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Löw vor Kracher-Start gegen Frankreich äußerst entspannt

"Ich schlafe ruhig" : Löw vor Kracher-Start gegen Frankreich äußerst entspannt

Ein Kracher zum Start: Weltmeister Frankreich ist der denkbar schwerste Auftaktgegner, doch Joachim Löw und seine Elf versprühen Zuversicht.

Joachim Löw hatte seine linke Hand lässig in die kurze schwarze Trainingshose gesteckt, hinter seiner Corona-Maske deutete sich ein Lächeln an. Als der Bundestrainer die Münchner Arena betrat, strahlte er Lockerheit und Zuversicht aus - den trainierenden Gegner, kein geringerer als Weltmeister Frankreich, würdigte er vor dem ersten kleinen "Finale dahoam" keines Blickes.

"Ich bin innerlich sehr ruhig und gelassen", betonte Löw vor dem Kracher-Start in die EM, schon auf der Fahrt vom "Campo" in Herzogenaurach an die Isar habe es gekribbelt. "Ich habe gedacht: Endlich geht es los!" Sein Team sieht er gerüstet für das schwere Duell mit Topstars wie Wunderknabe Kylian Mbappe am Dienstag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV): "Jeder ist sehr, sehr hungrig nach Erfolg, das lässt mich ruhig schlafen."

Und so versprach der scheidende Bundestrainer der Fußball-Republik vor seiner letzten Mission: "Wir sind uns der Bedeutung bewusst, dass wir für unsere Nation alles abrufen werden." Notfalls würden seine Stars und er "durch die Hölle" gehen. 25 Jahre nach dem bislang letzten EM-Triumph in Wembley will sich Löw am 11. Juli in Englands Fußball-Kathedrale mit dem Pokal durchs große Tor verabschieden.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff würde die Rekord-Siegprämie von 400.000 Euro in diesem Fall "gerne zahlen". Die DFB-Elf, versprach Kapitän Manuel Neuer, sei "bis in die Haarspitzen motiviert und sehr heiß". Rückkehrer Mats Hummels unterstrich nach der Ankunft im Teamhotel am Tucherpark: "Gott, hab ich Bock auf dieses Spiel."

Das wird auch dringend nötig sein, wenn Frankreich in der "Todesgruppe" F nicht nur für Löw der Anfang vom Ende sein soll. "Man darf keinen Spieler aus dem Auge verlieren und muss jede Sekunde hellwach sein", warnte der Bundestrainer. Sonst droht nach dem WM-Desaster 2018 ein bitteres Deja-vu.

Löw aber glaubt, er habe in zweieinhalb Wochen der Vorbereitung "alles getan". Personell kann er nahezu aus dem Vollen schöpfen, nur Jonas Hofmann (Knie) fehlt sicher. Leon Goretzka kommt nach seiner Muskelverletzung zwar "nicht für die Startaufstellung" infrage, wie Löw berichtete, aber für einen Kaderplatz.

Letzte taktische Details will Löw bei abschließenden Gesprächen klären und dabei "auf mein Bauchgefühl" hören. Die Aufstellung scheint klar: Vor Neuer soll die Dreierkette um Hummels den französischen Weltklasse-Sturm bändigen. Für den Flankenschutz "opfert" Löw seinen Lieblings-Sechser Joshua Kimmich, der nach rechts rückt. "Der Jo spielt da, wo es das Beste ist für die Mannschaft", sagte er.

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Den letzten vakanten Platz im Sturm neben Anführer Thomas Müller erhält Kai Havertz - Leroy Sane bleibt nur die Jokerrolle. Diese aber könne entscheidend sein, meinte Löw und beschwor den Zusammenhalt, der die Nationalelf 2014 auf den WM-Gipfel getragen hatte. Wie damals sein goldener Joker Mario Götze müssten alle "für die Sekunde X" brennen. Der Teamgeist, meinte Löw, sei auch diesmal "sehr gut", nichts sei mehr zu spüren von der "Schwere" von 2018.

Wehmut verspürt der Bundestrainer vor seinem letzten Hurra nicht, er fiebert dem Start "ungeduldig" entgegen. Löw, versicherte sein langjähriger Wegbegleiter Oliver Bierhoff, sei "alles andere als eine lame duck".

Tragen sollen das DFB-Team die Fans - auch wenn es "nur" 14.000 sein werden, darunter die Familien der Stars und Löws Nachfolger Hansi Flick. "Wir wissen, dass wir ihnen noch was schuldig sind", sagte Neuer, der den Anhang per Videobotschaft um Zuspruch bat: "Wir brauchen jede Unterstützung." Für die Spieler, meinte Bierhoff, sei die Zuschauerrückkehr "wie Weihnachten".

Geschenke sind von den Franzosen nicht zu erwarten. "Du darfst gegen sie keine Fehler machen, das nutzen sie gnadenlos aus", sagte Löw. Dass Toni Kroos und Ilkay Gündogan in der Mittelfeld-Zentrale gegen Paul Pogba und N'Golo Kante auf verlorenem Posten stehen könnten, wies er zurück. Wie man verhindert, dass Mbappe und Co. ins Rollen kommen? "Wir müssen leidensfähig sein", sagte Löw.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So könnte die deutsche Startelf aussehen

(dör/SID)