Mischung aus jung und erfahren Spaniens Hochbegabte peilen den vierten EM-Titel an

Analyse | Düsseldorf · Mit jungen Spielern wie Lamine Yamal und Pedri sowie den Real-Routiniers Nacho, Daniel Carvajal und Joselu hat Spanien eines der spannendsten Teams bei der EM. Bei aller offensiven Kreativität hat der dreimalige Europameister aber auch eine kleine Schwachstelle.

Spaniens Supertalent Lamine Yamal (r.) vom FC Barcelona, hier im Testspiel gegen Nordirland.

Spaniens Supertalent Lamine Yamal (r.) vom FC Barcelona, hier im Testspiel gegen Nordirland.

Foto: AFP/JAIME REINA

5:0 gegen Andorra, 5:1 gegen Nordirland – die letzten beiden Testspiele vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft nutzte die spanische Nationalmannschaft, um sich für die Mission „Titelgewinn 2024“ einzuschießen. Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente gehört mit ihrer Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Recken zum engsten Favoritenkreis.

EM 2024: Das sind die Top-Talente des Turniers
14 Bilder

Das sind die Top-Talente der EM 2024

14 Bilder
Foto: dpa/Daniel Karmann

Wir geben eine Übersicht über alle wichtigen Infos rund um Spanien bei der EM. Angefangen bei den Stärken und Schwächen über die Stars des Teams und wie die Prognose für die Gruppenphase aussieht.

Historisches Abschneiden

Neben Deutschland sind die Spanier die einzige Nation, die bislang drei EM-Titel auf ihren Briefkopf verewigen konnte – und zwar 1964, 2008 und 2012. Ebenfalls historisch: Der „Seleccion“ gelang es als erstes und bisher einziges Nationalteam, ihren Titel zu verteidigen.

Bei den vergangenen beiden Europameisterschaften blieb der große Wurf allerdings aus, und beide Male spielte Vorrundengegner Italien eine entscheidende Rolle. Während sich die „Squadra Azzurra“ im Achtelfinale 2016 als zu abgezockt für die Spanier erwies, fehlte fünf Jahre später die nötige Nervenstärke. Trotz mehr Spielanteilen verpassten die Iberer im Halbfinale die Vorentscheidung und schieden später im Elfmeterschießen aus.

Der Weg zur EM

Mit 21 von 24 möglichen Punkten sicherte sich Spanien ziemlich souverän das EM-Ticket. Einzig Schottland erwies sich für die „Furia Roja“ in der Qualifikationsgruppe A als Stolperstein und überrumpelte den Favoriten im Glasgower Hampden Park mit 2:0. Das war im März vergangenen Jahres.

Fußball-EM 2024 in Deutschland: Spielplan – Termine, Gruppen, Uhrzeiten & Orte
Infos

Das ist der Spielplan der EM 2024 in Deutschland

Infos
Foto: dpa/Christian Charisius

Es blieb der einzige kleine Fleck auf einer ansonsten blütenweiße Weste. Mit 25 Toren in acht Spielen gehörten die Spanier zudem zu den torgefährlichsten Nationalteams während der Qualifikation. Nur Frankreich (29) und Portugal (36) trafen noch häufiger.

Der Trainer

Wenn einer weiß, wie man Titel mit der spanischen Nationalmannschaft gewinnt, dann Luis de la Fuente. Sowohl als Trainer der U19-Auswahl als auch mit der U21 holte der 62-Jährige, der Anfang 2023 auf Luis Enrique folgte, jeweils den EM-Pokal. 2023 folgte der erstmalige Triumph in der Nations League und damit das Ende einer elfjährigen Phase ohne Titel für das A-Team.

Luis de la Fuente, Trainer von Spanien.

Luis de la Fuente, Trainer von Spanien.

Foto: AP/Francisco Ubilla

Bevor de la Fuente im Jahr 2013 zum Verband wechselte coachte er unter anderem die Jugendteams vom FC Sevilla und Athletic Bilbao. Bei den Basken übernahm er ab 2009 für zwei Spielzeiten die Profis, ehe es ihn zu Deportivo Alavés verschlug. Das Engagement hielt allerdings nur rund drei Monate. Die kürzeste Amtszeit seiner Trainerkarriere.

Die Stars

De la Fuente setzt auf einen Mix aus erfahrenen Titelsammlern wie Daniel Carvajal, Nacho (beide Real Madrid), Alvaro Morata (Atletico Madrid) und Rodri (Manchester City) und aufstrebenden Jungstars aus der weltberühmten Kaderschmiede „La Masia“ des FC Barcelona.

Fotos: So sieht der modernisierte Dortmunder Hauptbahnhof kurz vor der EM 2024 aus​
6 Bilder

Kurz vor der EM 2024 – so sieht der Dortmunder Hauptbahnhof aus

6 Bilder
Foto: dpa/Bernd Thissen

Aus diesem Sammelsurium an Hochbegabten ragen vor allem Pedri sowie der erst 16-jährige Lamine Yamal heraus. Der Teenager mit der Zahnspange kann mit einem Einsatz während der EM zum jüngsten Spieler der Turniergeschichte werden. Etwas überraschend fehlt Yamals Teamkollege Pau Cubarsi im Aufgebot. Der 17-jährige Innenverteidiger, der vor allem in der Champions League für Aufsehen sorgte, wurde von de la Fuente aus dem vorläufigen EM-Kader gestrichen.

Spaniens Spielplan und wer die Partien zeigt

Samstag, 15. Juni, 18 Uhr (Berlin)
Spanien – Kroatien (ARD/MagentaTV)

Donnerstag, 20. Juni, 21 Uhr (Gelsenkirchen)
Spanien – Italien (ZDF/MagentaTV)

Montag, 24. Juni, 21 Uhr (Düsseldorf)
Albanien – Spanien (MagentaTV)

Darauf sollte man achten

Kaum eine Mannschaft bei der EM ist so ballsicher und spielstark wie die spanische Auswahl. Zwar nicht mehr so dominant wie zu den goldenen Tiki-Taka-Zeiten zwischen 2008 und 2014, aber immer noch brandgefährlich. Im klassischen 4-4-3-System schalten sich zum Beispiel die Außenverteidiger regelmäßig ins Offensivspiel ein, sodass im Mittelfeld stets eine Überzahl entsteht. Während Rodri im Mittelfeldzentrum Tempo und Rhythmus diktiert, leben davor Spieler wie Dani Olmo (RB Leipzig), Pedri oder Ferran Torres (beide FC Barcelona) ihre Kreativität aus.

Eine der wenigen Schwachstellen zeigt sich in der Defensive, wo Stammkeeper Unai Simon (Athletic Bilbao) in der Vergangenheit immer wieder kleine Unsicherheiten einstreute. Vor allem dann, wenn er konsequent bei der Spieleröffnung angelaufen wurde.

Das ist für Spanien möglich

In Normalform gehört der dreimalige Titelträger zu den Topfavoriten bei dieser Europameisterschaft. Allerdings muss erst einmal die Vorrunde in einer stark besetzten Gruppe mit Titelverteidiger Italien und Kroatien überstanden werden. Wahrscheinlich dürfte es de la Fuente ziemlich gelegen kommen, dass es in den ersten beiden Spielen direkt gegen die beiden Topteams geht, so ist der Fokus von Anfang an da.

Hier schläft Spanien während der EM

Obwohl die Gruppenspiele in Berlin und NRW (Gelsenkirchen, Düsseldorf) ausgetragen, haben die Spanier ihr Quartier im Hotel Öschberghof in Donaueschingen aufgeschlagen. Am Montag fand bereits die erste Trainingseinheit vor Zuschauern statt, die Karten dafür waren im Vorfeld bereits schnell vergeben.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort