Rassismus und Bengalos: Uefa ermittelt gegen russischen Verband

Rassismus und Bengalos: Uefa ermittelt gegen russischen Verband

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat ein Disziplinarverfahren gegen den russischen Verband wegen des Fehlverhaltens von dessen Fans eingeleitet. Die Anhänger der Sbornaja hatten während des ersten EM-Spiels der Russen gegen Tschechien (4:1) am Freitag in Breslau Feuerwerkskörper gezündet und den dunkelhäutigen Spieler Theodor Gebre Selassie mit Affenlauten rassistisch beleidigt.

Das Disziplinarverfahren, teilte die Uefa mit, beziehe sich "auf das Abbrennen und Werfen von Feuerwerkskörpern" sowie das Zeigen "unerlaubter Plakate". Der rassistische Vorfall, den die Organisation Football Against Racism in Europe (FARE) gemeldet hatte, werde untersucht. "Man hat Affenlaute einiger russischer Fans gegenüber Theodor Gebre Selassie gehört", sagte Rafal Pankowski, der der polnischen Vereinigung Never Again angehört. Diese ist Teil von FARE.

Schon beim Training der Niederländer war es am Mittwoch in Krakau zu einem Rassismus-Vorfall gekommen. Oranje-Kapitän Mark van Bommel hatte die Verunglimpfungen während des Trainings des Vize-Weltmeisters bestätigt. "Wir haben alle die Affenlaute gehört", sagte der ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters Bayern München.

Der ehemalige niederländische Nationalmannschaftskapitän Ruud Gullit hat in einer Kolumne für die britische Zeitung Daily Mail die Rassismus-Attacke scharf verurteilt. "Die Affenlaute, die beim Training zu hören waren, bedeuten eine Peinlichkeit für das EM-Gastgeberland", schrieb der Europameister von 1988 und ergänzte: "Die Uefa-Schiedsrichter haben die Macht, ein Spiel bei rassistischen Verunglimpfungen abzubrechen. Ich bin dafür."

Der ukrainische Ministerpräsident Mykola Asarow hat keine Sorgen, dass sich rassistische Vorfälle in seinem Heimatland wiederholen könnten. "In der Ukraine gibt es keinen Rassismus. Die Ukraine ist ein tolerantes und demokratisches Land", sagte Asarow im Interview mit dem Fernsehsender CNN. Berichte über Rassismus im Land des Co-Gastgebers wies Asarow als Kampagne zurück, die nicht auf Tatsachen beruhe.

Im Vorfeld der Euro hatte Michel Platini in Bezug auf mögliche rassistische Beschimpfungen während der Endrunde auf die Möglichkeit eines Spielabbruchs hingewiesen. Er hoffe, dass die Fans kommen würden, um das Spiel zu genießen. Aber selbstverständlich würde man den Schiedsrichter unterstützen, wenn er das Spiel im Falle solcher Beschimpfungen unter- oder abbrechen würde. Das wäre der worst case, sagte der Uefa-Präsident.

(sid)