Weiter Sorgen um Flügelspieler In welchem Dilemma Nagelsmann mit Sané im DFB-Team steckt

Frankfurt · Das letzte Gruppenspiel der Heim-EM – Deutschland trifft in Frankfurt auf die Schweiz. Gegen die Eidgenossen wird Leroy Sané erneut nicht in der Startelf stehen. Eine knifflige Situation für Bundestrainer Julian Nagelsmann, der dem Flügelspieler eine besondere Rolle zuschreibt.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

In diesen Tagen ist viel die Rede von einem neuen Traumpaar. Der Boulevard hat „Wusiala“ für sich entdeckt. Die Mischung aus Jamal Musiala und Florian Wirtz – bei der Heim-Europameisterschaft soll ihr Stern im Doppelpack richtig aufgehen. Bisher leuchtet vor allem der von Musiala besonders hell. Von einem anderen im Team droht er dagegen gehörig abzustürzen.

Leroy Sané ist einer dieser Typen, den man entweder liebt oder nur schwer einen Zugang zu ihm hat. Bei dieser EM jedenfalls kommt er noch überhaupt nicht in den Tritt. Das ist auch nicht so verwunderlich, denn er ist angeschlagen in das Turnier gegangen. Und würde er nicht über außergewöhnliche Qualitäten verfügen, hätte Nagelsmann wohl auch auf eine Nominierung verzichtet. So ist der Bundestrainer ein gewisses Risiko für den Profi des FC Bayern eingegangen. Das Kalkül: Auch ein Sané bei nicht 100 Prozent kann im Zweifel den Unterschied ausmachen.

Seit Monaten plagen ihn Schambeinprobleme. Lange Zeit konnte der Flügelstürmer nur äußerst eingeschränkt spielen und trainieren, musste Schmerzbehandlungen auf sich nehmen. Vor der EM war er ohnehin zunächst gesperrt nach einer Tätlichkeit im vergangenen Jahr, dann auch noch die gesundheitlichen Probleme. Unbeschwerte Vorbereitung sieht definitiv anders aus.

Nagelsmann gibt Sané Zeit

„Wir haben einen sehr guten Draht zueinander, auch ohne zehn Mal die Woche miteinander zu sprechen. Wir haben ein gutes Verständnis füreinander", hatte Nagelsmann im Vorfeld der EM über sein Miteinander mit dem 28-Jährigen beschrieben. „Die Ausfallzeit war nicht so extrem lang, aber er hat ja über einen ganz langen Zeitraum damit zu kämpfen. Er hat natürlich immer Sorge, dass das wieder kommt."

Und weiter: „Er hat am Ende der Saison knapp fünf Wochen nicht trainiert. Es dauert einfach seine Zeit, bis er wieder im Rhythmus ist. Die Zeit gebe ich ihm. Er muss sich aktuell ein bisschen gedulden. Das ist kein Problem für ihn. Er ist ein angenehmer Charakter, der nicht aufmuckt. Klar, ausgewechselt werden, findet er nicht so toll – Einwechseln dagegen schon.“

So wie bei den bisherigen beiden Gruppenspielen. Doch in beiden Partien konnte er nicht viele Impulse setzen. Vielmehr wirkte er wie ein Fremdkörper. Ein Einzelkönner, zweifelsohne, aber ohne echte Bindung zu seinem Mannschaftskollegen.

Thomas Müller: „Der Leroy ist schon ein Guter“

Arrogant. Unmotiviert. Eine Diva. So oder ähnlich wird Sané oft von außen beschrieben. So wirkt er. So empfinden Menschen seine Auftritte. Innerhalb des Teams gibt es ganz andere Beschreibungen. Nagelsmann spricht von einem „feinen Kerl“. Und auch andere sind nur voll des Lobes, wie Thomas Müller: „Es wird immer viel erzählt. Aber der Leroy ist schon ein Guter. Man muss etwas Geduld mit ihm haben.“

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Foto: dpa/Bodo Marks

Im Fußball ist das mit Geduld immer so eine Sache, weil auch andere schon mit den Hufen scharren oder auch schon ein paar Schritte vor ihm sind. Das Turnier ist im Optimalfall noch ganz lang und vielleicht bekommt auch Sané noch seine Bühne, um seinen Wert für die Mannschaft zu unterstreichen. Im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz wird er erneut wieder nur von der Bank in die Partie kommen.