Vor zweitem Gruppenspiel gegen Ungarn Er ist bisher einer der großen Gewinner im DFB-Team

Stuttgart · Er galt einst in der Hauptstadt bei Hertha BSC als Synonym für Mittelmaß – mit dem VfB Stuttgart ist er Vizemeister geworden und hat sich dadurch auch in den Mittelpunkt spielen können. Bei der Heim-EM könnte er im Kader von Julian Nagelsmann einer der größten Konstanten werden.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Es ist im Fußball mit den Lebensläufen immer so eine Sache. Bei manchen reibt man sich verwundert die Augen und staunt über das junge Alter und die bereits viele Erfahrung. Bei anderen stellt man sich die Frage, warum es solange gedauert hat, bis jemand den nächsten großen Schritt gehen konnte. Maximilian, genannt Maxi, Mittelstädt ist so ein Kandidat. Er ist mittlerweile 27 Jahre alt, spielt in der Bundesliga bei Vizemeister VfB Stuttgart und ist nun auch Stammkraft in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Mittelstädts unerwarteter Weg

Damit war nicht zwingend zu rechnen. Der gebürtige Berliner hat alle Junioren-Nationalmannschaften des DFB durchlaufen, ist schließlich bei Hertha BSC zum Profi und einer wichtigen Stütze geworden. Aber so wirklich die ganz große Bühne? Es war alles etwas weiter entfernt. Doch Mittelstädt spielt als Linksverteidiger auf einer Position, auf der die Konkurrenz hierzulande, zumindest mit deutschem Pass, überschaubar ist.

Während er in Berlin noch mit vielen Zusatzthemen beschäftigt war, drohte seine Karriere dort sogar ins Stocken zu geraten. Zuletzt war er immer mehr ein Bankdrücker. In Stuttgart, in einer spielstarken Mannschaft, konnte er sich ganz anders zeigen. Die Schwaben haben ihn dereinst vor allem verpflichtet, um Chris Führich den Rücken zu stärken. Der war da schon Teil der Nationalmannschaft, Mittelstädt noch nicht.

Mittelstädts große Stärken

Doch während Führich wahrscheinlich vor allem als Joker eine Rolle spielen wird, könnte Mittelstädt gleich bei seiner ersten EM-Teilnahme zu einem der Konstanten im Team von Julian Nagelsmann werden. Vor der Begegnung gegen Ungarn im zweiten Gruppenspiel des Turniers hat er gerade einmal fünf Länderspiele in den Büchern stehen. Was ihn so stark macht, ist sein normales Spiel. Er ist ein solider Zweikämpfer, hat einen guten ersten Ballkontakt und kann sich auch in die Offensive einschalten. Von den Werten her zählt er zu den Spitzenkräften auf seiner Position in der Liga.

Er ist lange unter dem Radar geflogen. Doch das scheint nun endgültig vorbei. Für Mittelstädt geht es nun darum, in seiner neuen schwäbischen Heimat der unglaublich anmutenden Story ein Kapitel hinzuzufügen. In zwölf Monaten vom traurigen Berliner Bundesliga-Absteiger zu – laut Bundestrainer Julian Nagelsmann – einem der international vier besten linken Außenverteidiger.

Entwicklung „ein Wahnsinn“

Wie geht das? „Es ist schon Wahnsinn, wie schnell sich alles entwickeln kann. Ich habe auch hart dafür gearbeitet, auch in den Jahren, als es nicht so lief. Ich habe nicht daran gezweifelt, dass ich die Qualität habe. Ich habe immer an mich geglaubt“, erzählt Mittelstädt.

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Foto: dpa/Christian Charisius

Zum Abschlusstraining kam Mittelstädt in seinen neongelben Laufschuhen an der Seite von Führich und Waldemar Anton. Deniz Undav ist der vierte Stuttgarter im EM-Kader. Das Quartett ist der Beleg für den kollektiven Stuttgarter Aufschwung.

Mittelstädt ist seinen Trainern dankbar

Unlängst hat er Pal Dardei seine Aufwartung gemacht. „Eine sehr, sehr gute Flasche“, habe er ausgesucht und seinem ehemaligen Trainer und langjährigen Förderer Pal Dardai als Dank nach Berlin gebracht, erzählt er im Teamcamp der Fußball-Nationalmannschaft. „Ganz hervorragend“ habe der edle Tropfen geschmeckt, soll der für Rotwein- und Zigarrengenuss bekannte ungarische Ex-Coach aus der Hauptstadt geantwortet haben.

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Zwei Flaschen Wein mit VfB-Logo suchte Mittelstädt noch für den weiteren Berliner Trainerstab aus. Auch sein jetziger Vereinscoach Sebastian Hoeneß und Nagelsmann hätten einen guten Tropfen verdient. Der eine ermöglichte die Entwicklung, der andere erkannte sie. Und Mittelstädt sieht Parallelen. „Beide sind junge, moderne Trainer, die einen guten Draht zur Mannschaft haben“, sagt der 27-Jährige. Sein erfolgreicher Start im Nationaltrikot in diesem Jahr sei ihm auch durch die ähnliche Mentalität der Trainer erleichtert worden.

Nun will er mit Deutschland bei der Heim-EM Geschichte schreiben. Zunächst mit der vorzeitigen Qualifikation für das Achtelfinale des Wettbewerbs. Doch damit soll der Weg von ihm noch lange nicht zu Ende sein. Auf ganz vielen Ebenen. Ihn haben jetzt alle auf dem Zettel.