Frankfurt feiert seine Europapokal-Helden

„Einfach unbegreiflich“ : Frankfurt feiert seine Europapokal-Helden

Eintracht Frankfurt lebt weiter ihren Traum. Der DFB-Pokalsieger feierte den ersten Einzug in ein europäisches Halbfinale seit 39 Jahren und geht zuversichtlich in die Duelle mit dem großen FC Chelsea.

Der letzte Nahkampf einer kraftraubenden Europapokal-Schlacht war für die "Krieger" von Eintracht Frankfurt purer Genuss. Ohne Berührungsängste feierten sie umringt von ihren freudetrunkenen Fans den Triumph über den inneren Schweinehund und Benfica Lissabon. An einem "historischen und außerordentlichen Abend" machte der erste Einzug in ein europäisches Halbfinale seit 39 Jahren auch alle körperlichen Leiden vergessen - die Vorfreude auf die Duelle mit dem FC Chelsea ist riesig.

"Was die Anhänger und das Team geleistet haben, ist einfach unbegreiflich", sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode. Der 28-Jährige hatte zuvor nicht nur wie ein Berserker gekämpft, sondern seinen Verein auch in die Vorschlussrunde der Europa League geschossen. Rode markierte beim 2:0 (1:0) gegen Portugals Rekordmeister den Endstand, der nach dem 2:4 im ersten Duell für die große Jubelparty reichte.

Nach Olympique Marseille und Lazio Rom in der Gruppenphase sowie Schachtjor Donezk und Inter Mailand in der K.o.-Runde schalteten die Hessen, laut Vorstand Axel Hellmann "eine Mannschaft voller Mentalität und Leidenschaft", nun also den nächsten namhaften Gegner aus. "Ob wir das verdienteste Team im Halbfinale sind, weiß ich nicht", sagte der "wahnsinnig stolze" Trainer Adi Hütter: "Aber wir sind mit Sicherheit das überraschendste".

Individuell vielleicht nicht so hochklassig besetzt wie Benfica oder der kommende Gegner Chelsea, lieferte der DFB-Pokalsieger vor 48.000 elektrisierten Zuschauern erneut einen heldenhaften Kampf ab. Taktisch äußerst diszipliniert agierten die Schützlinge von Hütter gegen die gefährlichen Gäste. Die Fans peitschten ihre Lieblinge über die komplette Spielzeit lautstark an.

"Wir waren müde, aber die Unterstützung hat uns die Kraft gegeben", sagte Abwehrchef Makoto Hasebe. "Mit diesen Fans im Rücken haben wir von der ersten Minute daran geglaubt, weiterzukommen", ergänzte Mijat Gacinovic, der die Führung quasi vorbereitet hatte.

Sein Pfostenschuss staubte Filip Kostic (36.) zum wichtigen 1:0 ab - allerdings stand er dabei deutlich im Abseits. "Das war wohl das Quäntchen Glück, das wir diesmal benötigt haben", sagte Flügelspieler Danny da Costa.

Die kaum für möglich gehaltene Aufholjagd hat beim letzten Bundesligisten auf der internationalen Bühne jedenfalls so sehr die Zuversicht gestärkt, dass selbst der sechsmalige englische Meister mit Nationalspieler Antonio Rüdiger in der Vorschlussrunde nicht als unüberwindbarer Gegner betrachtet wird. Im Hinspiel am 2. Mai soll vor heimischer Kulisse auch ohne den gesperrten Ante Rebic der Grundstein gelegt werden, um eine Woche später an der Stamford Bridge das Ticket für das Finale in Baku zu lösen.

In den "absoluten Krachern" (Rode) gegen eine "Champions-League-Mannschaft" (David Abraham) dürfte die Eintracht zwar "nicht der Favorit" (Hütter) sein. Aber das war ja auch schon gegen Donezk so gewesen. Und gegen Inter. Und gegen Benfica.

"Wenn man sieht, gegen wen wir uns schon alles durchgesetzt haben, dürfen wir an uns glauben", sagte da Costa. Und Hellmann stimmte alle, die es gut meinen mit den Hessen, zur Sicherheit schonmal auf die nächsten Festtage ein: "Wir müssen uns langsam wohl daran gewöhnen", sagte er, "dass wir es in Europa einfach können".

(pabie/sid)
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