Modric zieht immer noch die Fäden Kroatien und das letzte Hurra der goldenen Generation

Analyse | Düsseldorf · Bei seinem wahrscheinlich letzten großen Turnier will Luka Modric mit seinem Heimatland erneut für Furore sorgen. Der fast 39-jährige Mittelfeldstar von Real Madrid führt eine Mannschaft mit viel Bundesliga-Expertise und Ambitionen an. Doch die Gruppenkonstellation macht das Unterfangen nicht leicht.

 Steht wahrscheinlich vor seinem letzten großen Turnier mit der kroatischen Nationalmannschaft: Luka Modric (m.)

Steht wahrscheinlich vor seinem letzten großen Turnier mit der kroatischen Nationalmannschaft: Luka Modric (m.)

Foto: AP/Pedro Rocha

Für Luka Modric schließt sich mit der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland ein Kreis. 18 Jahre ist es mittlerweile her, als der Altmeister von Real Madrid sein erstes internationales Turnier für die kroatische Nationalmannschaft bestritt – in, genau, Deutschland. Damals war bereits nach der Gruppenphase der WM Schluss, bei der EM soll nun endlich der Sprung nach ganz oben gelingen.

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Für diese Stars könnte es die letzte EM werden

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Foto: AFP/NELSON ALMEIDA

Es wäre für die goldene Generation um Modric, den Ex-Leverkusener Domagoj Vida sowie den ehemaligen Münchner und BVB-Spieler Ivan Perisic der perfekte Abschluss ihrer Länderspielkarriere. Auf welche Spieler im kroatischen Kader sollte man noch achten? Was sind die Stärken und Schwächen? Eine Übersicht über alle wichtigen Infos rund um Kroatien bei der EM.

Historisches Abschneiden

Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991 haben sich die Kroaten bislang sieben Mal für eine EM-Endrunde qualifiziert. Nur bei der Euro 2000 in den Niederlanden und Belgien fehlte es im Teilnehmerfeld.

Im Gegensatz zum Abschneiden bei Weltmeisterschaften warten Modric und Co. immer noch auf den Einzug in ein EM-Halbfinale. Bislang war das Erreichen des Viertelfinals bei den Endrunden 1996 und 2008 das höchste der Gefühle. Beim vergangenen paneuropäischen Turnier 2021 war bereits im Achtelfinale gegen Spanien Endstation – wenn auch erst nach Verlängerung.

Der Weg zur EM

Eigentlich lief für die Kroaten alles nach Plan. Zehn Punkte hatten sie in den ersten vier Spielen in ihrer Qualifikationsgruppe D gesammelt und standen punktgleich mit der Türkei an der Tabellenspitze. Das darauffolgende Spitzenspiel verlor der Vizeweltmeister von 2018 allerdings mit 0:1, ebenso die Partie gegen Verfolger Wales (1:2), sodass plötzlich die direkte Qualifikation in ernste Gefahr geriet. Doch mit zwei knappen Siegen im Schlussspurt gegen Lettland (2:0) und Armenien (1:0) wendete die Elf um Kapitän Modric den Umweg über die Play-offs noch ab.

Der Trainer

Als Zlatko Dalic im Oktober 2017 das Amt des Nationaltrainers von Ante Cacic übernahm, war noch nicht abzusehen, dass der gebürtige Bosnier die erfolgreichste Ära des kroatischen Fußballs seit dem dritten Platz bei der WM 1998 einläuten wird. So stehen Vizeweltmeister 2018, WM-Dritter 2022 sowie der zweite Platz bei der Nations League 2023 auf seiner Visitenkarte.

Zlatko Dalic, Trainer von Kroatien.

Zlatko Dalic, Trainer von Kroatien.

Foto: dpa/Soeren Stache

Der 57-Jährige, der auf Vereinsebene Titel in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten feiern konnte, gilt als empathischer Trainer, der die Richtung vorgibt, die Spieler in seine Entscheidungen aber auch miteinbezieht. Der bisherige Erfolg gibt ihm recht.

Die Stars

Auch mit fast 39 Jahren ist Luka Modric aus der kroatischen Startelf nicht wegzudenken. Obwohl bei Real Madrid meist nur noch Teilzeitkraft hinter der neuen Generation um Jude Bellingham und Aurelien Tchouameni, zieht er im karierten Nationaldress nach wie vor die Fäden im Mittelfeld, brilliert mit exzellenter Passtechnik und überragender Spielintelligenz.

Hinter dem Routinier räumen der ehemalige Inter-Spieler Marcelo Brozovic (Al-Nassr) und Mateo Kovacic (Manchester City) ab. Dazu setzt Dalic auf viel Expertise aus der Bundesliga. Insgesamt zehn Spieler aus dem 26-köpfigen Aufgebot sind oder waren im deutschen Oberhaus aktiv. Darunter befinden sich Akteure wie Leverkusens Außenverteidiger Josip Stanisic oder Hoffenheims Torjäger Andrej Kramaric.

Spaniens Spielplan und wer die Partien zeigt

Samstag, 15. Juni, 18 Uhr (Berlin)
Spanien – Kroatien (ARD/MagentaTV)

Mittwoch, 19. Juni, 15 Uhr (Hamburg)
Kroatien – Albanien (RTL/MagentaTV)

Montag, 24. Juni, 21 Uhr (Leipzig)
Kroatien – Italien (ZDF/MagentaTV)

Darauf sollte man achten

Defensiv sind die Kroaten nur schwer zu knacken. Allein während der Qualifikation auf die Europameisterschaft blieben sie in fünf von insgesamt acht Gruppenspielen ohne Gegentor. Trotz fortgeschrittenen Alters ist auch die Offensivabteilung um Kramaric (wird am 19. Juni 33 Jahre alt) und Ivan Perisic (35/Hajduk Split) immer noch für ein Tor gut. Allein Kramaric erzielte in der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit 15 Tore in 30 Einsätzen und war mit vier Treffern auch der torgefährlichste Kroate in der Quali-Runde.

Das ist für Kroatien möglich

Die Mannschaft kann Turniere, das hat sie in der Vergangenheit oft genug unter Beweis gestellt. In einer komplizierten Gruppe wird es darauf ankommen, möglichst viele Punkte einzusammeln, um gegebenenfalls als einer der vier besten Gruppendritten erstmal ins Achtelfinale einzuziehen.

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Foto: dpa/Christian Charisius

Die Kroaten vereinen Physis mit individueller Qualität und sind so nur schwer zu bezwingen, deswegen wäre der erstmalige Einzug in ein EM-Halbfinale auch keine allzu große Überraschung.

Hier schläft Kroatien während der EM

Als eines von nur zwei Teilnehmernationen haben die Kroaten ihr Quartier in Ostdeutschland bezogen – und zwar in der Fontanestadt Neuruppin. Genächtigt wird im Vier-Sterne-Resort „Mark Brandenburg“ am Ufer des Ruppiner Sees, trainiert auf der Anlage des Brandenburgligisten MSV Neuruppin. Von Brandenburg aus ist es auch nicht allzu weit zum Austragungsort des ersten Gruppenspiels gegen Spanien in Berlin.