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Kapitän spielt links und rechts: Der doppelte Lahm

Kapitän spielt links und rechts : Der doppelte Lahm

Der Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft kann in der Abwehr-Viererkette auf beiden Außenbahnen überragend spielen. Am Donnerstag, in Leipzig gegen Israel, soll er mal wieder links eingesetzt werden. Dort, wo er als junger Profi zu einem Fußballer der Weltklasse reifte.

Der Bundestrainer hat sich festgelegt: Morgen, beim Treffen der Nationalmannschaft mit Israel in Leipzig (20.30 Uhr/Live-Ticker), spielt Philipp Lahm auf der linken Seite der Viererkette. "Ich will versuchen, in der Abwehr etwas zu testen", erklärt Joachim Löw. Gegenüber dem Spiel in der Schweiz (3:5) krempelt er seine Mannschaft bei der Generalprobe für die EM erheblich um. Lahms Pendant auf der rechten Außenbahn wird sein Münchner Kollege Jerome Boateng sein, und in der Innenverteidigung kommt ein weiterer Profi des FC Bayern zum Zug: Holger Badstuber.

Beim deutschen Rekordmeister hatte Lahm seinen Platz zuletzt wieder rechts. Das war der Wunsch von Trainer Jupp Heynckes, der auf der gegenüberliegenden Seite David Alaba (19) vertraute, Bayerns talentiertem Nachwuchsmann aus Österreich. Wo Lahm bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine seinen festen Platz haben wird, lässt Löw noch offen. Die Entscheidung will er erst in der nächsten Woche in Danzig treffen, wo die Mannschaft während der Endrunde wohnt und trainiert.

Der doppelte Lahm: Das ist der gebürtige Münchner als Kapitän der Bayern und des Nationalteams, das ist er zugleich mit der im Fußball seltenen Begabung, auf beiden Außenpositionen der Abwehr exzellent spielen zu können. Bemerkenswert: Bei allen 85 Einsätzen in der DFB-Auswahl stand Lahm in der Startelf. Auf dem linken Flügel reifte er zum Weltklassefußballer. Er macht zuverlässig seinen Job als Verteidiger, schaltet sich aber auch immer wieder in die Offensive ein und wird mitunter selbst torgefährlich, indem er plötzlich nach innen dreht und mit dem rechten Fuß schießt.

Unvergessen bleibt sein Traumtor, das er auf diese Weise im Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2006 erzielte, Deutschlands erster Treffer beim 4:2 gegen Costa Rica. Man wundert sich, dass Gegner so oft durch Lahms allseits bekannte Finte ausgespielt werden. Der 28-Jährige nutzt dabei aber das Überraschungsmoment, weil der Kontrahent nie weiß, wann er blitzschnell nach innen zieht.

Auf der rechten Seite muss er anders spielen. Lahm beherrscht auch diesen Part, aber nicht so überragend wie links. Dass Löw ihn morgen dort wieder einsetzt, ist die Konsequenz aus den schwachen Leistungen, die Marcel Schmelzer auf dieser Position in der Nationalelf bislang bot — nun auch in Basel. Krass ist die Diskrepanz zwischen den starken Partien des 24 Jahre alten Dortmunders in der Vereinsmannschaft (wie zuletzt in der Rückrunde der Bundesliga) und den nach wie vor nicht überzeugenden Auftritten in der DFB-Auswahl. Bei der Borussia hat Schmelzer in Kevin Großkreutz allerdings auch einen Spielpartner auf der linken Seite, der ihn effektiv unterstützt.

Löw setzt gegen Israel vermutlich bis auf Bastian Schweinsteiger alle Akteure des FC Bayern ein, die erst am Montag die Vorbereitung auf die EM aufgenommen haben. Über den Einsatz des Vizekapitäns entscheidet er wohl kurzfristig. Der Münchner sei immer noch leicht angeschlagen, erklärte der Coach: "Er hat einen Bluterguss an der Wade." Schweinsteiger hatte die Verletzung in der Anfangsphase des so unglücklich verlorenen Champions-League-Finales gegen den FC Chelsea erlitten. Löw will nichts riskieren, notfalls verzichtet er beim letzten Testspiel vor der EM auf Schweinsteiger. Doch er sagt klar, was er von ihm und Lahm bei der EM erwartet. "Die Bayern sind gut drauf. Vielleicht brauchen sie noch ein bisschen Zuspruch für den Kopf, dann werden vor allem Lahm und Schweinsteiger ihre Rolle als Führungsspieler wieder übernehmen." Der eine rechts oder links, der andere als Motor des deutschen Spiels im zentralen defensiven Mittelfeld.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Philipp Lahm

(RP/can/csr/sgo)