"Heimspiel" in der Nationalmannschaft : Julian Draxler: Ich bin bereit

Der Schalker Mittelfeldakteur steht vor einem Heimspiel in der EM-Qualifikation.

Vor ein paar Jahren trat der große Bildungspolitiker Felix Magath mit einer aufsehenerregenden Empfehlung hervor. Er riet dem damals 17-jährigen Julian Draxler, die Schule zu schmeißen und fortan ganz auf die Karte Profifußball zu setzen. Zum Glück hat Draxler eher auf die gehört, die ihn vor den Risiken des Berufssports gewarnt und auf die Vorzüge eines vernünftigen Schulabschlusses hingewiesen haben. 2012 schaffte der Fußballer sein Fachabitur an der Gelsenkirchener Sporteliteschule Berger Feld. Und mit dem Fußball hat es trotzdem ganz gut geklappt. Inzwischen hat Draxler über hundertmal für Schalke in der Bundesliga gespielt. Darüber hinaus stehen 14 Einsätze in der A-Nationalmannschaft zu Buche.

Darüber vergisst man leicht, dass der begnadete Mittelfeldspieler erst 21 Jahre alt ist. Im Klub gehört er längst zu den wichtigsten Akteuren, und nicht wenige Experten erwarten eine ganz große internationale Karriere. Weil die Natur ihn mit einem überreichen Talent bedachte, sind die Ansprüche an den Schalker gelegentlich auch ein wenig überdreht. Es tut ganz gut, sich manchmal ans Geburtsdatum zu erinnern.

Beim DFB steht er noch in der zweiten Reihe. Das könnte sich heute Abend ändern. Draxler gilt als Kandidat für die Startelf in seinem Heimatstadion gegen Irland. "Wenn der Trainer mich fragt, werde ich signalisieren, dass ich bereit bin", sagt der Spieler, "dann wird man sehen." Das ist die Auskunft aus dem DFB-Wörterbuch für wohlerzogene Athleten.

Draxler beherrscht allerdings auch die Sprache der Großen. Kostprobe: "Unser Selbstvertrauen ist nach wer vor sehr groß. Wir sind der amtierende Weltmeister, und wir wollen der Welt zeigen, dass wir wieder an den Status der Unschlagbarkeit herankommen." Dieser Nachweis wurde in Polen am vergangenen Wochenende zwar noch nicht geführt, aber das kann Draxler nicht erschüttern. "Ich bin jetzt voll auf der Höhe", versichert der 21-Jährige, "und brenne darauf, das auch zu zeigen."

Er könnte mit der Nationalmannschaft in Gelsenkirchen auch die eigene Saison-Startbilanz entscheidend aufhübschen. Noch hat er auf dem Platz nämlich keinen Sieg feiern können, ausgerechnet beim Derby-Sieg über Borussia Dortmund fehlte er. Besonders betrüblich, weil er findet, dass er nach einigen Verletzungsproblemen in der vergangenen Saison "nun viel besser drauf" sei.

Wenn Löw sich dem Urteil anschließt, könnte Draxler seine bedeutenden Fähigkeiten auch gegen Irland nachweisen. Zu den Qualitäten des gebürtigen Gladbeckers gehören die Dribblings, die in der Fußballsprache "Eins-gegen-eins-Situationen" genannt werden, und eine Schusskraft, die nicht jeder dem schlaksigen Kerlchen zutraut. Darüber hinaus hat er auch schon gezeigt, dass er dem Spiel seiner Kollegen Struktur und Ideen verleihen kann - vor allem, wenn die Last der Verantwortung nicht allein auf seinen schmalen Schultern ruht. In dieser Hinsicht hat er es bei der Nationalmannschaft sicher leichter als im Verein.

Beim DFB ist er noch der Nachwuchsmann, obwohl er die Auswahl sogar schon mal als Kapitän aufs Feld führte. Beim torlosen Unentschieden im Test gegen Polen vor der WM, als Löw eine Sammlung von Talenten nominierte, war er der jüngste Spielführer der DFB-Geschichte.

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(pet)
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