DFB bezieht EM-Quartier in Polen: Die Nationalelf zieht nach Danzig

DFB bezieht EM-Quartier in Polen : Die Nationalelf zieht nach Danzig

Die Europameisterschaft ist nicht nur eine sportliche, sondern auch eine logistische Herausforderung. Heute fliegt die DFB-Auswahl nach Polen in ihr EM-Quartier. 47 Tonnen schwer ist das Gepäck, das zum Teil mit Lastkraftwagen transportiert wird.

Das Ziel der Träume ist Kiew. In der Hauptstadt der Ukraine wird am 1. Juli das Finale der Fußball-Europameisterschaft angepfiffen, dann wollen Bundestrainer Joachim Löw und sein Team nach dem Siegerpokal greifen. Auf dem Weg zum erhofften Triumph haben sie mindestens dreimal in ukrainischen Städten anzutreten, in der Vorrunde gegen Portugal (Lemberg), die Niederlande (Charkow) und Dänemark (Lemberg). Trotz der großen Entfernungen hat sich der Deutschen Fußball-Bund (DFB) wie zwölf weitere EM-Teilnehmer für ein Hotel in Polen als "Basecamp" entschieden.

Die Männer um Kapitän Philipp Lahm fliegen heute mit einem nagelneuen Lufthansa-Jumbo 747-8 von Frankfurt/Main nach Danzig. Nach der gegen 15 Uhr erwarteten Ankunft beziehen sie Quartier im Hotel Dwor Oliwski. Und dann sollen sie dort alles vorfinden, was ihnen den Aufenthalt während des Turniers so angenehm wie möglich macht. Er soll für den DFB ja sehr lange dauern.

"Wir haben für die Reisen zu den Trainingslagern auf Sardinien und in Südfrankreich, nach Danzig und für die Flüge zu den Spielen in der Ukraine sogar mehr Tonnage als zur WM nach Südafrika. Sie umfasst 47 Tonnen", erklärt Georg Behlau, der beim DFB als Leiter des Büros Nationalmannschaft für die Organisation und Logistik zuständig ist. "Für die "klassische Backgroundarbeit", wie der gebürtige Aachener es formuliert. "Bis zu sechs Lkw fahren die Geräte, und sie kommen dabei insgesamt auf eine Strecke von 14 000 Kilometern."

Trotz aller Kosten geht der DFB mit einem Überschuss von etwa zwei Millionen Euro aus dem Turnier, den der DFB mit der Fußball Liga (DFL) teilt. Im schlechtesten Fall kassiert der DFB acht Millionen, dann braucht er an die Spieler keine Prämien zu zahlen, im besten Fall beim Titelgewinn 23,5 Millionen Euro.

"Unser Hotel liegt in Meeresnähe", sagt Behlau. "Die Zahl von 70 Zimmern passt genau, die Fahrt zum Flughafen dauert etwa 20 Minuten." Der DFB hat neben dem Haus, das einen preisgekrönten Spa-Bereich bietet, auch einen eigenen kleinen Trainingsplatz und einen Platz für das Torhütertraining gebaut. Das Hotel liegt in einer Gegend, die als bestes Wohnviertel Danzigs gilt. "Wir wollen nie so etwas wie Fort Knox", betont Behlau, "aber wir müssen schon auf Sicherheit und Ruhe achten." Auch Bodyguards gehören zur Delegation. Damit es den Profis an nichts fehlt, hat der DFB viele Geräte transportieren lassen. "Fitnessgeräte wie Spinningbikes, 35 Mountainbikes, Laufbänder, Hantelbänke und Schnellkrafttrainingsgeräte", umreißt Behlau.

Billard, Tischtennis, Darts und Playstation

"Außerdem für die Players Lounge Poolbillard, Tischtennisplatten, Darts, Playstations. Insgesamt gesehen alles, was man so braucht, um als Sportler erfolgreich sein und die Freizeit attraktiv gestalten zu können." Zu den Gruppenspielen startet das Team jeweils am Vortag gegen 10 Uhr. Mit der Zeitumstellung von einer Stunde landet sie am Mittag in der Ukraine. Die Mannschaft hat immer die gleichen Anstoßzeiten, nach deutscher Zeit 20.45 Uhr. Gegen zwei Uhr polnischer Zeit in der Nacht wird sie wieder in Danzig sein.

Was ist geplant, wenn Deutschland Europameister wird? "Bei der großen Erwartungshaltung in unserem Land tun wir gut daran, erst dann zu feiern, wenn etwas zu feiern ist", betont Behlau. "Aber natürlich müssen wir für alle Szenarien gerüstet sein — auch wenn wir nach drei Spielen ausscheiden, woran wir nicht denken wollen. Dann werden das Team und alle Betreuer am nächsten Tag nach Hause reisen und in Urlaub fliegen." Für den Fall, dass die Mannschaft das Finale erreicht, hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) schon ein Hotel fest gebucht. Behlau: "Da hast du selbst keine Auswahl. Bei der Uefa wissen sie bereits, welche Etage und welche Zimmer du bekommst. Wir haben sie uns auch schon angeschaut und können damit gut leben."

"Was unseren Verband schon immer ausgezeichnet hat, war Perfektion in der Organisation", sagt Behlau. "Beim Teammanagement gehören wir sicher zu den bestaufgestellten Verbänden." Die Europameisterschaft ist noch nicht einmal im Gang, da hat der DFB längst mit den Planungen für das nächste Großereignis begonnen. Behlau: "Parallel zur Arbeit für die EM haben wir uns auch schon nach einem Quartier für die WM 2014 in Brasilien umgesehen." Man sucht in dem südamerikanischen Land ein Hotel für eine 60-köpfige Delegation, Trainingsplätze und Möglichkeiten zum Bau eines Medienzentrums. Der DFB will früh genug die Weichen stellen, weil wie er auch andere Verbände in Brasilien ein Quartier suchen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: EM 2012: das Quartier der Nationalmannschaft in Danzig

(RP/can/seeg)