Nach Wöber-Eigentor Mutige Österreicher unterliegen unglücklich gegen Frankreich

Düsseldorf · In Düsseldorf bietet Österreich dem französischen Starensemble um Kylian Mbappé mutig die Stirn, verliert am Ende aber unglücklich durch ein Eigentor. Gladbachs Maximilian Wöber wird zur tragischen Figur beim guten Auftritt der Rangnick-Truppe.

Österreichs Maximilian Wöber (l.) köpf den Ball gegen Frankreich ins eigene Tor zum 0:1.

Österreichs Maximilian Wöber (l.) köpf den Ball gegen Frankreich ins eigene Tor zum 0:1.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Es hat kurz vor der EM nicht viel gefehlt, und der FC Bayern München hätte dem österreichischen Fußballverband auf seiner langwierigen Trainersuche tatsächlich den Nationalcoach weggeangelt. „Es war die schwerste berufliche Entscheidung in meinem Leben. Aber sie fühlt sich auch jetzt mit eineinhalb Monaten Abstand richtig an“, sagte Rangnick vor dem EM-Auftakt seines Teams am Montagabend gegen Frankreich. In Düsseldorf sollte nun Rangnick der Angler sein – ein großes Transparent der österreichischen Fans zeigte den 65-Jährigen in Angel-Montur und neben dem Spruchband „Angeln wir uns gemeinsam die ersten drei Punkte“.

Die Choreo der österreichischen Fans: Coach Ralf Rangnick als Angler, dazu der Spruch „Angeln wir uns gemeinsam die ersten drei Punkte“

Die Choreo der österreichischen Fans: Coach Ralf Rangnick als Angler, dazu der Spruch „Angeln wir uns gemeinsam die ersten drei Punkte“

Foto: AFP/OZAN KOSE

So weit kam es dann aber doch nicht, das Gruppenspiel gegen Frankreich – neben England der große Favorit bei dieser EM – ging mit 0:1 verloren. Maximilian Wöber hatte per Eigentor unglücklich für den Siegtreffer der Franzosen gesorgt (38.).

Fast schon traditionell ging Österreich mit einem großen Bundesliga-Block in das Duell gegen das von Didier Deschamps trainierte französische Starensemble um Real-Madrid-Sommerzugang Kylian Mbappé. Neben Kapitän Marcel Sabitzer (Dortmund) standen mit Christoph Baumgartner, Nicolas Seiwald (beide Leipzig), Maximilian Wöber (Gladbach), Konrad Laimer (Bayern), Michael Gregoritsch (Freiburg), Phillipp Mwene (Mainz) und Florian Grillitsch (Hoffenheim) insgesamt acht Akteure aus dem deutschen Oberhaus in der Startelf.

EM 2024 in Düsseldorf: Fans aus Frankreich und Österreich ziehen zur Arena​
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Fans aus Frankreich und Österreich ziehen zur Arena

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Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Die Partie in Düsseldorf startete temporeich, weil Deschamps neben seinem Superstar mit dem Ex-Gladbacher Marcus Thuram, Ousmane Dembelé und Antoine Griezmann eine durchaus offensive Ausrichtung ins Rennen schickte, und Rangnick-Fußball sowieso stets mit viel Zug nach vorne verbunden ist.

Die erste Gelegenheit verzeichneten die Franzosen in Minute elf: Griezmann leitete nach einem österreichischen Ballverlust im Zentrum den direkten Konter ein. Über Theo Hernandez kam der Ball zu Adrien Rabiot, der Mbappé auf dem linken Flügel bediente. Mit viel Tempo sprintete der Stürmer auf Patrick Pentz im österreichischen Kasten zu, doch der Keeper lenkte den Ball mit einem guten Reflex zur Ecke ab.

Österreich ließ sich die Außenseiterrolle in dieser ersten Halbzeit nicht anmerken und spielte gefällig nach vorne – noch ohne Mike Maignan im französischen Kasten ernsthaft zu prüfen. Die Rangnick-Elf leistete sich beim riskanten Spiel durch das Zentrum aber auch immer wieder Ballverluste. Wie in der 19. Minute, als Rabiot einen von Wöber unsauber gespielten Pass abfing und umgehend Griezmann bedienen konnte. Der 33-Jährige blieb mit seinem Schuss aber hängen.

Wie variabel und gradlinig das österreichische Spiel unter Rangnick geworden ist, zeigte sich bei der bis dato größten Chance des Spiels. Der auf die linken Außenbahn ausgewichene Mittelstürmer Gregoritsch schlug eine scharfe Flanke und fand damit Marcel Sabitzer. Der BVB-Profi ließ die Kugel mit einem Kontakt leicht abtropfen und plötzlich stand Baumgartner frei von Maignan. Mit dem Fuß verhinderte der französische Keeper den Rückstand und durfte dann zur Verwunderung der 47.000 Zuschauer mit einem Abstoß weitermachen (36.)

Doppelt bitter kam es für Österreich quasi im direkten Gegenzug – und wieder machte Gladbachs Wöber dabei keine gute Figur. Mit einem Übersteiger ging Mbappé, diesmal vom rechten Flügel, an Außenverteidiger Mwene vorbei. Bei der anschließenden Flanke hielt Wöber seinen Kopf hin und lenkte unglücklich ins eigene Tor ab – 1:0 für Frankreich (38.).

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Foto: dpa/Arne Dedert

Nach dem Seitenwechsel stand erneut Frankreichs Superstar im Mittelpunkt. Und wieder war es ein starkes Rabiot-Anspiel und der unglaubliche Tempovorteil Mbappés gegenüber Wöber, der den Raum hinter der österreichischen Kette öffnete. Doch frei vor Pentz, schoss der Franzose kläglich neben den Kasten (55.). Kurz darauf nahm Rangnick den schwachen Wöber für Gernot Trauner aus der Partie (59.). Zudem kamen mit Marko Arnautovic und Kevin Wimmer zwei frische Offensivkräfte. Mit dem neuen Personal spielte Österreich weiter mutig auf, die zwingenden Chancen hatte aber weiter Frankreich. Erst verpasste Griezmann eine Hereingabe knapp (66.), dann scheiterte Thuram an Prentz (67.).

Die Österreicher probierten es weiter mit viel Leidenschaft, um den durchaus verdienten Punkt gegen die Franzosen einzufahren. Doch Frankreichs Abwehr hielt dem Druck stand, und der Vizeweltmeister von 2022 kam selber durch Umschaltmomente immer wieder in gefährliche Kontersituationen. Für Unmut bei den österreichischen Fans sorgte in den Schlussminuten Mbappé, der sich mehrere Male zur Behandlung auf den Boden setzte. Am Ende rette Frankreich den knappen Vorsprung durch die langen neun Minuten Nachspielzeit.