DFB-Geschichte Revanchen und knappe Kisten – die Achtelfinalspiele der deutschen Nationalmannschaft

Düsseldorf · Beim Achtelfinale der Europameisterschaft trifft Deutschland auf England. Ein guter Zeitpunkt, um auf die eindrücklichsten Achtelfinalspiele der DFB-Elf zurück zu blicken.

Szenen aus dem Achtelfinale zwischen Deutschland und den Niederlanden bei der WM 1990.

Szenen aus dem Achtelfinale zwischen Deutschland und den Niederlanden bei der WM 1990.

Foto: WDR / Werek/WDR

Achtelfinalspiele sind ein Wendepunkt internationaler Fußballturniere. In der Gruppenphase können Niederlagen noch verschmerzt und durch spätere Erfolge oder die Schützenhilfe anderer Mannschaften ausgeglichen werden. In der K.o.-Phase dagegen zählt jedes Spiel – es muss ein Sieger vom Platz gehen.

Entsprechend intensiv haben sich in der Vergangenheit manche Achtelfinalspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft gestaltet.

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Im Hinblick auf das Achtelfinalspiel gegen England (Dienstag, 29. Juni, 18 Uhr) spricht die Statistik für die DFB-Elf. Von insgesamt zehn WM-Achtelfinalspielen verlor Deutschland nur eins: 1938 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Weil die erste Partie gegen die Schweiz über 120 Minuten 1:1 endete, gab es ein Wiederholungsspiel. Deutschland verlor mit 2:4 – obwohl Sepp Herbergers Team erst 2:0 geführt hatte.

Das erste Achtelfinalspiel der deutschen Fußballgeschichte 1934 fiel dagegen zugunsten der Deutschen aus. Mit 5:2 schoss sich das Team gegen Belgien ins Viertelfinale, Edmund Conen erzielte einen lupenreinen Hattrick. Von 1954 bis 1982 wurden bei Weltmeisterschaften entweder Zwischenrunden, oder direkt das Viertelfinale gespielt.

Bei Europameisterschaften gab es bisher erst eine Achtelfinalrunde: 2016 in Frankreich. Damals gewann Deutschland souverän gegen die Slowakei mit 3:0.

Viel denkwürdiger sind da andere Spiele. Etwa das Duell gegen die Niederlande bei der WM 1990. Zwei Jahre zuvor hatte das deutsche Team bei der EM gegen die Elftal im Halbfinale eine Niederlage hinnehmen müssen und war fest entschlossen sich zu revanchieren.

Zuerst sind die Niederländer spielstärker, doch dann kommt es zum EklatRudi Völler und Frank Rijkaard sehen beide in der 22. Minute die Rote Karte. Vorher hatte Rijkaard Völler nach einem Foul in die Haare gespukt. Deutschland bekommt einen Freistoß, Völler berührt Hollands Torhüter Hans van Breukelen dabei leicht. Rijkaard verliert daraufhin endgültig die Fassung, packt Völler am Ohr und beide werden vom Platz gestellt. Auf dem Weg in die Kabine spuckt der Niederländer Völler erneut an.

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Foto: dpa/Christian Charisius

Mit Fußball hat dieses Schmierentheater nichts zu tun, doch es markiert für Deutschland die Wende: Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme schießen ihr Team in der zweiten Halbzeit in Führung, die Niederlande erzielen erst in der Nachspielzeit per Elfmeter den Anschlusstreffer. Die Oranje-Elf ist damit unrühmlich ausgeschieden, Kostenpflichtiger Inhalt Deutschland wird später Weltmeister.

Auch das 2:1 gegen Algerien bei der WM 2014 zählt zu den besonderen Achtelfinalspielen der deutschen Mannschaft. Der nordafrikanische Außenseiter bewies viel Leidenschaft, zwang Manuel Neuer immer wieder, seine Qualitäten als mitspielender Torwart zu zeigen, und erkämpfte sich gegen das DFB-Team in den ersten 90 Minuten ein 0:0.

Nur mit enormer Kraftanstrengung konnte Algerien schließlich bezwungen werden: In der Verlängerung brachten André Schürrle (92.) und Mesut Özil (119.) ihre Mannschaft in Führung. Abdelmoumene Djabou erzielte in der 121 Minute sogar noch den Anschlusstreffer, doch den Algeriern lief die Zeit davon. Die Mannschaftsleistung sorgte für einen regelrechten Schub beim deutschen Team, das am Ende des Turniers Weltmeister wurde.

Gut in Erinnerung dürfte den deutschen Fans auch das Achtelfinale der WM 2010 geblieben sein. Joachim Löws Team schlug hier die englische Mannschaft deutlich 4:1.

Eher unansehnliche Achtelfinalspiele gab es in der deutschen Turnier-Historie leider auch. So sorgte das drohende Aus, was über jedem Spiel der K.o.-Phase schwebt, nicht selten für übermäßige Vorsicht bei den Mannschaften.

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Foto: dpa/Lukas Barth

Bei der WM 1986 quälte sich das DFB-Team gegen Marokko und rannte bei Temperaturen über 30 Grad im Schatten ideen- und erfolglos lange Zeit gegen die Abwehrreihen der Marokkaner an. Erst in der 87. Minute erlöste Lothar Matthäus seine Mannschaft mit einem Freistoßtor. Ähnlich zäh gestaltete sich das Spiel gegen Paraguay bei der WM 2002. Erwähnenswerte Szenen gab es bei der hölzernen Partie kaum. Nur dank einer Weltklasse-Parade von Oliver Kahn und dem späten Treffer von Oliver Neuville (88.) erreichte Rudi Völlers Team das Viertelfinale.