13 Tore in 18 Länderspielen Füllkrug rettet das DFB-Team - die Sehnsucht nach der Nr. 9

Frankfurt · Niclas Füllkrug hat in klassischer Joker-Rolle die DFB-Auswahl zum Gruppensieg geköpft und das Land in Ekstase versetzt. Das bringt Bundestrainer Julian Nagelsmann nun natürlich ins Grübeln.

 Niclas Füllkrug bejubelt seinen späten Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen die Schweiz.

Niclas Füllkrug bejubelt seinen späten Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen die Schweiz.

Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

Deutschland – Land der Dichter, Denker und Mittelstürmer. Da war es natürlich naheliegend, die Kompetenzen zu bündeln und daraus einen Ballermann-Hit zu kreieren. Und so ist das Lied „Füllkrug“ der Internetstars „Aditotoro“ (bürgerlich Adrian Voigt) und „paulomuc“ (bürgerlich Paul Luca Fischer) veröffentlicht. Kleiner Auszug aus dem Werk: „Füllkrug mit Bier. Wir werden König von Europa. Füllkrug mit Bier. Und der Sommer wird so schön wie nie. Füllkrug mit Bier. Wir werden König von Europa. Füllkrug mit Bier. Und der Sommer wird so schön wie nie.“

Niclas Füllkrug hat auf jeden Fall einen gewichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die nächsten Wochen nicht nur auf „Malle“ richtig Fahrt aufnehmen könnten. Das neue Sommermärchen hat durch sein Tor in der Nachspielzeit im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz. Das 1:1 hat die Nation in kollektive Glückseligkeit gestürzt. Sie hat ihr aber auch eine Sehnsucht in Erinnerung gerufen. Die nach einem klassischen Mittelstürmer. Füllkrug ist, wie es die „Zeit“ einmal beschrieben hat, der „Anti-Musiala“, er bietet „Brachialeffizienzfußball“. Auf den Platz kommen, nicht lange über dies, das, Ananas nachdenken. Ball ins Tor. Feierabend.

Müller verfasst Hommage an Füllkrug

Thomas Müller hatte nach der Partie in den Sozialen Medien bereits eine Hommage an den Angreifer in Diensten von Borussia Dortmund verfasst. „Füll den Kruuuuug“, hatte der Münchner geschrieben, im entsprechenden Lied folgt der Zusatz: „mit Bier“. Füllkrug lacht, als er von diesem Vorschlag hört, meint aber trocken: „Für mich nicht.“ Nach einer kurzen Gedankenpause bekommt er aber doch noch Durst und ergänzt: „Vielleicht eins.“

Rudi Völler, einst Weltklassestürmer, herzte Füllkrug im Bauch des Frankfurter Waldstadions innig. Der DFB-Direktor kann wohl mit am besten einordnen, in welchem Zwiespalt man als Angreifer ist, seinem Team in jedem Fall helfen zu wollen, aber natürlich den Anspruch zu haben, immer von Anfang an zu spielen. Julian Nagelsmann steht nun vor genau dieser durchaus kniffligen Frage.

Und hat er denn nun eine Chance auf einen Startelf-Einsatz, Herr Bundestrainer? Nagelsmann sagt: „Die hat er, die hat aber Kai Havertz genauso. Auch Kai hatte drei gute Chancen. Er hat ein gutes Spiel gemacht. Das sind dann so Momente, in denen wir Fülle brauchen. Er liefert Argumente für beide Sachen, als Joker weiter zu fungieren, weil er es super macht oder eben auch mal von Beginn an. Das ist Freud und Leid für ihn zugleich, dass er die Rolle gut erfüllt. Das war ein tolles Tor, das war nicht ganz so einfach. Er hat jetzt eine Woche Zeit, Gas zu geben. Wie alle anderen auch.“

Nur Gerd Müller und Max Morlock haben eine bessere Torquote

13 Tore hat Füllkrug in seinen 18 Länderspielen erzielt, eine bessere Quote unter Spielern mit mindestens 15 Einsätzen haben nur „Bomber“ Gerd Müller und Max Morlock. Ansprüche stellen will Füllkrug nicht. So oder so, sagt er, freut er sich „riesig“ auf das Achtelfinale in Dortmund. Nach einem weiteren Joker-Tor darf es dann sicher auch ein Bier sein.

Im Spielsystem von Nagelsmann ist zunächst Kai Havertz gesetzt, weil man mit ihm auf ein weiteres spielerisches Element setzt und deutlich weniger ausrechenbar ist. Zumindest in der Theorie. Vor Füllkrug war zunächst auch noch Maximillian Beier eingewechselt worden, was zunächst schon etwas verwunderte. Doch der pfeilschnelle Beier sollte Deutschland zu noch mehr Explosivität im Spiel verhelfen, erst dann wollte Nagelsmann die letzte Eskalationsstufe zünden und mit Füllkrug alles auf eine Karte setzen.

Man muss dabei darauf achten, sich nicht zu sehr in der Taktik zu verlieren, sondern die Einfachheit des Spiels im Blick zu behalten. So wie es Füllkrug nun wiederholt eindrucksvoll vorgemacht hat. Als echter Mittelstürmer.