Zweiter Auftritt gegen Ungarn DFB-Team will auf Stufe zwei im Partymodus schalten

Stuttgart/Herzogenaurach · Die Fußball-Nation ist nach dem ersten Auftritt der deutschen Mannschaft bei der Heim-EM in Entzückung geraten. Doch nun soll die Sause erst richtig losgehen. Am Mittwoch trifft das DFB-Team auf Ungarn. Welche Veränderung es in der Startelf geben könnte. Was Rudi Völler sagt.

Fußball-EM 2024 in Deutschland: Spielplan – Termine, Gruppen, Uhrzeiten & Orte
Infos

Das ist der Spielplan der EM 2024 in Deutschland

Infos
Foto: dpa/Arne Dedert

In Deutschland hatte man das Gefühl schon fast verdrängt, wie es ist, so richtig in Schunkelstimmung zu kommen. Und vielleicht ist die Vorsicht auch noch so tief verankert, nicht wieder einen Reinfall zu erleben, dass es auch noch ein paar Jubel-Momente dauert, bis die Nation wieder „Schland“ ist. Aber ein wichtiger Anfang ist nach dem 5:1 im Eröffnungsspiel des Turniers gegen heillos überforderte Schotten gemacht. Und natürlich soll die Party jetzt erst richtig losgehen.

„Wir gucken, dass wir jedes Spiel besser werden“, sagt Jamal Musiala. „Und wir fangen das Spiel gegen Ungarn wieder mit derselben Intensität an.“ So viel zumindest zur Theorie. Die Ungarn dürften zumindest deutlich mehr Gegenwehr leisten, als die Bravehearts es an diesem Abend im Stande waren. Bereits nach der Premiere hat der Boulevard „Wusiala“ aus der Taufe gehoben, um den Arbeitsnachweis von Musiala und Florian Wirtz angemessen würdigen zu können.

EM 2024 in Deutschland: Das sind die besten Torjäger
87 Bilder

Die Top-Torjäger der EM 2024

87 Bilder
Foto: AFP/KIRILL KUDRYAVTSEV

„Wir wollen Gruppensieger werden“

Es ist alles angerichtet für eine große Sause. „Tante Käthe“ hat natürlich das Große und Ganze im Blick. Sportdirektor Rudi Völler blickt vor dem zweiten Turnierspiel am Mittwoch (18 Uhr) sogar schon über die Achtelfinal-Qualifikation hinaus auf eine ideale Ausgangsposition für die K.o.-Phase. „Wir wollen in jedem Fall Gruppensieger werden“, sagte der 64-Jährige. Dortmund, Stuttgart, München wären dann die weiteren Zwischenstationen auf dem Weg bis zum finalen Traumziel Berlin.

„Für mich ist immer der erste Schritt, dass wir eine Art und Weise von Fußball zeigen, die Spaß macht. Ein Ticket kostet Geld. Der Aufwand, den die Fans auf sich nehmen, muss zurückgezahlt werden durch einen Fußball, der Spaß macht, der entertainen soll“, sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Die Menschen schauen Fußball in ihrer Freizeit an. Und wir versuchen, das am Ende immer noch zu paaren mit einem guten Ergebnis.“

Ungarn ohne Niederlage zur EM

EM 2024: Das sind die schönsten Fan-Bilder - Kostüme, Outfits, Verkleidungen
70 Bilder

Das sind die schönsten Fan-Bilder der Heim-EM

70 Bilder
Foto: dpa/Bodo Marks

Dafür wird er wohl auch gegen die Ungarn in weiten Teilen auf das Personal wie beim ersten Auftritt vertrauen. Es gibt keinen größeren Grund für Veränderungen, maximal eine Überlegung wäre es, Kostenpflichtiger Inhalt Pascal Groß den Vorzug vor Robert Andrich zu geben, alleine aus der Überlegung heraus, dass der Leverkusener nicht zu viele Verwarnungen im weiteren Verlauf sammelt.

Und auf der anderen Seite? Das Team von Coach Marco Rossi hatte mit einer perfekten Quali-Runde ohne Niederlage das Ticket für die EM gelöst, sowieso rührte die letzte Pflichtspielpleite der Ungarn vor diesem Turnier aus dem September 2022 (0:2 gegen Italien). Kurz zuvor gab es bei der EM 2021 (2:2) und in der Nations League (1:1, 1:0) auch drei durchaus erfolgreiche Aufeinandertreffen mit Deutschland.

Szoboszlai, der Freigeist

Dementsprechend groß waren die Erwartungen vor dieser EM, in Gruppe A ein gehöriges Wörtchen ums Weiterkommen mitreden zu können. Der Realitätscheck folgte am Samstag in Köln gegen die Schweiz. Bei der 1:3-Niederlage zeigte die Rossi-Elf über weite Strecken eine enttäuschende Leistung, ließ lediglich zwischen der 60. und 80. Minute in Ansätzen aufblitzen, wozu dieses Team in der Lage sein könnte. In diesem Zeitraum fiel auch der 1:2-Anschlusstreffer durch Barnabas Varga, nach einer guten Flanke von Unterschiedsspieler Dominik Szobozslai.

Ungarn agiert gegen den Ball stets aus einem kompakten 5-4-1-System, das aber gegen die Schweiz eine ungewohnt hohe Anfälligkeit bei Bällen durch das Zentrum offenbarte. Bei eigenen Ballgewinnen versucht das Team des italienischen Coaches sofort in Kontersituationen zu kommen. Angeführt werden diese Umschaltmomente in der Regel vom Ex-Leipziger Szoboszlai, der als Freigeist mal im Zentrum, mal auf dem Flügel und mal hinter der Abwehrkette auftaucht. Genau in diesen Momenten ist die deutsche Mannschaft anfällig, weshalb es im DFB-Team auch besonders auf Robert Andrich ankommen wird, um diese Gegenstöße resolut zu unterbinden. Solange sie denn besser ausgespielt werden als zuletzt gegen die Schweiz.

Ungarn unzufrieden mit Auftakt

„Wir müssen geschickter sein, wir müssen versuchen, die Reihen viel besser zu halten, und wir müssen unsere Fehler reduzieren“, forderte Rossi vor dem Spiel am Mittwoch. „Ansonsten zahlen wir bei dem hohen Niveau der Rivalen den Preis.“

Auch seine Spieler waren mit der Umsetzung der eigenen Taktik gegen die starken Schweizer nicht zufrieden. „Wir haben ihnen viel Raum gegeben, sie haben uns leicht überspielt. Wir hatten nicht die einheitliche, aggressive Verteidigung, die unsere Mannschaft bisher auszeichnete“, sagte Bundesliga-Akteur Attila Szalai aus Hoffenheim (zuletzt an Freiburg ausgeliehen). Sollte auch das deutsche Team um Toni Kroos im Zentrum so viel Platz bekommen, wie es die Schweiz und ihr Spielmacher Granit Xhaka hatten, dann könnte es für die Ungarn die nächste deutliche Niederlage geben.