Borussia Mönchengladbach: Mathias Ginter glänzt im Borussia-Park

Ginter glänzt in Mönchengladbach : Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, vier

Matthias Ginter hat bei seinem Heimspiel im Mönchengladbacher Borussia-Park als Abwehrchef und Torschütze geglänzt.

Matthias Ginter musste an diesem Abend im Mönchengladbacher Borussia-Park viel Aufklärungsarbeit in eigener Sache betreiben. „In der Halbzeit wollte es tatsächlich nicht jeder glauben, dass ich das war oder ob es nicht doch ein Eigentor war“, sagte der 25-Jährige. „Ich habe es dann in einer Trockenübung nachgemacht. Dann hat es mir jeder geglaubt.“ Ginter hatte den Führungstreffer beim 4:0-Sieg gegen Weißrussland mit einem spektakulären Hackentor eingeleitet. Es war sein erstes Länderspieltor im 28. Einsatz. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Er stand dabei minimal im Abseits. Ganz regulär war er allerdings am zweiten und dritten Tor als Vorbereiter beteiligt. Derartiges, ließ Ginter später wissen, sei ihm noch nie in seiner Karriere gelungen.

Man merkt ihm in diesen Tagen das gewachsene Selbstvertrauen an. Bei Borussia Mönchengladbach zählt er zu den Führungspersonen. Er braucht dazu kein Lautsprecher zu sein. Das liegt nicht in seinem Naturell. Was Ginter so wertvoll macht, ist im defensiven Aufgabenbereich die Tatsache, dass man weiß, was man bekommt. Er ist durch und durch solide. Sein Stellungsspiel hat er noch einmal deutlich verbessert. Er geht extrem kalkuliert an sein Tagewerk. Für Zuschauer kann das schon mal komisch aussehen. Ginter kommt ohne großen Gesten aus. Er ist einfach da, wenn er gebraucht wird.

Schon den Triumph bei der Weltmeisterschaft 2014 hatte Ginter als Ersatzmann miterlebt, erst jetzt wird er in der breiten Öffentlichkeit als wichtiger Teil der Fußball-Nationalmannschaft wahrgenommen. Zumal er auch auf Klubebene als Bundesliga-Spitzenreiter mit Borussia Mönchengladbach plötzlich im Blickpunkt steht. „Es ist immer mal das Thema gewesen, dass Matze Ginter ein bisschen unterschätzt wird“, bemerkte Bundestrainer Joachim Löw zu seinem neuen Abwehrchef. „Er hat sich defensiv auch verbessert. Er ist stabil geworden und hat so eine gewisse Ruhe. Das macht ihn so solide und seriös.“

Der Fußball schreibt oft seine eigenen Geschichten und wenig in diesem Geschäft ist wirklich planbar. Ginter hat sich zunächst in Freiburg zu einem Abwehrspieler der gehobenen Kategorie entwickelt. Aus dem Breisgau schaffte er schnell den Sprung zu Borussia Dortmund. Vielleicht ging alles ein wenig zu schnell. Jedenfalls wirkte er mitunter etwas verloren bei den Westfalen. Gladbach bietet ihm wieder ein deutlich familiäreres Umfeld.

In der Hierarchie der Nationalmannschaft ist er nun nach oben gespült worden, weil es in der Abwehr ein paar Ausfälle gibt. Besonders die Innenverteidigung zählt zur absoluten Problemzone des Teams. Es konnte sich in der Fachabteilung vieles noch nicht einspielen, weil es immer wieder zu personellen Änderungen gekommen ist. Gegen Weißrussland stand Robin Koch vom SC Freiburg an seiner Seite. Niklas Süle fehlt noch mehrere Monate, Antonio Rüdiger ist auch angeschlagen, Jonathan Tah und Niklas Stark standen zwar im Kader, klagten allerdings auch über Probleme. Für Löw ist dieser Ginter in dieser Form ein echter Glücksfall. Und dann auch noch mit den Qualitäten in der Vorwärtsbewegung.

Ginter ist vielseitig einsetzbar in der Defensive. In der Nationalmannschaft war er schon rechts hinten und in der Mitte im Einsatz. Mit Ginter hat Löw einen Typen in seinem Aufgebot, der viel lösen kann, aber wenig Probleme bereitet, wenn alles anders läuft. Denn möglicherweise stellt sich im kommenden Jahr die Frage, ob die vorhandenen personellen Mittel ausreichen, um in einem EM-Turnier zu bestehen. Was ist, wenn Süle nicht rechtzeitig fit wird? Was, wenn noch jemand verletzungsbedingt ausfällt? Kommt dann Mats Hummels zurück und bringt alleine dadurch alles wieder durcheinander? Ginter wird das alles nicht weiter aus der Ruhe bringen. Ganz gewiss braucht er sich aber auch nicht verstecken.

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