Fazit nach enttäuschender EM Frankreichs Plan A ging schief, Plan B gab es nicht

München · Nach den schwachen EM-Auftritten Frankreichs ist im Halbfinale folgerichtig Schluss. Nun startet die Fehlersuche. Zwei Namen geraten dabei besonders in den Fokus.

 Aus und vorbei: Kylian Mbappé nach dem Halbfinale.

Aus und vorbei: Kylian Mbappé nach dem Halbfinale.

Foto: dpa/Tom Weller

Kylian Mbappé steht nach dem Abpfiff für ein paar Augenblicke auf dem Rasen der Allianz-Arena und saugt den Moment der Niederlage ganz intensiv auf. Er flüchtet nicht. Seine Ziele waren groß, seine Leistungen bescheiden. „Ich wollte Europameister werden, ich wollte eine gute EM spielen“, sagt Mbappé. „Ich habe weder das eine noch das andere getan. Das ist eine Enttäuschung“, sagt er. Bei der 1:2-Niederlage im Halbfinale der Europameisterschaft in München gegen Spanien konnte der Neu-Angreifer in Diensten von Real Madrid jedenfalls keine zwingenden Impulse für das Spiel von Les Bleus geben.

Das Aus resultierte allerdings nicht nur aus der bescheidenen Leistung von Mbappé, sondern zuvorderst aus der spieltaktisch äußerst limitierten Art der gesamten Mannschaft. Hoch und weit nach vorne – so ungefähr sah das über weite Strecken des Spiels, aber auch des Turniers aus. Antoine Griezmann, Marcus Thuram, Randal Kolo Muani und eben Mbappé sollten, so die Hoffnung, doch wohl schon richten. Doch ein Feuerwerk der Leichtigkeit versprühte keiner von ihnen, am ehesten noch Kolo Muani.

Mbappé und Griezmann im Fokus der Kritik

Dem Ex-Frankfurter gelang mit dem 1:0 gegen Spanien als einzigem französischen Spieler bei der EM ein Tor aus dem Spiel heraus. „Wir mussten mit der Situation umgehen und sind trotzdem ins Halbfinale gekommen“, sagt Didier Deschamps, der bei seiner Mannschaft auch eine „mentale Blockade“ vermutet. Gerade zu Beginn des Turniers hätten die „Erfolgserlebnisse“ gefehlt, betont der 55-Jährige: „Die einfachste Aktion wird plötzlich schwierig. Die Effizienz, die wir sonst haben, hat uns gefehlt.“

Deschamps wollte Mbappé und auch Griezmann nicht als Sündenböcke hinstellen, er trage für das Abschneiden die Verantwortung. Doch bereits am Tag vor dem Halbfinale hatte dafür Mittelfeldspieler Adrien Rabiot eine deutliche Botschaft an seine Mitspieler gesendet. Angesprochen auf Mbappé und Griezmann sagte er: „Wir brauchen sie in Bestform. Wenn sie nicht so gut spielen, dann müssen wir sie als Mannschaft auffangen. Und bisher haben sie nicht gut gespielt.“

Verletzung und Maske als Ursache?

Noch vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Katar war Mbappé Torschützenkönig. Diesmal steht für ihn gerade einmal ein Elfmetertreffer im letzten Gruppenspiel in den Büchern. Zu wenig für die eigenen Ansprüche, zu wenig für die Grande Nation, die sich schlicht zu abhängig gemacht hat von ihm. Es taugt nur bedingt als Entschuldigung, dass er durch einen Nasenbeinbruch im EM-Eröffnungsspiel der Franzosen gegen Österreich (1:0) im weiteren Turnierverlauf eine Schutzmaske hatte tragen müssen und dadurch gehandicapt gewesen ist. Es ist gleichwohl eine Erklärung.

Im Halbfinale hatte er die Maske abgelegt, die ihn nach eigenem Bekunden in den Partien zuvor massiv behindert hatte. Tatsächlich sah sein Auftritt hernach befreiter aus. Doch er blieb bei seinen explosiven, aber recht leicht ausrechenbaren Antritten immer wieder in der Defensive der Spanien hängen, einen Plan B hatten weder Deschamps noch Mbappé selbst offenbar in der Tasche. Ein paar gefährliche Kombinationen, ein, zwei Abschlüsse aus der Distanz. Mehr war nicht von ihm und seinen Arbeitskollegen zu sehen.

Giroud beendet Nationalmannschafts-Karriere

Bei den Franzosen gehört Mbappé freilich mit gerade einmal 25 Jahren die Zukunft. „Ich werde mich gut erholen. Ich denke, dass ich das brauche, um beim Auftakt frisch zu sein und eine gute Vorbereitung zu absolvieren“, sagt der Weltklassestürmer, der Paris Saint-Germain in Richtung Madrid verlassen hat. „Gerade fühlt es sich nicht gut an. So ist das Spiel. Es geht weiter.“

Ein anderer französischer Ausnahmespieler ist mit dem Aus von München von der internationalen Bühne abgetreten: Olivier Giroud. „Er ist ein Leader, auch wenn er nicht auf dem Platz steht“, sagt der Nationaltrainer über den Rekordtorschützen Frankreichs, der nun mit 37 Jahren jüngeren Spielern Platz macht. „Klar wäre es schöner gewesen, die Karriere am Sonntag zu beenden: Bravo und Merci für alles.“