensiver als früher in der Defensivarbeit, wobei er im Halbfinale bei der Entwicklung zum zweiten Tor des Italieners Mario Balotelli allerdings ein schlechtes Stellungsspiel zeigte — dafür konnte sich die deutsche Nummer zehn offensiv nicht so in Szene setzen, wie man es bei zahlreichen Länderspielen von ihm gesehen hatte. Dabei absolvierte er beim 1. FC Köln trotz des Abstiegs aus der Bundesliga eine beachtlich starke Saison mit 18 Treffern und neun Torvorbereitungen: Rang sieben in der Scorerwertung.

Podolski muss um Stammplatz bangen

Nachdem er jetzt zum illustren Kreis der deutschen Nationalspieler mit mehr als 100 Einsätzen gehört und bis vor Kurzem alles noch darauf hindeutete, dass etliche Nominierungen hinzukommen würden, die ihn immer näher an die Rekordmarke von Lothar Matthäus (150) heranbringen würden, sind seine Perspektiven jetzt keineswegs mehr so rosig. Denn nach dem für den Mittelfeldakteur unbefriedigenden, ja enttäuschenden Verlauf der EM und einer seiner bisher schlechtesten Leistungen beim 1:2 gegen Italien droht Podolski seine Position als Stammkraft zu verlieren.

Denn die Konkurrenz der jüngeren Offensivkollegen drängt immer stärker nach vorn. Insbesondere Andre Schürrle, der schon länger als ein Spieler gilt, der Podolskis Rolle übernehmen kann, was er beim 4:2 gegen Griechenland auch tat. Auf Sicht könnte auch der erst 18 Jahre alte, hochtalentierte Schalker Julian Draxler für die linke Mittelfeldseite infrage kommen.

Podolski, der Spaßvogel vom Dienst im Kreis der Nationalspieler, steht womöglich am Wendepunkt seiner Laufbahn, obwohl er mit 27 im besten Fußballeralter ist. Entscheidend wird auch sein, ob er sich bei seinem neuen Klub behauptet. Die Herausforderung könnte für ihn nicht sehr viel größer sein. Seit Sonntag steht "Poldi" beim FC Arsenal London unter Vertrag. Nach dem Urlaub beginnt für ihn eine Saison in der Premier League — und damit vielleicht ein großes Abenteuer. Schon einmal, von 2006 bis 2009 als Profi des FC Bayern, hat er die hohen Erwartungen bei einem führenden Verein Europas nicht erfüllt. Die Rückkehr vor drei Jahren zu "seinem" 1. FC Köln war deshalb ein Abstieg auf der Karriereleiter.

Zerbricht Podolski im neuen Umfeld?

Nun wagt er zum zweiten Mal den großen Schritt, und es wird sich erst noch zeigen müssen, ob er gut beraten worden ist und er gut gewählt hat. In Englands höchster Klasse muss er ein hohes Laufpensum, ein immenses Arbeitspensum leisten. Alles andere als ein Zuckerschlecken erwartet ihn auf der Insel. Fernab vom vertrauten rheinischen Umfeld. Weit weg von den Fans, die ihn als Kultfigur stets verehrt und geliebt haben.

Sein neuer Trainer Arsene Wenger hat ihn bei zwei EM-Spielen live im Stadion beobachtet. Nach der Vorrunde sagte er: "Ich denke, Lukas hat sehr gut für die Kollegen gearbeitet." Doch der Franzose muss bei Arsenal sehr viel mehr von seinem zweiten deutschen Spieler neben Innenverteidiger Per Mertesacker verlangen: Durchsetzungsvermögen in der Offensive, Schussstärke, Tore. Die Gefahr zu scheitern ist für Podolski groß.

Hier geht es zur Bilderstrecke: EM 2012: Gewinner und Verlierer der DFB-Elf

(RP/seeg/areh/can)