Borussia Mönchengladbach: EM-Tourist: Neue Erfahrung für Reus

Borussia Mönchengladbach : EM-Tourist: Neue Erfahrung für Reus

Marco Reus ist gut drauf. Natürlich, denn Marco Reus ist immer gut drauf. "Ich konzentriere mich auf die positiven Dinge und lasse mich von negativen Sachen nicht runterziehen", das ist die Maxime des Noch-Gladbachers.

Er genießt es, bei der EM in Polen und der Ukraine dabei zu sein. "Es ist mein erstes großes Turnier, es fühlt sich gut an", sagte Reus in einem Interview mit dfb.de, gestand aber auch: "Ich bin ich natürlich traurig, dass ich noch nicht zum Einsatz gekommen bin." Für Reus, dessen Vertrag in Gladbach erst am 30. Juni endet, ist das eine neue Erfahrung. Bei Borussia war er der Star und keine Randerscheinung.

"Diese Situation ist für mich total ungewohnt. Für mich ist es brutal schwer, auf der Bank zu sitzen und nicht ins Spiel eingreifen zu können", sagte er. Beschweren würde sich Reus nicht darüber, das passt nicht zum von Bundestrainer Joachim Löw eingeforderten Teamspirit.

"Es ist jetzt meine Aufgabe, mich mit der Situation zu arrangieren. Wenn einer meint, nur weil er nicht spielt, schlechte Stimmung verbreiten zu müssen, ist er hier fehl am Platz", sagte Reus. Und sieht es, seinem Naturell entsprechend, positiv: "Ich muss in dieser Konstellation wachsen, muss versuchen, aus ihr gestärkt hervorzugehen."

Auf der deutschen Bank hockt er meist neben seinem künftigen Kollegen Mario Götze. Mit dem soll er das Spiel von Meister Dortmund inspirieren. Bei der EM sind beide bisher nur im Bild gewesen, wenn allgemeine Freude angesagt war, wie zuletzt beim Siegtor Lars Benders gegen Dänemark. Reus war am Rande zu sehen, er war beim Aufwärmen und klatschte Beifall.

Da war er noch eine Einwechseloption, doch Toni Kroos kam. Dabei hatte Reus eine gute Bewerbung für mehr als nur eine Reservistenrolle abgegeben, als er beim Vorbereitungsspiel in der Schweiz (3:5) sein erstes Tor für Deutschland schoss. Das aber reichte nicht, um Löw zu überzeugen, einen Platz für ihn freizumachen.

Bis zu drei Spiele bleiben, um aus dem Nationalspieler Reus einen EM-Spieler werden zu lassen. "Deswegen gebe ich in jedem Training alles. Ich will da sein, wenn die Chance kommt", sagte Reus. Für alle Fälle bot er sich nun für einen anderen Job an. Im Training ging er spaßeshalber ins Tor.

"Da bin ich echt gut. Aber als Feldspieler bin ich besser", sagte er. Das will er bei der EM zeigen, vielleicht schon im Viertelfinale gegen die Griechen. Wie schnell man vom EM-Touristen zum Helden werden kann, zeigte Lars Bender. Für Reus und die anderen in der Warteschleife ist er der Prototyp der Hoffnung.

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(RP/rl/can)