Furioser EM-Auftakt Deutschland zerlegt Schottland im Eröffnungsspiel mit 5:1

München · Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich mit einer furiosen Vorstellung im Eröffnungsspiel der Heim-EM mit 5:1 gegen Schottland durchgesetzt. Die Bravehearts wurden vom DFB-Team komplett auseinandergenommen. Wie die Partie gelaufen ist. Wer besonders überzeugen konnte.

EM: Deutschland gegen Schottland - die besten Bilder des Eröffnungsspiels
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Die besten Bilder aus dem DFB-Duell mit Schottland

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Foto: dpa/Christian Charisius

Die schotischen Fans haben über zwei Tage in München ordentlich den Ton angegeben. Die Schätzungen, wie viele der „Tartan Army“ sich in der bayerischen Landeshauptstadt tummelten, ging von 50.000 bis um die 200.000. Sie sangen und vor allem tranken sich auf Betriebstemperatur. So sehr, dass man schon fast die Befürchtung haben musste, die Kräfte könnten irgendwann ausgehen. Beim Eröffnungsspiel der Europameisterschaft war dann auch ganz schnell die Luft raus. Bereits nach wenigen Minuten dämmerte es den allermeisten in der mit 69.000 Zuschauern ausverkauften Arena, dass hier nur ein Team jubeln würde. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist furios ins Turnier gestartet und hat die Braveheart mit 5:1 geradezu vom Platz gefegt.

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Deutschland – Schottland: das DFB-Team in der Einzelkritik

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Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte sich vor der Begegnung geradezu staatstragend hingestellt und die Einheit der Nation beschworen. „Ich will, dass wir als Land vereint sind", hatte er vor dem Auftakt gesagt. „Wir müssen den Heimvorteil nutzen, da brauche ich alle. Deshalb bitte sehr laut sein morgen." Er ist erhört worden, von Beginn an waren die deutschen Fans da und machten gehörig Lärm von den Tribünen. Sie hatten allerdings auch gehörigen Grund dazu. Nagelsmann hatte die geballte Kreativ-Power aufgeboten und seine Akteure auf dem Rasen hatten sichtlich Lust, einfach Fußball zu spielen.

Gewiss war es über weite Strecken schon arg naiv, was die Schotten defensiv aufboten, doch man musste sie auch erst einmal in die Lage bringen. Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz – es ist noch ein sehr früher Zeitpunkt für die ganz großen Einordnungen, aber es waren schon ein paar magische Momente dabei. Vor allem wenn man bedenkt, dass Musiala und Wirtz gerade einmal 21 Jahre sind. Die Schotten haben sie im Alleingang mächtig alt aussehen lassen.

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Foto: dpa/Peter Kneffel

Natürlich nicht im Trio, sondern durch eine unglaublich geschlossene Mannschaftsleistung quer durch alle Positionen – wenngleich auch der Druck der Gäste sich in engen Grenzen hielt. Und so konnte der überragende Toni Kroos recht unbedrängt im Mittelfeld schalten und walten, so auch nach zehn Minuten, als er Joshua Kimmich anspielte, der den Ball Flach in den Strafraum weiterleitete. Wie Wirtz das Spielgerät verarbeitete, war schon gehobene Klasse. Bei den Feierlichkeiten versammelte sich die komplette Mannschaft um den Torschützen, ausgenommen Manuel Neuer und Kroos. Der Champions-League-Sieger von Real Madrid blieb lieber in seinem Arbeitsbereich und betätigte sich in der Platzpflege, in dem er Rasenstücke wieder einsetzte.

„Es gibt kaum eine Aufgabe, die schwerer wäre. Niemand erwartet etwas von uns, wir erwarten aber viel von uns. Wir glauben an uns“, hatte Kapitän Andrew Robertson vom FC Liverpool vor dem Spiel verkündet. „Deutschland wird die meiste Zeit den Ball haben. Wenn wir den Ball haben, dann müssen wir daraus etwas machen. Wir müssen die Deutschen frustrieren.“

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Foto: dpa/Arne Dedert

In der praktischen Umsetzung blieb der Vortrag der Schotten bescheiden. Frust schoben sie nur selbst. Und es wurde im Spielverlauf nicht besser. Ilkay Gündogan steckte den Ball perfekt durch auf Havertz, jeder „normale“ Mittelstürmer hätte es in der Szene wohl selbst versucht, doch die Offensivkraft spielte klug zurück auf Musiala – von wegen Schotten dicht, er konnte sich durchtänzeln und die Führung mit einem beherzten Schuss (19.) auf 2:0 ausbauen.

Hiernach wurde es richtig bitter für die Schotten, die zu keinem Zeitpunkt ihre Qualitäten abrufen konnten. Und so kam, was kommen musste, jedenfalls wofür das Team von Stephen Clarke hart arbeitete. Ryan Porteus ging derart rabiat im Strafraum gegen Gündogan zu Werke, dass es schon etwas überraschte, dass Schiedsrichter Clement Turpin aus Frankreich den Zuruf des VAR und einen Blick auf den Monitor benötigte. Elfmeter und Platzverweis waren die mehr als logische Konsequenz. Havertz erhöhte kurz vor dem Pausenpfiff auf 3:0.

Die Schland-Party war damit im vollen Gange und Nagelsmann konnte im Stile eines Testspiels ein paar Gänge zurückschrauben und taktische Wechsel zu einem frühen Zeitpunkt vornehmen. Robert Andrich war im ersten Durchgang etwas übermotiviert an sein Tagewerk gegangen und verwarnt wurde.

EM: Eröffnungsspiel in München - Bilder der Ankunft von Fans und Spielern
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Ankunft der Fans und Spieler vor dem EM-Eröffnungsspiel in Bildern

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Foto: dpa/Sven Hoppe

Pascal Gross übernahm für ihn im Mittelfeld, und auch Leroy Sane und Niclas Füllkrug durften zeitig auf den Rasen. Und Füllkrug war kaum auf dem Feld, da hämmerte er den Ball ins Netz zum 4:0. An diesem Abend glückte alles. Es war mehr ein Schaulaufen und der Moment für große Gesten. Als Nagelsmann Thomas Müller in seinem Wohnzimmer nach 72 Minuten einwechselte, war das Publikum entzückt. Es feierte aber auch Musiala frenetisch. Und sogar der nachnominierte Emre Can kam in der Schlussphase och auf den Platz

Kleiner Wermutstropfen, der Gegentreffer in der 87. Minute: Antonio Rüdiger hatte den Ball unglücklich zum 1:4 in das eigene Tor abgefälscht. Dennoch blieb der Abstand erhalten – denn Emre Can traf mit dem Schlusspfiff zum 5:1. Es könnte etwas Großes heranwachsen bei dieser EM.