Yamal, Williams und Co. Wie der spanische Fußball seine Supertalente ausbildet

München · Die Nachwuchsarbeit in Spanien ist weltweit einzigartig. Das zahlt sich aus. Immer wieder werden neue Talente entwickelt. Wodurch sich die Arbeit des spanischen Fußballverbandes auszeichnet und auf welche Spieler es im EM-Halbfinale gegen Frankreich ankommt.

Das spanische Supertalent Lamine Yamal (M.) im Duell mit DFB-Akteur Jamal Musiala (r.).

Das spanische Supertalent Lamine Yamal (M.) im Duell mit DFB-Akteur Jamal Musiala (r.).

Foto: dpa/Christian Charisius

Man muss sich nur selbst vor Augen führen, wo man mit 16 Jahren in seiner Entwicklung gestanden hat, um das Schaffen von Lamine Yamal richtig einordnen zu können. Einen Tag vor seinem möglichen ersten Endspiel bei einer Europameisterschaft wird er 17. Zuvor müsste er mit der spanischen Nationalmannschaft am Dienstag (21 Uhr) Frankreich im Halbfinale des Turniers in München bezwingen. Was seinen persönlichen Weg angeht, da stimmen die allermeisten Beobachter jetzt schon Superlative an.

Es gibt immer mal wieder Überflieger in dieser Branche. Doch einen wie ihn hat es in der Geschichte noch nicht so oft gegeben. Immerhin ist er Stammspieler beim FC Barcelona und auch in der Nationalmannschaft – beide gelten nicht gerade als Horte, die auf dem höchsten Niveau einfach mal so Ausbildungsplätze anbieten. Wer dort spielt, gehört zu den Besten seines Fachs – auf der Welt. „Mit 16 schon auf diesem Level zu sein, ist echt Wahnsinn!“, lobte unlängst Jamal Musiala, der zwar auch erst 21 ist, was aber schon wieder Welten sind.

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Foto: dpa/Christian Charisius

In Barcelona und Madrid ist die Luft für Talente dünn

Yamal befindet sich in bester Gesellschaft. Messi. Xavi. Guardiola – sie alle stammen aus dem Bauernhaus des FC Barcelona. „La Masia“, so wird die Jugendschmiede der Katalanen genannt. Mittlerweile ist es allerdings eine absolute Seltenheit, dass Talente über diesen Weg den Sprung zu den Profis schaffen. Denn Barcelona steht wie die allermeisten Klubs unter dem enormen Druck des Erfolgs. Zeit für Entwicklung bleibt dadurch nicht. Stattdessen setzt man lieber auf ein fertiges Komplettpaket. Wer es dennoch schafft, gehört sehr sicher zu einem extrem elitären Kreis.

Bei Barca, aber auch Real Madrid ist die Luft für Talente verdammt dünn. In den vergangenen 20 Jahren haben die beiden Klubs zusammen zehn Mal die Champions League gewonnen. Es verdeutlicht, dass sich dort nur durchsetzen kann, wer überdurchschnittliche Qualitäten mitbringt. Das gilt übrigens auch schon für die zweiten Mannschaften. Die Durchlässigkeit von Nachwuchs- zu Seniorenbereich ist äußerst gering. Es ist ein brutaler Verdrängungswettbewerb, bei dem die überwiegende Zahl scheitert. Es geht immer nur um die absolute Spitze.

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Foto: dpa/Arne Dedert

Spanien nimmt mittlerweile eine Vorreiterrolle ein

Die beiden europäischen Top-Klubs sind die eine Säule, die mittlerweile allerdings weit weniger Einfluss als früher hat. Deutlich wichtiger ist die Rolle des Verbands RFEF. In der absolut goldenen Zeit mit Spielergrößen wie David Villa, Iker Casillas, Xavi Hernández, Andrés Iniesta und Fernando Torres wurde La Furia Roja 2008 und 2012 Europa- und 2010 in Südafrika Weltmeister. Doch darauf hat man sich nicht ausgeruht, sondern die Strukturen weiter ausgebaut und klopft nun mit einer neuen Spielergeneration wieder ganz oben an.

Die Spanier haben eine Vorreiterrolle auf nationaler und regionaler Ebene. Das Engagement beschränkt sich indes nicht nur auf den Männerfußball. Auch bei den Frauen hat man ordentlich nachgelegt und längst viele europäische Länder, die wie Deutschland über Jahrzehnte eine Vorreiterrolle hatten, mittlerweile in vielen Bereichen abgehängt.

Hoffnungsträger Yamal und Olmo

Der große Hoffnungsträger des spanischen Teams bei dieser EM ist Yamal, besonders nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Mittelfeldspieler Pedri, der nach einem Zweikampf im Viertelfinale gegen Toni Kroos ausgewechselt werden musste; für ihn ist die Euro gelaufen. Die Spanier verfügen indes über so eine breite Bank, dass man es einigermaßen kompensieren kann. Gegen Deutschland wurde Dani Olmo eingewechselt, der prompt ein Tor selbst erzielte und den Siegtreffer vorbereitete.

Und gegen Frankreich im Halbfinale in München? Der Sieger dieses Duells tritt am Sonntag im Endspiel in Berlin gegen den Gewinner der Partie Niederlande gegen England an. Während die Spanier in dem Turnier bislang mit einer offensiven Spielweise glänzten, konnten die Franzosen nicht überzeugen. Neben Pedri fehlen bei den Iberern Dani Carvajal und Robin Le Normand gesperrt.

Wenig glorreich war die Anreise der Spanier nach München. Für die 190 Kilometer zwischen Stuttgart und der bayerischen Landeshauptstadt stieg man lieber in den Flieger statt in den Bus – ganz schön abgehoben. Die Franzosen haben allerdings nach dem Viertelfinale sogar nur 177 Kilometer von Düsseldorf nach Paderborn im Flugzeug zurückgelegt. Mal sehen, wen es auf dem Rasen mehr beflügelt.