Deutschland - Griechenland mal anders: Das Spiel der Philosophen

Deutschland - Griechenland mal anders : Das Spiel der Philosophen

Viele haben in diesen Tagen schon vor den Griechen gewarnt. Da will Horst Evers nicht zurückstehen. Der Kabarettist rät den deutschen Spielern für heute Abend: "Wenn auf dem Rasen ein hölzernes Pferd steht, sollte man es nicht in den Strafraum ziehen." Der Mann kennt seinen Homer.

Aber auch ohne trojanisches Pferd sind die Griechen gefährliche Gegner. Das hat die britische Komiker-Truppe "Monty Python" schon in den ganz frühen 1970er Jahren erkannt. Sie ließ in einem Sketch eine Auswahl der großen deutschen Philosophen um Kapitän Georg Friedrich Wilhelm "Nobby" Hegel, Franz Beckenbauer und Friedrich Nietzsche gegen die griechischen Kollegen antreten, die unter anderen Sokrates, Epikur und Aristoteles aufboten. Gespielt wurde in München, und es ging selbstverständlich um die Weltmeisterschaft.

Den Ball bewegen die Schwerdenker nur beim Aufwärmprogramm. Die Griechen bremst zudem das wallende weiße Gewand, in dem sie antreten. Als Schiedsrichter Konfuzius, der die Zeit standesgemäß mit dem Stundenglas misst, die Partie anpfeift, lassen die Philosophen das Spielgerät am Mittelpunkt liegen. Diskutierend oder in Gedanken versunken gehen sie über das Feld, ab und zu tauschen sie wesentliche Ideen aus, dann wieder sind sie ganz bei sich. Beckenbauer ist der Einzige, den das erkennbar irritiert.

So geht das bis tief in die zweite Halbzeit. Dann aber eskaliert das Geschehen. Konfuzius verwarnt Schelling, weil er ihm unterstellt hatte, keinen freien Willen zu haben. In der Aufregung verwechselt der TV-Kommentator Schelling mit Nietzsche. Und während Schelling brummig protestierend die Gelbe Karte hinnimmt, wechseln die Deutschen Karl Marx für Ludwig Wittgenstein ein. Marx beginnt sein Spiel mit einem fulminanten Antritt, fällt aber schnell ins Positionsspiel der deutschen Denker zurück. Es ist wenig Bewegung auf dem Feld. Doch da hat Archimedes die rettende Eingabe. "Heureka", ruft er und sprintet zum Mittelkreis. Er spielt Doppelpass mit Sokrates, dann heraus zu Heraklit, der lässt Hegel stehen wie einen alten Mann, flankt in die Mitte, wo sich wiederum Sokrates in die Flugbahn wirft und mit dem Kopf das 1:0 erzielt. Unmittelbar darauf pfeift Konfuzius ab. Marx glaubt eine Abseitsstellung erkannt zu haben, Hegel urteilt, "dass die Realität nur ein a priori Adjunkt der nicht-naturalistischen Ethik" sei. Kant findet, die Realität sei nur in der Vorstellung existent und hält den griechischen Sieg deshalb für reine Einbildung. Aber die Griechen feiern auf einer Ehrenrunde den Titel, ziemlich real.

Sehen Sie hier die besten Bilder aus dem legendären Sketch.

Das Video sehen Sie hier.

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(RP/can/seeg)