Bundestrainer Joachim Löw verlangt mehr Tore

DFB-Elf spielt heute gegen Irland : Bundestrainer Löw verlangt mehr Tore

Im EM-Qualifikationsspiel gegen Irland ( heute, 20\.45 Uhr) ist ein Sieg eingeplant. Karim Bellarabi steht in der Startelf.

Im EM-Qualifikationsspiel gegen Irland (heute, 20.45 Uhr) ist ein Sieg eingeplant. Karim Bellarabi steht in der Startelf.

Joachim Löw könnte sich zurzeit mit einigen wenig schmeichelhaften Feststellungen plagen. Zum Beispiel: Zwei der drei Spiele seit der Weltmeisterschaft gingen verloren. Das 0:2 in Polen war die erste Niederlage gegen dieses Land. Es war die erste Pflichtspielniederlage seit mehr als zwei Jahren. Und es war die erste Niederlage in einem Qualifikations-Auswärtsspiel seit 16 Jahren. 28 Mal schoss die Auswahl der besten deutschen Fußballer in Warschau aufs Tor, ins Ziel traf sie nicht. Das könnte den Bundestrainer um die gesunde Nachtruhe bringen. Tut es aber nicht. "Ich sehe keine große Problematik", sagt Löw vor dem nächsten EM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Gelsenkirchen (heute, 20.45 Uhr/Live-Ticker). Er sagt es in einem großen Autohaus in Essen, und die Belegschaft applaudiert ihm.

Die DFB-Auswahl hat Kredit bei ihrem Anhang. Zur Beruhigung selbst ängstlicher Gemüter trägt sicher der Qualifikationsmodus bei, der vielleicht auch der wesentliche Grund für die tiefe Entspannung des Bundestrainers ist. Alle Gruppenzweiten fahren zum Finalturnier nach Frankreich, dazu der punktbeste Dritte und die vier Sieger der Play-off-Spiele aller weiteren Dritten. Löw kann also in aller Ruhe für Frankreich planen. "Das Ziel", sagt der Coach, "ist 2016."

Auf dem Weg dahin gibt es allerdings reichlich Arbeit. Ganz kurzfristig muss sich sein Team vor allem vor dem Tor verbessern. "Das einzige Manko in Polen war, dass wir keine Tore erzielt haben", erklärt Löw, "wir haben natürlich das Thema Konsequenz im Abschluss." Zur Bekräftigung fügt er neuerdings ein "klar" an, damit auch jeder begreift, wie selbstverständlich das alles ist.

Seine Jungs haben es möglicherweise noch nicht in vollem Umfang erkannt. Im Zweifel neigen die begabten Kringeldreher in der Offensive eher zum schönen Dribbling und zur kunstvollen Ballstreichelei, als sich am großen Schalker Vorbild Ernst Kuzorra zu orientieren. Das Gelsenkirchener Idol der 20er bis 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat für den Fall fehlender Doppelpasspartner diese Empfehlung gegeben: "Ich wusste nicht wohin mit Ball. Dann hab ich ihn einfach reingewichst." So ähnlich hat DFB-Manager Oliver Bierhoff einst seinen Job als Stürmer versehen. Deshalb verlangt er kurz und bündig: "Das ist reine Kopfsache, da brauchen wir keinen Tanz in der Kabine aufzuführen. Man sollte den Gegner erst bestrafen, ein Tor schießen und dann wieder zaubern."

Für diesen schönen Job kommen im Wesentlichen die Herren aus der Offensivabteilung in Frage. Weil ihr Fußballlehrer die Diskussion über falsche und echte Neuner, Strafraumspieler und hängende Spitzen nicht mehr führen will, hat er schon bei der WM die Arbeitskräfte im offensiven Mittelfeld im Handstreich zu Stürmern erklärt. Sie sollten deshalb auch im Strafraum auftauchen. Mario Götze hat das im WM-Finale auf eindrucksvolle Art getan und damit bestätigt, dass niemand 2,15 Meter groß und zwei Zentner schwer sein muss, wenn er Spiele entscheiden will.

Karim Bellarabi wiegt bescheidene 75 Kilo, und er hätte bei seinem Debüt in Warschau gleich zum wichtigsten Spieler der DFB-Auswahl aufsteigen können. Er hatte vier große Chancen. Obwohl er sie vergab, worüber er selbst am lautesten klagte, hat er seinen Lehrherrn offenbar mächtig beeindruckt. "Er hat mich schon auch überzeugt, er wird starten", sagt Löw, "klar."

Größere Umstellungen plant er ohnehin nicht. Eine diktiert ihm die medizinische Abteilung. Weil der Mönchengladbacher Christoph Kramer unter einer fiebrigen Erkältung leidet, wird eine Planstelle im Mittelfeld frei. Es ist nicht auszuschließen, dass Löw sie gegen die als hingebungsvolle Defensivkünstler erwarteten Iren mit einem offensiveren Mittelfeldspieler besetzt (Julian Draxler?).

Ganz vorn dürfen sich neben Bellarabi und Götze wohl Thomas Müller und André Schürrle um Konsequenz im Abschluss bemühen. Löw ist überzeugt davon, dass die Torflaute sich in Polen erledigt hat. Er verweist auf frühere Diskussionen. "Auch vor dem Turnier in Brasilien hieß es: Wir haben keine Stürmer. Dann haben wir die meisten Tore geschossen", erklärt er. Ein paar gegen Irland sollten zum zweiten Sieg in der Qualifikation reichen. Der ist fest eingeplant. "Wir haben den Vorsatz, unbedingt drei Punkte einzufahren", sagt Löw. Klar.

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(RP)
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