Trotz bitterem Aus bei Heim-EM Auf diese Nationalmannschaft kann Deutschland stolz sein

Meinung | Stuttgart · Das Aus im Viertelfinale der Europameisterschaft – natürlich ist es ein herber Dämpfer für die DFB-Auswahl. Doch die Art und Weise, wie sich Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Team bei diesem Turnier auf und neben dem Platz präsentiert haben, macht Mut für die Zukunft.

EM 2024: Deutschland gegen Spanien – die Bilder des Spiels​
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Deutschland gegen Spanien – die Bilder des Spiels

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Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Es ist eine Grundvoraussetzung für das Amt des Bundespräsidenten, dass er mindestens 40 Jahre alt ist. Julian Nagelsmann könnte sich also erst in vier Jahren für die höchste politische Position in der Bundesrepublik bewerben – die Rede dafür hat er bereits jetzt gehalten. Nach dem bitteren Ausscheiden im Viertelfinale der Europameisterschaft im eigenen Land hat der Bundestrainer die Deutschen jedenfalls daran erinnert, was uns allen manchmal selbst im Weg steht.

Und er hat daran erinnert wie es besser laufen könnte. „Gemeinsam, statt gegeneinander“, lautete sein Appell – er meinte damit den Umgang mit der Nationalmannschaft, aber auch den mit der Gesellschaft im Ganzen. Sein Team hat einiges dafür getan, dass der Glaube ans Gemeinsame zurückgekehrt ist. Noch vor einigen Monaten hätte niemand einen Pfifferling auf „Die Mannschaft“ gegeben. Da wurde eine Dokumentation über die WM 2022 gesendet, in denen Graugänse zur Motivation (!) der Spieler herangezogen wurden, und alle Beteiligtem fanden sich schrecklich toll. Ohne auch nur einen Funken Selbstkritik.

Nagelsmann lamentiert nicht herum

Nagelsmann hat dem DFB ein neues Grundverständnis gegeben. Sagen, was ist. Er lamentiert nicht herum, spricht auch unangenehme Themen klar an. Dazu gehört natürlich auch das Scheitern bei diesem Turnier. Schließlich war es das erklärte Ziel den vierten EM-Titel zu gewinnen. Es ist das eine, dass es nicht geklappt, es ist das andere, wie man damit umgeht.

​EM 2024: Deutschland – Spanien: das DFB-Team in der Einzelkritik​
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Deutschland – Spanien: das DFB-Team in der Einzelkritik

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Foto: dpa/Christian Charisius

Alles gut gelaufen? Schiedsrichter schuld, ein paar Launen der Natur dazu? Mitnichten. Nagelsmann verschont auch sich nicht in der Fehleranalyse. Er macht aber auch nicht den Fehler, jetzt alles grundsätzlich in Frage zu stellen. Dafür gibt es schließlich auch keinen Grund. Deutschland hat in der Verlängerung der Europameisterschaft gegen eine der besten Kontrahenten nicht nur auf diesem Kontinent (mal wieder) verloren. Das ist bitter, das tut weh.

Der Weltmeistertitel als nächstes Ziel

Aber es ist nicht das Ende der Welt, sondern möglicherweise der Anfang in der Entwicklung der DFB-Auswahl. Die hat nun bereits in wenigen Wochen wieder eine neue Chance sich zu zeigen. Bei der Nations League, ein Jahr dann später in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026. Was er dort erreichen will? „Weltmeister werden“, sagt Nagelsmann mit einer Überzeugung, als gäbe es daran nicht einmal leise Zweifel.

Deutschland hat genau so einen Mutmacher gebraucht. Keinen Schönredner, sondern einen Bessermacher. Das ist Nagelsmann in seiner bisherigen Amtszeit ganz oft gelungen. In dieser Partie nun gegen Spanien nicht, da hat selbst er phasenweise den Überblick verloren. Aber man traut ihm zu, die richtigen Lehren daraus zu ziehen. Deutschland darf ruhig stolz auf die Nationalmannschaft sein – es war gerade erst der Anfang.